Philologen-Verband fordert: Entlastung für spitzenbelastete Korrekturfachlehrerinnen und –lehrer
Im Rahmen einer schulpolitischen Großveranstaltung mit ca. 500 Vertretern aus Gymnasien, Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs und Studienkollegs stellte der Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen heute in Düsseldorf ein neues Arbeitszeitmodell vor. Im Zentrum steht die konkrete und effektive Entlastung insbesondere spitzenbelasteter Lehrkräfte.
01.04.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Die arbeitszeitliche Belastung der Gymnasiallehrerinnen und –lehrer ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Bereits vor 8 Jahren hatte die Mummert + Partner-Arbeitszeitstudie dokumentiert, dass Lehrerinnen und Lehrer an Gesamtschulen und Gymnasien durchschnittlich den höchsten arbeitszeitlichen Beanspruchungen ausgesetzt sind. Im Vergleich zum übrigen öffentlichen Dienst arbeiten sie ca. 4 – 5 Wochen im Jahr mehr!
Seit dieser Zeit ist nicht nur die Pflichtstundenzahl erhöht worden, auch sind viele zusätzliche Projekte, Reformen und Herausforderungen der Lehrerschaft aufgebürdet worden. Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband verweist u.a. auf die Schulzeitverkürzung. Hierbei sind organisatorisch wie auch inhaltlich zwei parallele Bildungsgänge umzusetzen, Lehrpläne neu zu konzipieren, Unterricht oft ohne neue Lehrwerke durchzuführen und umfängliche Beratungs- und Betreuungsaufgaben zu bewältigen.
Neben der Fülle immer neuer außerunterrichtlicher Aufgaben verschärft sich die Belastungssituation auch dadurch, dass fast jede zweite Klasse an Gymnasien mehr als 30 Schülerinnen und Schüler umfasst.
Leittragende der permanenten Arbeitszeiterhöhung sind vor allem die Lehrkräfte, die als Korrekturfachlehrerinnen und –lehrer tätig sind. Lernstandserhebungen, Zentrale 10er Prüfung, Erst- und Zweitkorrekturen im Zentralabitur treffen diese Lehrkräfte in ganz besonderer Weise.
In der Regel sind während eines Schuljahres zwischen 1.100 und 1.500 Klassen- und Kursarbeiten zu korrigieren. Kaum ein Wochenende ist "korrekturfrei", große Teile der unterrichtsfreien Zeit sind durch Korrekturen ausgefüllt.
Da alle Lehrkräfte weit über der arbeitszeitlichen Höchstgrenze liegen, warnt der Philologen-Verband vor Umschichtungsmodellen und reinen Umverteilungskonzepten. "Wir fordern mehr Arbeitszeitgerechtigkeit!. Konkret schlägt der Philologen-Verband vor, ein Entlastungsmodell umzusetzen, wonach ab 5 Korrekturklassen jede Lehrerin und jeder Lehrer pro zusätzlicher Korrekturgruppe eine Entlastungsstunde pro Woche erhält.", präzisiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes, die Erwartungen.
Der Philologen-Verband fordert die Politik auf, die zweimalige Pflichtstundenanhebung zurückzunehmen. Er verlangt, dass die Entlastungstöpfe an den Gymnasien schrittweise aufgefüllt werden, um die Korrekturfachlehrerinnen und –lehrer entlasten zu können. "Wir appellieren an die Fürsorgepflicht des Dienstherrn. Gute Schule macht man nicht mit Lehrkräften, die ständig zur arbeitszeitlichen Selbstausbeutung gedrängt sind!".
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