Mehrzahl der neuen Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen kann wie geplant starten

Für die Errichtung von Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen zum Schuljahr 2008/09 waren im Bildungsministerium insgesamt 91 Anträge zu bearbeiten - 50 für Gemeinschaftsschulen, 41 für Regionalschulen (Die Regionalschule in Altenholz war bereits Ende Oktober 2007 genehmigt worden.). Die meisten der zum kommenden Schuljahr beantragten Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen können wie geplant an den Start gehen. "Wir haben die Perspektiven der Schulen eingehend geprüft und genehmigen nur diejenigen endgültig, von denen wir überzeugt sind, dass sie erfolgreich arbeiten können", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (28. April) in Kiel. Das sei bei 29 Regionalschulen und 47 Gemeinschaftsschulen der Fall. "Grundvoraussetzung ist, dass die neue Schule auch als Bildungsstandort in der Region anerkannt und nachgefragt wird."

29.04.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

In Fällen, in denen am 25. April die erforderliche Zahl von Anmeldungen für den fünften Jahrgang (Mindestanmeldezahlen: 45 für Regionalschulen, 60 für Gemeinschaftsschulen) deutlich unterschritten wurde und die Schulen ihren pädagogischen Auftrag somit nicht erfüllen können soll von dem Widerrufsvorbehalt in den Genehmigungen Gebrauch gemacht werden. Dies betrifft zwölf Regionalschulen und zwei Gemeinschaftsschulen. Deren Schulträger haben nun bis zum 14. Mai 2008 Zeit, sich zu äußern, bevor der Widerruf endgültig ausgesprochen wird. Erdsiek-Rave: "Wir können nicht davon ausgehen, dass an diesen Standorten ein pädagogisch leistungs- und zukunftsfähiges Regional- oder Gemeinschaftsschulangebot realisiert werden kann."

"Besonders eingehend geprüft haben wir dort, wo die Mindestanmeldezahl nur knapp unterschritten worden ist", so die Ministerin weiter. Demnach können auch einige Schulen zum kommenden Schuljahr starten, obwohl sie in diesem Jahr etwas weniger als die geforderten Anmeldungen vorweisen konnten. Bei diesen Entscheidungen erhielten Kriterien wie die Gesamtgröße der Schule und die regionale Bedeutung eines Standorts, also alternative Beschulungsmöglichkeiten eine besondere Bedeutung. "Entscheidend ist, dass diese Schulen langfristig überlebensfähig und pädagogisch leistungsfähig sind", sagte die Ministerin.

Binnendifferenzierter Unterricht und individuelle Schwerpunktsetzung durch ausreichende Wahlpflichtangebote seien nur realisierbar, wenn genügend Schülerinnen und Schüler vorhanden seien. "Mit nur 10 oder 20 Anmeldungen für den fünften Jahrgang kann auch mit viel Engagement und überproportionalem Ressourceneinsatz keine Schule entstehen, die dem Anspruch der neuen Schularten und dem Anspruch der Kinder auf eine gute Schule gerecht wird." Daher sollen auch einige Regionalschulen - die vom 7. Jahrgang an in zwei getrennten Bildungsgängen zum Realschul- und zum Hauptschulabschluss führen sollen - keine Genehmigungen erhalten, obwohl sie das Angebot für diese Schulart im größeren Umkreis sicherstellen sollten. Das gelte zum Beispiel für die beantragten Regionalschulen im Kreis Stormarn (Bargteheide und Bad Oldesloe), die deutlich unter den geforderten Anmeldezahlen geblieben seien.

