Patentrezepte für die Schule
Vier Millionen Unterrichtsstunden werden an Deutschlands Schulen täglich abgehalten. Stunden, in denen Schüler begeistert lernen oder nur gähnend auf ihren Plätzen sitzen. Stunden, in denen sie motiviert und gefördert, und Stunden, in denen sie vorgeführt und klein gemacht werden. Stunden, in denen Schüler und Lehrer an einem Strang ziehen, und Stunden, in denen alle nur sehnsüchtig auf die Pausenklingel warten. Unterricht muss besser werden, das ist spätestens seit PISA allgemeine Forderung. Schließlich soll die nächste PISA-Runde mit besseren Ergebnissen überstanden werden.
09.01.2006 ArtikelSchüler müssen das Lernen lernen, so ein gern genutzter Slogan. Sie brauchen nur das passende Handwerkszeug, um das Wissen in ihre Köpfe zu bekommen. Methodentraining nennt der Diplomökonom und gelernte Gymnasiallehrer Dr. Heinz Klippert sein Rezept. Sein Lehrer- und Schülertraining wurde bereits in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin in mehr als 300 Schulen als Schwerpunktprogramm umgesetzt.
Methodenkompetenz ...
Klipperts Credo: „Die Vermittlung von Lern- und Methodenkompetenz wird mittlerweile ganz groß geschrieben. Zu Recht, wie ich meine. Diesbezüglich müssen wir die Schülerinnen und Schüler viel stärker fordern und fördern als bisher.“ Und das reicht von solch profanen Techniken wie dem Markieren von Texten über das gekonnte Präsentieren von Arbeitsergebnissen bis zu speziellen Formen der Gruppenarbeit. Klippert erntet viel Lob, Kollegien und Schüler sind begeistert: „Da habe ich gelernt, wie ich mich auf Klassenarbeiten vorbereiten kann, wie ich meine Hausaufgaben aufteilen kann, und wie ich einen Text lesen muss, damit ich ihn verstehe“, erklärt ein Siebtklässler nach dem Methodentraining.
... oder Kompetenz zum Markieren?
Bei Wissenschaftlern aber trifft dieses Konzept nicht nur auf Begeisterung. „Das Methodentraining verstärkt den unkonzentrierten Umgang mit Inhalten und Medien“, warnt Professor Andreas Gruschka von der Universität Frankfurt. Wenn man immer wieder das Markieren übe, „erwirbt man eine Kompetenz, nämlich die des Markierens“, so der Pädagoge. Eher pragmatisch urteilt ein Lehrer nach der Schulung: „Klippert hat die Methoden, und wir haben das Fachwissen. Ich muss als Lehrer entscheiden, wie ich beides zusammenbringe.“
Mischwald statt Monokultur
Nicht nur die Lernmethoden der Schüler, auch die Vermittlungskompetenzen der Lehrer stehen seit PISA auf dem Prüfstand. Dass sich auch dabei die Schulwelt nicht einfach in Schwarz und Weiß aufteilen lässt und selbst Professoren sich gelegentlich von lieb gewordenen (Vor)Urteilen verabschieden müssen, gibt der Oldenburger Prof. Dr. Hilbert Meyer gern zu. Der prominente Fachautor musste nämlich von der Überzeugung abrücken, „dass man auch empirisch nachweisen kann, dass der so genannte offene Unterricht deutlich besser ist als der so genannte Frontalunterricht. Das muss man differenzieren. Bei der Vermittlung kognitiven Wissens ist der herkömmliche, weitgehend frontale Unterricht doch deutlich leistungsstärker, als ich gedacht hatte. Bei der Vermittlung von Sozial- und Methodenkompetenz ist der offene Unterricht ein bisschen überlegen, aber die Unterschiede sind gar nicht so groß. Mein Fazit: Mischwald ist besser als Monokultur. Ein Kollegium muss gemeinsam dafür sorgen, dass beides angeboten wird.“
Weiterführende Links
- 'Methode', 'Unterricht' und 'offen'
- Homepage Dr. Heinz Klippert
- Homepage Professor Dr. Andreas Gruschka
- Homepage Prof. Dr. Hilbert Meyer
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