Neueinstellungen nicht einziger Grund für weniger Unterrichtsausfall

"Dass der Unterrichtsausfall an den Schulen in NRW reduziert werden konnte, ist vom Grundsatz her positiv zu bewerten und sicherlich zum Teil auf die zusätzlichen Stellen zurückzuführen", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Zum großen Teil ist aber der Rückgang des Unterrichtsausfalls auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer erkauft worden."

18.11.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Der VBE kritisiert erneut, dass in der Unterrichtsausfallstatistik nicht ausgewiesen wird, wie viele Millionen Stunden von Lehrerinnen und Lehrern unentgeltlich geleistet werden. Der Rückgang des Unterrichtsausfalls ist nämlich nur zum Teil auf die zusätzlichen Neueinstellungen zurückzuführen. Insbesondere die Teilzeitbeschäftigten in den Grundschulen sind durch zusätzliche Mehrarbeit überproportional belastet. Dies zeigen uns Rückmeldungen aus der Kollegenschaft.

"Zudem verkauft die Landesregierung die zusätzlichen Stellen immer wieder mehrfach", so Beckmann weiter. "Sie sollen der individuellen Förderung dienen und gleichzeitig Unterrichtsausfall vermeiden. Wenn sie aber nun als erfolgreiches Mittel gegen Unterrichtsfall gefeiert werden, muss man sich allerdings fragen, was für den Rechtsanspruch auf individuelle Förderung übrig geblieben ist."

Alle freien Träger der Fort- und Weiterbildung stellen fest, dass die Zahl der Anmeldungen zu Fortbildungen gesunken ist. Das erklärt sich dadurch, dass für Fortbildungen keine Stunde Unterricht mehr ausfallen darf. Die Landesregierung propagiert aber gleichzeitig eine Qualitätsentwicklung in Schulen, die wiederum ohne Fortbildungen nicht zu machen ist.

Wenn die Landesregierung einen Vergleich mit anderen Bundesländern anstellt, sollte sie auch offen legen, zu welchem Zeitpunkt dort die Erhebungen gemacht worden sind. Beispielsweise ist die Jahreszeit für die Zahl der Krankschreibungen nicht bedeutungslos.

"Wir wissen, dass die Landesregierung Rankings mag", so Beckmann abschließend. "Dass NRW nun zumindest "zur Spitzengruppe mit einer niedrigen Ausfallquote" gehört, mag sie deshalb freuen. Der VBE würde sich allerdings eher wünschen, dass das nordrhein-westfälische Schulsystem bei der Durchlässigkeit und Chancengleichheit zur Spitzengruppe gehört."


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