Eine besondere Situation besteht in Flensburg, wo zwei der drei beantragten Regionalschulen jeweils deutlich unter der Mindestanmeldezahl (37 und 28 Anmeldungen) geblieben sind. Die Stadt als Schulträger hat aber nun die Möglichkeit, sich für einen weiteren Regionalschulstandort mit einer langfristigen Perspektive zu entscheiden. Dann würde sich die Gesamtzahl der Regionalschulen auf 30 erhöhen.
Die Georg-Kerschensteiner-Schule in Pinneberg liegt mit 41 zwar knapp unter der Mindestanmeldezahl, es werden aber langfristig stabile Schülerzahlen erwartet. Hier erhält der Schulträger die Auflage, die Schule spätestens zum Schuljahr 2010/11 organisatorisch mit der Karl-Sörensen-Schule zu verbinden. "Im Fall der Gemeinschaftsschule in Hennstedt (Kreis Dithmarschen) gibt es noch keine Entscheidung. Hier hat der Schulträger gegen den Widerrufsvorbehalt in der Genehmigung geklagt", erklärte Erdsiek-Rave. Noch heute solle mit dem Schulträger eine einvernehmliche Lösung gefunden werden.

Die Ministerin betonte, dass die Eltern in Schleswig-Holstein bei der Anmeldung ihrer Kinder frei aus dem Schulangebot auswählen konnten. "Damit haben sie den Schulträgern auch wichtige Hinweise für die Akzeptanz einzelner Schulen gegeben. Zwar mag es mancherorts weh tun, wenn die geplante Schule nun nicht zustande kommt. Ohne die Unterstützung der Eltern ist ein Schulstandort auf Dauer aber nicht überlebensfähig." Dies gelte umso mehr, da die Schülerzahlen in den kommenden 15 Jahren landesweit um durchschnittlich rund 20 Prozent zurückgehen werden.

Bei der Schulwahl der Eltern sei keine eindeutige Tendenz festzustellen. "Es gibt Regionalschulen, bei denen viel mehr Kinder angemeldet wurden als aufgenommen werden konnten. Wir haben auch aus reinen Hauptschulen entstandene Schulen mit hohen Anmeldezahlen", sagte Erdsiek-Rave. "Nach den bisherigen Erfahrungen gehen die Eltern vor Ort nach dem Ruf einer Schule und der Qualität ihrer Arbeit - unabhängig von der Schulart."

Die jeweiligen Schulträger hätten in der Regel versucht, dem Elternwunsch zu entsprechen und an ihren Schulen allen angemeldeten Kindern die Aufnahme zu ermöglichen. "Leider war dies auf Grund beschränkter räumlicher Kapazitäten nicht immer möglich." Dort seien die Eltern möglichst frühzeitig darüber informiert worden, damit sie sich neu orientieren konnten.

Insgesamt zog die Ministerin eine positive Zwischenbilanz: "Für das kommende Schuljahr haben nun alle Beteiligten Planungssicherheit. Die Schullandschaft bewegt sich in einer bisher kaum gekannten Dynamik. Städte, Gemeinden, Schulverbände entscheiden selbst und überlegen deshalb sehr genau, welches Schulangebot sie Eltern machen wollen. Das Schulangebot und das Anmeldeverhalten der Eltern zeigen, dass die neuen Schularten vor Ort angekommen sind und angenommen werden." Für alle anderen Schulträger und Schulen gelte es nun, die Planungen für eine Umwandlung zum Schuljahr 2009/10 oder spätestens zum Schuljahr 2010/11 voranzutreiben, um den Umbau des Schulsystems in Schleswig-Holstein erfolgreich fortsetzen und abschließen zu können.

Zudem gab die Ministerin bekannt, dass die Gemeinde Trappenkamp eine Genehmigung für die Errichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule Trappenkamp zum Schuljahr 2008/09 erhält. "Damit antworten wir auf einen Bedarf in der Region. Die IGS Trappenkamp erfüllt die schulischen Voraussetzungen für die Errichtung einer eigenen Oberstufe, auch hinsichtlich der Schülerzahlen", sagte Erdsiek-Rave. "Ich erwarte von diesem Schritt einen Impuls für die Entwicklung der regionalen Bildungslandschaft." Die Gesamtschule in Trappenkamp besteht bereits seit 1989. Ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler erreicht Jahr für Jahr den Übergang in die gymnasiale Oberstufe. Bisher musste der Bildungsgang an Gymnasien und anderen Gesamtschulen fortgesetzt werden.

ANLAGE: Liste der Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen 2008/09 (siehe rechte Spalte oben)


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