Philologen- und Realschullehrerverband kritisieren Pläne zu neuer Gesamtschule in München: Überflüssiges schulpolitisches Abenteuer mit immensen Kosten

Philologenverband und Realschullehrerverband haben sich gegen den Koalitionsbeschluss der rot-grünen Mehrheit im Münchner Stadtrat ausgesprochen, unter dem Namen ´Reformschule´ eine Gesamtschule zu gründen. "Das verkündete Ziel, die soziale Schere im Bildungswesen schließen zu wollen, ist ehrenwert. Eine Gesamtschule bis zur zehnten Klasse ist dazu aber der völlig falsche Weg", sagte Gesa Wenz, die Münchner Bezirksvorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv).

30.04.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

Der renommierte Bildungsforscher Prof. Dr. Helmut Fend sei nach seiner Langzeitstudie mit über 1500 Teilnehmern erst kürzlich zu dem ernüchternden Ergebnis gekommen: "Die Gesamtschule schafft unterm Strich nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als die Schulen des gegliederten Schulsystems – entgegen ihrem Anspruch und entgegen den Hoffnungen vieler Schulreformer". Zum selben Ergebnis kommt auch das Berliner Max-Planck-Institut in seinem Bericht über das deutsche Bildungssystem. Ganz im Gegenteil weisen Studien auf die reale Gefahr hin, dass infolge des Sprengelprinzips bestehende soziale Ungleichheiten in einer Gesamtschule noch verstärkt würden.

Der Münchner Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv) Karl Königsbauer kritisierte, dass die Gesamtschule bei der Förderung der Leistungspotenziale ihrer Schüler nachgewiesenermaßen völlig versage: "Zwei bis drei Jahre hinken die Leistungen ursprünglich vergleichbar begabter Gesamtschüler denen von Realschülern und Gymnasiasten hinterher. Das hat die letzte PISA-Auswertung eindeutig ergeben. Allein dieser Befund disqualifiziert diese Schulart schon als Alternative für München und Bayern."

Gemeinsam fordern Wenz und Königsbauer: "Anstatt immense finanzielle Mittel und Energien für ein schulpolitisches Abenteuer zu verpulvern, sollte die Landeshauptstadt sich darauf konzentrieren, die Lern- und Lehrbedingungen an den bestehenden Schulen weiter zu verbessern. Damit würde sie den Schülern und der Bildungsgerechtigkeit den besten Dienst tun."


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