Mauerbau sollte Schwerpunkt im Schulunterricht werden
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Rainer Eppelmann und der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus fordern anlässlich des anstehenden 50. Jahrestags des Mauerbaus vom 13. August 1961 gemeinsam, in den Schulen die Vermittlung der Zeitgeschichte der beiden Staaten in Deutschland zu intensivieren. Vorhandene Bildungsangebote sollten im Jubiläumsjahr stärker genutzt werden.
12.08.2011 Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus sagte: "Das zeitgeschichtliche Wissen der jungen Generation ist erschreckend dürftig. Es breitet sich mehr und mehr ein zeitgeschichtlicher Analphabetismus aus." Rainer Eppelmann erklärte: "Der 50. Jahrestag des Mauerbaus soll ein Anlass sein, dieses einschneidende Ereignis sowie dessen Hintergründe und Konsequenzen zu Beginn des neuen Schuljahrs aufarbeiten. Die ältere Generation, die den Mauerbau und die deutsche Teilung noch bewusst erlebt hat, ist aufgerufen, ihre Erlebnisse und Erfahrungen den Jüngeren mitzuteilen."
Zugleich wandte sich Rainer Eppelmann vehement gegen jede Art von Verklärung der DDR und des Mauerbaus. "Die Geschichte der deutschen Teilung und der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland muss zu einem gesamtdeutschen Thema werden", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung. "Vor allem die nach 1990 geborenen Menschen sollten die historischen Zusammenhänge verstehen lernen. Dazu gehört, dass die SED-Herrschaft sich im August 1961 nur durch Zwang und Gewalt behaupten konnte." Josef Kraus betonte: "Die DDR war ein Unrechtssystem, das Tausende von Menschenleben, Zigtausende von politischen Gefangenen und Millionen von Bespitzelungen zu verantworten hat. Das muss allen Schülern im geeinten Deutschland, in Ost und West, bewusst gemacht werden."
Massive Kritik übte Kraus an der Behandlung des Faches Geschichte in Deutschland: "Der Geschichtsunterricht nimmt in vielen Bundesländern zu wenig Unterrichtszeit ein. Im Vergleich zu den sogenannten Kernfächern und den zweifellos wichtigen MINT-Fächern wird das Fach Geschichte mit durchschnittlich zurzeit nur 1,3 Wochenstunden sträflich vernachlässigt. Das Fach Geschichte muss in den weiterführenden Schularten aller Bundesländer wieder ein eigenständiges, zweistündiges Fach werden." Kraus wandte sich auch gegen die Vorstellung, im Fach Geschichte komme es nicht auf konkretes Detailwissen, sondern nur auf methodisches Können an. Auch im Fach Geschichte sei kanonisches Fachwissen notwendig. Ohne diese Kenntnisse sei die Einordnung und Bewertung historischer und zumal zeitgeschichtlicher Ereignisse nicht möglich.
Nach Ansicht von Rainer Eppelmann sollte das breite Bildungsangebot zu diesem Thema noch stärker als bisher genutzt werden: "Für den Schulunterricht stehen eine Vielzahl von Bildungsangeboten, Ausstellungen, Publikationen und Filmen zur Verfügung. Insbesondere Zeitzeugenarbeit ist ein hervorragendes Instrument, um junge Leute für das Thema zu sensibilisieren. Bundesweit wird so ein besonders lebendiger Unterricht möglich."
Über das Portal www.zeitzeugenbuero.de der Bundesstiftung Aufarbeitung können sich Schulen und andere Bildungsträger über Zeitzeugen der SED-Diktatur informieren und auch selbst in den Unterricht einladen.
Eine Vielzahl von Bildungsangeboten zum Thema SED-Diktatur und deutsche Teilung finden sich unter: www.stiftung-aufarbeitung.de/bildungsarbeit-1130.html
Weitere Informationen erhalten Sie
von Tilman Günther, Pressesprecher der Bundesstiftung Aufarbeitung,
Telefon: 030 31 98 95 225 oder E-Mail:
oder von Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes,
Telefon: 0171 52 45 945 oder E-Mail:
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