Ohne gesunde Lehrer/innen und Erzieher/innen keine gute Bildung
"Weder das TMBWK noch die GEW können Grippewellen verhindern oder lindern. Doch wir sehen, dass Lehrer/innen und Erzieher/innen in Thüringen besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Die GEW Thüringen fordert daher im Zuge der Personalentwicklung die Grundlagen für ein wirksames Gesundheitsmanagementkonzept zu schaffen. Finanz- und Bildungsministerium müssen die stressauslösenden Faktoren in der Schule anerkennen und zur Minderung der Belastungen der Pädagog/innen durch Klassenleiterstunde und kleinere Klassen und Gruppen beitragen", erklärt Torsten Wolf, Landesvorsitzender der GEW Thüringen die aktuellen Daten der AOK.
09.09.2013 Pressemeldung GEW ThüringenDie Verhandlungsaufforderung dazu hat die GEW Thüringen in der letzten Woche an Bildungsminister Christoph Matschie versandt. "In den nächsten Wochen wird die GEW dazu mit dem Bildungsminister und dem Finanzminister ins Gespräch treten", so der Vorsitzende weiter. Grundlage für das Gespräch werden neben den Ergebnissen der Schulumfrage der GEW vor allem die Gesundheitsdaten der AOK sowie die bisherigen Ergebnisse der Personalentwicklungsverhandlungen sein.
Bereits die Auswertung der Pädagog/innen-Befragung der GEW im Mai 2012 zur Arbeits- und Personalsituation an Thüringer Schulen, an der über 1.600 Lehrer/innen und Erzieher/innen teilnahmen, zeigte, dass sich Beschäftigte im staatlichen Schuldienst durch ständig steigende Belastungen und fehlende Unterstützung zunehmend ausgebrannt fühlen. So gaben 37 Prozent der Pädagog/innen an, im Vorjahr schon mehr als zweimal krank und sogar 30 Prozent bereits langzeiterkrankt gewesen zu sein. Neben alterstypischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf und Krebs sowie Knochenbrüchen waren dies insbesondere psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burn-Out. Als Belastungsfaktoren gaben die Lehrer/innen und Erzieher/innen an: Stress, Lärm, ständig steigende Anforderungen der Arbeit, für die es keine Kompensation gibt (siehe Grafik 1 Belastungsfaktoren).
Regelmäßig arbeitet die GEW mit der AOK Thüringen zusammen, um die Gesundheitsdaten zu erheben, die vom Bildungsministerium nicht zur Verfügung gestellt werden. Die erhobenen Daten beziehen sich überwiegend auf angestellte Lehrkräfte und Erzieher/innen.
Demnach stellt die GEW Thüringen fest, dass Lehrkräfte an den Schulen einen geringeren Krankenstand haben als der Rest der Versicherten über alle Berufsgruppen hinweg. Sie weisen auch keine höheren Werte bei Langzeiterkrankungen gegenüber den restlichen Berufsgruppen auf. Doch wenn Lehrer/innen erkranken, sind sie deutlich länger krank, hier insbesondere die Lehrer/innen an den allgemeinbildenden Schulen (Grund-, Regel-, Gesamt-, Gemeinschafts- und Förderschulen sowie Gymnasien) (siehe Grafik 2).
Deutlich wird dies bei der Betrachtung der Entwicklung von 2008-2012. Hier ist festzustellen, dass die Lehrerinnen und Lehrer einen leicht höheren Krankenstand zu verzeichnen haben, aber insbesondere die AU-Tage je Fall mit über einen Tag angestiegen sind und der Anteil der Langzeiterkrankten um 80 Prozent in nur 5 Jahren angestiegen ist (Grafik 3).
Der Grund hierfür liegt offenbar in der Zunahme von Stressfaktoren und stetig zunehmender Anforderungen im Schulalltag. So ist zu sehen, dass Lehrkräfte ein deutlich höheres Risiko haben, an psychischen Erkrankungen zu leiden (8,15 Prozent aller Erkrankungen) im Vergleich zu allen anderen erfassten Berufen (4,91 Prozent). Besonders ist festzustellen, dass psychische Störungen zwar nicht die Haupterkrankung bei Lehrer/innen ist, aber mit jedem fünften Arbeitsunfähigkeitstag 2012 die häufigste zu findende Ursache ist, gemessen an der Länge der Erkrankung. Dies wird darin ersichtlich, dass psychische Erkrankungen mit im Durchschnitt 32 AU-Tagen die längste Zeit bis zur Gesundung benötigen. Das ist fast dreimal so lang wie der Durchschnitt aller Erkrankungen (12 Tage) in dieser Berufsgruppe (Grafik 4).
Für Rückfragen steht Ihnen Torsten Wolf unter 0157-37535234 zur Verfügung.
Anlage:
Grafik 1 Belastungsfaktoren
Grafik 2 Arbeitsunfähigkeit
Grafik 3 Krankenstand/Langzeitarbeitsunfähigkeit
Grafik 4 Krankheitsbilder
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