Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen: Engpässe in der Lehrerversorgung auch in NRW

Zu den entscheidenden Zukunftsfragen der Schulpolitik gehört die Sicherung des Lehrernachwuchses. Bei generellem und fachspezifischem Lehrermangel lässt sich, so der Philologen-Verband NW, das Problem der Unterrichtsversorgung nicht mehr lösen.

26.09.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)

Vor wenigen Tagen hatte die OECD-Studie (2007) aufgewiesen, dass in Deutschland auf 100 ältere Pädagogen (Altersgruppe: 55 – 64 Jahre) nur 60 jüngere (Altersgruppe: 25 – 34 Jahre) kommen. Im Mittel der OECD-Länder werden auf 100 ältere 230 jüngere Pädagogen gezählt. Der Mangel ist in Deutschland vorprogrammiert.

Das grundsätzliche Problem wird in Nordrhein-Westfalen noch dadurch verschärft, dass man hier gut ausgebildete Lehrkräfte mit Mangelfächer in andere Bundesländer abwandern lässt. "Wir leisten uns als einziges Bundesland eine eklatant niedrige Grenze zur Verbeamtung und dämpfen damit massiv die Lust am Lehrerberuf. Das ist fahrlässig und unverantwortlich!", erklärt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.

Der Philologen-Verband hält Werbekampagnen für den "Zukunftsberuf: Lehrer" für sinnlos, wenn man gleichzeitig falsche Signale aussendet. So wurde der ´Mangelfacherlass´, der eine spätere Verbeamtungsmöglichkeit vorsieht, abgeschafft, weil es mittlerweile mehr als 13 Mangelfächer gibt. Doch statt Abschaffung hätte man den Erlass auf alle Fächer ausdehnen müssen. Nur so bleibt die Konkurrenzfähigkeit zu anderen Bundesländern erhalten, mahnt der Philologen-Verband.

Unzumutbar ist aus Sicht des Gymnasiallehrerverbandes ebenso, dass sich die Bezahlungsregelungen aktuell für angestellte Lehrkräfte erheblich verschlechtert haben. So kommen zu den schlechten Verbeamtungsregelungen die katastrophalen tariflichen Bestimmungen hinzu. "Das trägt mit dazu bei, den Lehrerberuf fach- und schulformspezifisch auszutrocknen. Der ´Zukunftsberuf Lehrer´ wird zum Vergangenheitsmodell", befürchtet der Philologen-Verbands-Vorsitzende Peter Silbernagel. Er fordert die Landesregierung auf, schnellstens gegenzusteuern und alles zu unterlassen, was der Attraktivität des Lehrerberufs nachhaltigen Schaden zufügt.

Konzepte für die Lehrerausbildung, die eine deutlich längere Ausbildungszeit an den Hochschulen vorsehen, sind in diesem Zusammenhang kontraproduktiv. Zur Zeit jedenfalls neigen die Universitäten dazu, auf steigende Studentenzahlen mit hohen universitären Numerus Clausus-Vorgaben zu reagieren. "Das ist ein Skandal! Von bedarfsgerechter Ausbildung im Lehrerbereich sind wir weit entfernt", stellt Silbernagel fest.


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