Stellungnahme

Nicht am Übertrittsverfahren rütteln

„Auch in Zeiten von Corona ist es wichtig, dass es für Schülerinnen, Schüler und Eltern klare Regelungen gibt. Das betrifft auch den Übertritt an weiterführende Schulen und den Probeunterricht", so Walburga Krefting, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl). 

14.05.2020 Bayern Pressemeldung Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl)
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"Da das Übertrittsverfahren nicht nur auf der Beobachtung während der Corona-Phase basiert, sondern alle vier Grundschuljahre in den Blick nimmt, können die Lehrkräfte aufgrund ihrer Erfahrung und Professionalität sehr wohl eine fundierte Empfehlung hinsichtlich der weiteren Schullaufbahn abgeben. Deshalb soll der Übertritt gewohnt strukturiert und für alle Beteiligten so transparent bleiben wie bisher. Wir wollen an diesen wichtigen Qualitätsinstrumenten nicht rütteln“, betont Krefting.

Mit ihrem Statement reagieren die Vorsitzenden der abl, die für die Lehrkräfte an allen Schularten im differenzierten Schulsystem sprechen, auf die aktuellen Forderungen zur Abschaffung des Übertrittsverfahrens und des Probeunterrichts. Der Elternwille solle beim Übertritt freigegeben und der Probeunterricht folglich abgesagt werden, heißt es darin. 

„Lehrkräfte an Grundschulen wissen genau, wer für welche weiterführende Schulart infrage kommt. Nach mehreren gemeinsamen Schuljahren können sie – fachlich und pädagogisch fundiert – gut beurteilen, welche Schulart am besten zum jeweiligen Kind passt“, erklärt Krefting. „Wir sprechen uns deshalb in diesen herausfordernden Zeiten entschieden gegen Panikmache aus, die Schüler, Eltern und Lehrer nur verunsichert“, so Krefting. Gerade in der aktuellen schwierigen Situation sei es wichtig, allen am Übertrittsverfahren Beteiligten Beständigkeit zu bieten. 

Vonseiten des Kultusministeriums wurde bereits auf die Corona-Situation reagiert: So wurde der Probeunterricht nach hinten verschoben. Außerdem üben die Schüler der vierten Klassen mit den an die veränderten Rahmenbedingungen angepassten Aufgabenformaten, hieß es. „Wir sind vom Probeunterricht in seiner gewohnten Form überzeugt und wollen diesen auch jetzt beibehalten. Wir vertrauen darauf, dass unsere gut ausgebildeten Pädagogen mit ihrem guten Gespür, wie in der bisherigen Krisenbewältigung auch, die Leistungen der Kinder mit Augenmaß beurteilen und die richtigen Weichen stellen. Zudem gibt es auch innerhalb der weiterführenden Schulen noch mehrere Möglichkeiten des Wechsels und der Durchlässigkeit. Jede Schulart im differenzierten bayerischen Schulsystem bietet Wege an, die zum Erfolg führen“, betont Krefting abschließend. 


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Ein Kommentar vorhanden

  • 04.06.2020 13:11 Uhr
    „Lehrkräfte an Grundschulen wissen genau, wer für welche weiterführende Schulart infrage kommt", behauptet Walburga Krefting.

    Diese Aussage ist leider falsch.

    Jedes Jahr beweisen Tausende von Kindern, dass das nicht stimmt:
    Fast alle Kinder, die nach dem Probeunterricht - bestanden oder nicht bestanden und mit Elternwillen - auf das Gymnasium oder die Realschule kommen - schaffen die Schullaufbahn nicht schlechter. Das zeigen Statistiken.
    (ein Auszug hier: http://uebertrittbayern.de/erfolgschancen-bei-elternwille-nach-nichtbestandenem-probeunterricht/)

    Außerdem handelt es sich gesetzlich gesehen um eine Eignungsfeststellungsverfahren, dass nicht auf dem Bauchgefühl der Lehrkräfte beruht. Jeder angehende Lehrer lernt in psychologischer Diagnostik, dass selbst objektive, reliable und valide Diagnostikverfahren fehlerbehaftet sind. Diese wissenschaftlichen Gütekriterien sind in Bayern beim Übertrittsverfahren nicht gegeben. Daraus kann man schon schließen, dass die Einschätzungsfehler riesig sind. Und das wiederum zeigen die erfolgreichen Schullaufbahnen der Probeunterrichtskinder.
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