Niedersächsischer Philologentag 2007 in Goslar eröffnet: Scharfe Kritik an Einheitsschulplänen von SPD und Grünen
Mit massiver Kritik an den Landtagswahlprogrammen von SPD und Grünen, die die Abschaffung aller Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen und die Einführung einer für alle verbindlichen Einheitsschule fordern, hat der niedersächsische Philologentag in Goslar begonnen.
28.11.2007 Niedersachsen Pressemeldung Philologenverband Niedersachsen (PhVN)Eine solche Zielsetzung widerspreche total den Ergebnissen aller Leistungsvergleiche zwischen gegliedertem Schulwesen und Gesamtschulen in Deutschland, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Guillermo Spreckels, vor den 350 Delegierten und zahlreichen Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und gesellschaftlichen Organisationen.
National wie international erfolgreich seien durchgängig Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen, die auf ein klar gegliedertes, leistungsorientiertes Schulwesen gesetzt hätten. Wo dagegen die SPD über lange Jahre die Bildungspolitik gestaltet und Hunderte von Gesamtschulen errichtet habe, wie etwa in Nordrhein-Westfalen, Bremen oder Brandenburg befinde sich das schulische Leistungsniveau in bedenklicher Nähe von Entwicklungsländern. Es sei grotesk, dass die schulpolitischen Verlierer jetzt ihre in der Praxis gescheiterten Ideen allen Eltern aufzwingen wollten.
Spreckels unterstrich, dass die große Mehrheit der Eltern Vertrauen in das gegliederte Schulwesen habe und Gesamtschulsysteme ablehne. Selbst dort, wo ein umfangreiches Gesamtschulangebot mit privilegierter Ausstattung vorhanden sei, entscheide sich überall nur eine kleine Minderheit für diese Schulform. In Hannover etwa hätten sich 91 Prozent der Eltern von Kindern mit Gymnasialempfehlung für ein Gymnasium entschieden und ganze neun Prozent für eine Gesamtschule. Diese Ergebnisse eines freien Wettbewerbs seien den Verfechtern der Einheitsschule offenbar ein solcher Dorn im Auge, dass sie ihn kurzerhand verbieten und mittelfristig alle Kinder zwangsweise in die "eine Schule für alle" einweisen wollten.
Der Vorsitzende des Philologenverbandes warf SPD und Grünen vor, die Eltern und die Öffentlichkeit über ihre radikalen Ziele zu täuschen, weil sie um deren Unpopularität wüssten.
So sei in den Wahlkampfbroschüren davon die Rede, dass man die Eltern "überzeugen" wolle und die neuen Einheitsschulen vorerst nur dort eingeführt werden sollten, wo Eltern dies wünschten. Dabei werde verschwiegen, dass dies nur für eine Übergangszeit bis zur Erreichung des unverrückbaren Endziels gelte und die "Überzeugungsarbeit" in einer Agitationskampagne mit unseriösen pädagogischen Heilsversprechungen und fragwürdigen Befragungen sowie einer ausgeprägten Bevorzugung der neuen Einheitsschule bestehen solle.
Im Übrigen seien Aussagen in dem SPD-Bildungsprogramm wie "Das gegliederte Schulwesen kann keine Perspektive für unsere Jugend bieten" nicht nur sachlich falsch, sondern ein Affront gegenüber Tausenden von Lehrkräften, die täglich in den Schulen des gegliederten Schulwesens unter schwierigen Bedingungen erfolgreiche Arbeit leisteten.
Spreckels appellierte an SPD und Grüne, zur bildungspolitischen Vernunft zurückzukehren und pragmatisch an einer besseren Schulqualität im Interesse der Kinder mitzuarbeiten: "Ein jahrelanger Schulkrieg, angefacht von kompromissunfähigen Ideologen, ist das letzte, was unser Schulwesen jetzt braucht." Die Mehrzahl der Politiker von SPD und Grünen, darunter auch sehr prominente, schickten ihre Kinder ohnehin auf Schulen des gegliederten Schulwesens oder auf Privatschulen und machten um das Gesamtschulangebot einen weiten Bogen. Spreckels: "Da wird öffentlich Wasser gepredigt und heimlich Wein getrunken."
Abschließend gab Spreckels den Politikern von SPD und Grünen noch eine Erfahrung mit auf den Weg: "Einen Schulkrieg gegen das Gymnasium hat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch keiner gewonnen." Und wenn die Einheitsschule tatsächlich käme, würde der Teil der Eltern, der es sich finanziell leisten könne, auf Privatschulen ausweichen. In Gesamtschulländern wie den USA, England und Frankreich sei dies schon heute so. Während hierzulande jedes Kind bei entsprechenden Leistungen kostenlos ein Gymnasium besuchen könne, werde bei Einführung einer Einheitsschule für vermeintlich alle gute Bildung dann wirklich von der Brieftasche der Eltern abhängig. Nicht das gegliederte Schulwesen spalte die Gesellschaft, die wahren Spalter seien die militanten Verfechter der Einheitsschule.
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