"Mathematikunterricht erfordert einen speziellen Umgang mit der Sprache."

Sprachkenntnisse sind die Basis für den Lernerfolg in allen Fächern – das gilt für alle Kinder. Das fachliche und das sprachliche Lernen sollten daher immer zusammengedacht werden, auch angesichts der unterschiedlichen Muttersprachen in einer Klasse. Die Lehrwerke "eins zwei drei" und "der die das" berücksichtigen diese Prämisse, indem sie die Sprachbildung fächerübergreifend in den Deutsch- und Mathematikunterricht der Grundschule integrieren. Ein Gespräch mit Ümmü Demirel, Autorin von "eins zwei drei", für das der Cornelsen Verlag mit dem Deutschen Schulbuchpreis ausgezeichnet wurde.

17.02.2015 Pressemeldung Cornelsen Verlag GmbH

Frau Demirel, "eins zwei drei" wurde auch für sein Sprachbildungskonzept prämiert. Wie hängen Sprachbildung und Mathematikunterricht zusammen?

Ümmü Demirel: Sprachbildung und Mathematikunterricht hängen genauso zusammen wie Sprachbildung und alle weiteren Fächer. Das Problem ist leider nur, dass dies vielen Kolleginnen und Kollegen nicht bewusst ist. Mathematik ist eine Wissenschaft und hat eine eigene Fachsprache entwickelt. Diese ist unerlässlich, um mathematische Sachverhalte verstehen und erklären zu können. Die Fachsprache Mathematik stellt für viele Menschen, und vor allem für Migrantenkinder, nahezu eine Fremdsprache dar, mit der sie nur im Unterricht konfrontiert werden. Aus dieser Erkenntnis heraus erfordert der Mathematikunterricht einen noch intensiveren Umgang mit der Sprache.

Gibt es Erfahrungen aus Ihrem Schulalltag, die in die Arbeit an "eins zwei drei" einge-flossen sind?

Ümmü Demirel: Während meiner Ausbildung habe ich sehr schnell festgestellt, dass der Mathematikunterricht eine Hürde für die Kinder darstellt, was eher mit ihren Sprach- als ihren Rechenkompetenzen zusammenhängt. Viele Migrantenkinder, aber auch spracharme deutsche Kinder, verfügen über einen mäßigen Wortschatz in der deutschen Sprache. Aber auch Kindern, die sich in der deutschen Sprache mehr oder weniger sicher bewegen, fällt es häufig schwer, mathematische Sachverhalte in der Fachsprache präzise zu beschreiben. Diese Beobachtung floss in meine Unterrichtsplanung ein. Ich erarbeitete mir schließlich ein Konzept der Wortschatzanalyse. Anschließend folgten der Sprachvergleich und die Erarbeitung der Stolperstellen der deutschen Sprache. Meine Erkenntnisse habe ich dann auch in die gemeinsame Arbeit im Autorenteam einfließen lassen.

Wo sehen Sie in den nächsten Jahren die Herausforderungen für den Mathematikunterricht in der Grundschule?

Ümmü Demirel: Alle Kolleginnen und Kollegen, die das Fach Mathematik unterrichten, müssen sich mit der Sprachbildung im Mathematikunterricht auseinandersetzen und ihren Unterricht und ihre Sprache reflektieren. Es sollte nicht mehr vorkommen, dass Kinder aufgrund ihrer Herkunft schlechtere Abschlüsse erreichen. Dem müssen wir entgegenwirken, indem wir Sprachförderung auch im Fachunterricht als Bestandteil des Unterrichts verstehen und umsetzen.

Zu den Lehrwerken

Das Mathe-Lehrwerk "Eins zwei drei" und das Deutsch-Lehrwerk "der die das" bauen die Sprachkompetenz und den Wortschatz der Kinder systematisch aus. Um allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, bieten die Lehrwerke vielfältige Differenzierungsmöglichkeiten an. Das Konzept berücksichtigt außerdem die kulturelle Vielfalt in den Klassen: Die Themenwahl, die Aufgabenstellungen und die Illustrationen greifen auf Alltagssituationen zurück, die alle Kinder kennen. Lehrkräfte erhalten auf den einzelnen Seiten und in übersichtlichen Begleitmaterialien viele Hinweise zur Arbeit mit mehrsprachigen Lerngruppen. Im vergangenen Jahr wurde "eins zwei drei" als Schulbuch des Jahres ausgezeichnet.

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Ansprechpartner

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Irina Groh
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mecklenburgische Str. 53
14197 Berlin
Telefon: +49 30 897 85-563
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