Ministerium stellt Realschulen vor Dilemma
Der vom Schulministerium durchgesetzte Erlass zur Schaffung von Sozialarbeiterstellen an den Schulen in NRW ist im Grundsatz richtig, hat aber einen gewaltigen Haken: Denn eine Schule, die einen Sozialarbeiter einstellen will, muss dafür eine Lehrerstelle abgeben. Für große Schultypen, zum Beispiel Gymnasien oder Gesamtschulen, ist das in der Regel kein Problem, so der Realschullehrerverband NRW.
10.04.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Realschullehrerverband NRWDoch kleinere Schulsysteme, etwa Realschulen, Hauptschulen oder Grundschulen, werden diese Möglichkeit in der Praxis kaum nutzen können. Gerade die Realschulen, die schon seit Jahren über die schlechteste Schüler-Lehrer-Relation aller SI-Schulformen klagen, sind auf jeden einzelnen Kollegen angewiesen, um die Stundentafel zu erfüllen und Mangelfächer abzudecken. "Die Realschulen stehen damit vor einem echten Dilemma: Sie müssen sich das Plus an sozialem Frieden durch einen Sozialarbeiter mit einem Minus an Qualität durch Verzicht auf eine Lehrerstelle erkaufen. Die Leidtragenden werden die Lehrerinnen und Lehrer sein, für die Arbeitsverdichtung und -belastung weiter zunehmen werden", erklärt RLV-Vorsitzender Ulrich Brambach.
Die Hauptpersonalräte für Realschulen, Grund- und Hauptschulen sowie Förderschulen haben den Erlass zur Beschäftigung von Fachkräften für Schulsozialarbeit in NRW in der vorliegenden Form daher abgelehnt. Darüber hat sich das Ministerium jedoch hinweggesetzt. Der RLV fordert, dass Stellen für Schulsozialarbeit nach Bedarf on top bereitgestellt und keinesfalls auf Lehrerstellen angerechnet werden. Dies umso mehr, da Stellen für Sozialarbeit kostengünstiger sind als die eingesparten Lehrerstellen. Das Ministerium will also nicht zuletzt Geld sparen. Für den RLV ist das der falsche Weg. "Denn wer heute bei der Schulsozialarbeit spart, muss morgen vielleicht viel mehr für Resozialisierungs- und Integrationsmaßnahmen ausgeben", so Brambach.
Über den Realschullehrerverband NRW:
Der RLV NRW vertritt als landesweit einziger Lehrerverband dezidiert die Interessen der Lehrkräfte an den über 550 Realschulen in NRW, die mit rund 350.000 Schülerinnen und Schülern eine starke, intakte Schulform und eine Säule des Schulsystems bilden. Unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes (dbb) tritt der RLV NRW für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.
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