"Mit dem Zwang zur Auslese beginnt der Unfug"

"Die Ergebnisse der aktuellen IGLUStudie bestätigt erneut die Überlegenheit von ´Einer Schule für alle´", dämpft Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, den allzu euphorischen Jubel der Kultusminister. Die guten Leseleistungen der deutschen Grundschüler/innen sind außerordentlich erfreulich. Brückner: "Am meisten freut mich, dass der Anteil der so genannten Risikoschüler im Vergleich zu 2001 abgenommen hat und der Abstand zwischen den Leistungsstarken und den Leistungsschwachen wieder relativ gering ist."

30.11.2007 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Nach Ansicht der GEW ist die Grundschule die einzig wirkliche Gesamtschule in Deutschland und ist ein Beleg für den Erfolg eines gemeinsamen Schulbesuchs. Die sich daran anschließenden drei- bis fünfgliedrigen Schulsysteme schaffen es dagegen nicht, Lernfortschritte im gleichen Umfang zu erzielen. Vor allem die Leistungsspreizung zwischen den guten und den schwächeren Schüler/innen nimmt stark zu. "Mit dem Zwang zum Auslesen beginnt der Unfug."

IGLU belegt erneut, dass in keinem anderen Industrieland der Welt der Bildungserfolg so eng mit der sozialen oder ethnischen Herkunft der Schüler korrespondiert: Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern haben einen deutlichen Leistungsvorsprung von 67 Punkten (das entspricht ca. zwei Schuljahren Lernfortschritt) vor Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern. Oskar Brückner: "Ich halte es für einen Skandal, dass Oberschicht-Kindern selbst mäßige Leistungen ausreichen, um eine Gymnasialempfehlung zu bekommen, während Kinder ungelernter Arbeiter dafür absolute Spitzenleistungen erbringen müssen!"

Woher Kultusminister Schneider die Berechtigung zu der Aussage herleitet, die Leseleistung würde mit der Schullaufbahnempfehlung weitgehend übereinstimmen, bleibt sein Geheimnis. IGLU und viele weitere wissenschaftlichen Studien belegen im Gegenteil sehr hohe Fehlerquoten.

Die in Auszügen vorzeitig bekannt gewordenen PISA-Ergebnisse zeigen für Deutschland mit 516 Punkten in den Naturwissenschaften ein erfreulich gutes Ergebnis. Allerdings hat sich Deutschland damit nicht, wie behauptet, von Rang 18, sondern von Rang 15 auf den 13. Rang verbessert. Die Ergebnisse sind mit PISA 2003 kaum vergleichbar, weil das gesamte Aufgabenspektrum umgestellt worden ist. Dies hat bei mehreren Ländern zu erheblichen Punktzuwächsen geführt. "Bei aller Freude darf das für mich wichtigste Ergebnis nicht übersehen werden: Finnland hat zum 3. Mal in Folge den 1. Patz erreicht (563 Punkte). Die Differenz von 47 Punkten zu Deutschland entspricht ca. 1 ½ Schuljahren Lernfortschritt. Höchste Zeit für die Kultusminister hierzulande, zu überlegen, welche Grundsätze Finnlands zur Frühförderung und zur Schul- und Lernorganisation dringend für Deutschland übernommen werden sollten", so Brückner.

Ansprechpartner

GEW Bayern

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden