Pauken in den Ferien?
(bikl.de) Sommerzeit-Ferienzeit. Für die meisten Schüler bedeutet das: endlich ausspannen. Andere aber wollen oder müssen pauken, etwa für eine Nachprüfung oder weil die Zeugnisnoten gravierende Lücken aufgedeckt haben. Wie aber sieht eine vernünftige Aufteilung zwischen Lernen und Erholen aus und was muss beachtet werden, damit die Mühe auch vom Erfolg gekrönt wird? Das wollte bildungsklick.de von den beiden Experten Dorothee Raab und Hans Schmalacker wissen.
04.07.2007 ArtikelSechs Wochen sind eine lange Zeit
Endlich Sommerferien: Nur ausruhen oder auch lernen - was empfehlen die Experten?
Dorothee Raab: Schule und lernen ist Arbeit. Auch Schüler brauchen Phasen, in denen sie sich ausruhen und entspannen können. Dennoch können Schüler, die am Ende eines Schuljahres aufgrund von Lerndefiziten und Leistungseinbrüchen schlechte Beurteilungen und Zensuren erhalten haben, einen Teil der Ferien dazu nutzen, den versäumten Lernstoff nachzuholen.
Hans Schmalacker: Ausruhen, entspannen, mal keine Schule erleben und etwas ganz anderes zu tun, ist für Kinder ganz wichtig und sollte ausgiebig genossen werden. Allerdings sind sechs Wochen auch eine lange Zeit und häufig werden Kinder gegen Ende der Ferien unruhig und wollen wieder lernen. Wer keinen Stoff nachholen muss, beschäftigt sich gerne mit seinen Lieblingsfächern. Wenn was getan werden muss, um im nächsten Jahr mithalten zu können, ist es sinnvoll zwischen Ferienzeit und Lernzeit klar zu unterscheiden und nicht die gesamte Ferienzeit zum Lernen zu verwenden.
Am Anfang steht die Erholung
Gibt es denn die richtige Lerndosis für die Ferienzeit?
Dorothee Raab: Die richtige Lerndosis hängt davon ab, welche Ursachen zu den Lerndefiziten und den schlechten Leistungen geführt haben. Sinnvoll ist es, sich in der ersten Hälfte der Ferien von der Schule, dem Leistungsdruck und dem schulischen Lernen zu erholen, Freizeitaktivitäten nachzugehen, die nichts mit der Schule zu tun haben. Das ist für Eltern genauso wichtig wie für ihre Kinder. In der zweiten Hälfte der Ferien bietet es sich an, sich auf das neue Schuljahr vorzubereiten und den versäumten Unterrichtsstoff aufzuarbeiten, um fit für die nächste Klassenstufe zu sein. In einem Gespräch mit dem Lehrer sollte geklärt werden, was der Schüler tun kann, um sich in einem Fach zu verbessern.
Hans Schmalacker: Auch wer Stoff nachholen muss, sollte zuerst mal ausspannen und mindestens vier Wochen am Stück die Ferien genießen. Schon zu Ende des Schuljahrs kann mit dem Kind eine Lernwoche vor dem Beginn des neuen Schuljahrs vereinbart werden. Während der Lernwoche wird am Vormittag gelernt, der Nachmittag ist frei. Wenn Kinder von sich aus während den Ferien lernen wollen, dann sollen sie frei über die Lerndosis bestimmen können.
Problematisch: Mit den Eltern lernen
Wo und wie lernt es sich in den Ferien am besten: Allein, mit Eltern, im Nachhilfeinstitut oder zum Beispiel in so genannten Sprachferien?
Dorothee Raab: Schüler mit Lerndefiziten brauchen die Erfahrung einer positiven Lernatmosphäre. Bei Lücken im fremdsprachlichen Bereich bieten Sprachferien viele Vorteile. Bestehen Lerndefizite in anderen Fächern, ist der Unterricht bei einem Nachhilfelehrer sinnvoll, der sich auf die individuellen Lernprobleme und Wissenslücken des Schülers einstellt und neben dem Aufarbeiten des Lernstoffes auch das Selbstbewusstsein und die Lernmotivation des Schülers stärkt, ihn ermutigt und ihm Lernerfolge vermittelt.
Hans Schmalacker: Ich fange von hinten an: Sprachferien sind ab einem Alter von 12 - 13 Jahren toll. Man lernt fremde Länder und Menschen kennen, macht Urlaub in einer Jugendgruppe und ohne Eltern. Allerdings dürfen Eltern nicht erwarten, dass die Sprachkenntnisse in den Sprachferien merkbar verbessert werden. Bei einer deutschsprachigen Reisegruppe bleibt die Umgangssprache Deutsch. Nur im Unterricht und mit den Gasteltern wird man sich in der Landessprache unterhalten.
Lernen in einem Nachhilfe-Institut ist sinnvoll, wenn gezielt in einem Fach gefördert werden soll. Es hilft Kindern häufig, wenn sie sehen, dass sie nicht allein sind, in einer kleinen Gruppe lernen und gezielt Unterstützung durch einen Nachhilfelehrer bekommen.
Wenn Kinder mit Ihren Eltern lernen, dann gibt es häufig Ärger. Dadurch besteht die Gefahr, dass für alle die Ferienzeit mit Streit endet und das neue Schuljahr unter keinem guten Vorzeichen beginnt. Vielleicht sind ältere Schüler in der Nachbarschaft, die gerne auf die Fragen antworten oder schwierige Aufgaben erklären. Hilfreich ist dabei, wenn die Kinder mit Materialien arbeiten, die die Selbstkontrolle durch beigelegte Lösungshefte ermöglichen. Diese Vorgehensweise bietet sich an, wenn der Stoff in ein, zwei oder mehreren Fächern aufgefrischt werden soll.
Zur Person:
Dorothee Raab verfügt über langjährige Erfahrungen als Grundschullehrerin und Therapeutin für lese- und rechtschreib-schwache Kinder und berät Eltern und Schüler bei Lernschwierigkeiten und schulischen Problemen. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen entwickelte sie ein umfangreiches Programm mit Übungsmaterialien für Kindergarten, Vor- und Grundschule. Sie ist unter anderem Autorin der Lernhilfenreihe Lernen mit Rufus Rabenschlau.
Hans Schmalacker ist Leiter der Berliner Redaktion des Cornelsen Verlag Scriptor. Er ist ausgebildeter Lehrer und Vater einer fünfzehnjährigen Tochter. Cornelsen Scriptor entwickelt Fachbücher und Unterrichtsmaterialien für Lehrerinnen und Lehrer sowie erfolgreiche Lernhilfen für Kinder vom Kindergarten bis zum Abituralter.
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