"Nur wo Realschule drin ist, darf Realschule draufstehen!"

Um die Zukunft der Realschule ging es den besonders zahlreich erschienen Mitgliedern des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR) bei einer Podiumsdiskussion mit den Landtagsabgeordneten Heribert Heinrich (SPD), Josef Keller (CDU) und Nicole Morsblech (FDP) unter der Leitung der VDR Bezirksvorsitzenden Margit Lenarz in Koblenz.

09.11.2007 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Verband Reale Bildung

Die Realschullehrer stehen den Strukturplänen der Landesregierung sehr skeptisch gegenüber. Den Hauptschülern drohe die Gefahr, dass sie ihre spezielle Förderung verlieren und in größeren Systemen untergehen. Die Realschüler müssten durch eine "Nivellierung nach unten" einen Qualitätsverlust befürchten.

Positiv bewerteten die VDR-Mitglieder die Möglichkeit des Erwerbs der Fachhochschulreife an der Realschule.

Der Abgeordnete der Regierungspartei SPD Heribert Heinrich stellte fest, dass die Landesregierung durch die "Abstimmung mit den Füßen" zum Handeln gezwungen war. Er verwies auf andere Bundesländer und das Ausland, wo längeres gemeinsames Lernen selbstverständlich sei.

Nicole Morsblech (FDP) sieht die Probleme der Hauptschüler durch das neue Konzept nicht gelöst. Sie favorisiere eine Struktur, bei der die funktionierenden Schularten Realschule und Gymnasium unangetastet bleiben. Für die Schüler, die den gewachsenen Leistungsanforderungen nicht genügen, sollte die Möglichkeit einer speziellen und individuellen Förderung geboten werden.

Josef Keller (CDU) verwies auf die vielen offenen Fragen, die der Entwurf herausfordert. Die CDU habe ein "Sofortprogramm Hauptschule" beantragt, sei aber damit nicht durchgekommen. Es sei nicht einzusehen, warum eine Schulart wie die Realschule "für ihren Erfolg bestraft" werden solle.

Die Oppositionssprecher waren sich einig darüber, dass es beim neuen Schulkonzept darauf ankomme, die Qualität zu sichern. Falls die "Realschule plus" eine Chance haben solle, müsse der Leistungsstandard des bisher so erfolgreichen Realschulabschlusses erhalten bleiben. Zur Sicherung des Profils sei es nun zwingender denn je, die vom VDR seit Jahren erhobene Forderung nach zentralen Abschlussprüfungen zu erfüllen. Nur so würden die Vergleichbarkeit der Abschlüsse und die Akzeptanz durch die Abnehmerschaft gesichert werden. Wenn die Eltern befürchten müssen, bei der Anmeldung ihrer Kinder einem Etikettenschwindel aufzusitzen, werden sie sich sehr schnell umorientieren und die Gymnasien stürmen.

VDR-Landesvorsitzender Bernd Karst rief die Bildungspolitiker in einem leidenschaftlichen Appell dazu auf, die Eigenständigkeit bestehender demografiefester Realschulen und Hauptschulen zu erhalten. Nach einer entsprechenden Bedarfsanalyse wird sich der VDR in definierten Einzelfällen einem Kooperationsmodell nicht widersetzen.

Grundsätzlich warnten Lenarz und Karst vor einem Etikettenschwindel, denn: "Nur wo Realschule drin ist, darf Realschule draufstehen!"

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