Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen: Erfreulicher Leistungszuwachs - ernüchternde Mängelliste bei IGLU 2006
Erleichtert zeigt sich der nordrhein-westfälische Philologenverband darüber, dass die zweite IGLU-Studie deutlich bessere Leistungsergebnisse dokumentiert als die erste Untersuchung vor fünf Jahren. Zweifellos haben damit die qualitätssteigernden Maßnahmen der Schulministerien gegriffen, zu denen u.a. die frühe Sprachförderung, die gezielte Leseförderung sowie die nationalen Vergleichsuntersuchungen in den Grundschulen gehören.
28.11.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Ebenso wie bei der PISA II-Studie, die allerdings schon nach drei Jahren erschien, zeigen auch die IGLU-Ergebnisse, dass sich Deutschland im Schulwesen verbessert hat.
"Allerdings sind die Leistungsbefunde kein Grund zum Jubel, denn viele der Probleme aus der ersten IGLU-Studie sind nach wie vor nicht gelöst", resümiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes NRW.
Zu den Kernproblemen zählen insbesondere:
- Der Grundschule gelingt es, "nicht zufriedenstellend, bestehenden sozialen Ungleichheiten kompensierend zu begegnen." (vgl. Zusammenfassung der Ergebnisse). Der "relativ enge(r) Zusammenhang zwischen Sozialschicht und Lesekompetenz" ist bei deutschen Grundschulkindern besonders krass.
- In den deutschen Grundschulen findet "zu weiten Teilen immer noch auch ein eher traditioneller Unterricht" statt. Anspruchsvollere, Problemlösefähigkeit anregende Formen des Leseunterrichts – so die IGLU-Studie - fehlen oft.
- Nach wie vor gelingt den Grundschulen nur unzureichend, Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu fördern. Hier fällt die Differenz zu anderen Kindern "relativ hoch" aus. Unter den 28 untersuchten Ländern sind die Unterschiede nur in Norwegen größer als in Deutschland.
- Unterstützungsmaßnahmen der Schulpolitik erreichen kaum die Grundschulen. Es fehlen Lehrkräfte, um den Förderbedarf abzudecken. In fast allen anderen Ländern stehen den Schülerinnen und Schülern mehr Computer zur Verfügung.
- Ein Stachel im Fleisch ist nach wie vor, dass die Grundschule nicht das Problem zu lösen vermag, dass ein "enger Zusammenhang zwischen der häuslichen Lesesozialisation und der Leseleistung der Schülerinnen und Schüler" besteht. Daher ist die Förderung frühkindlichen Spracherwerbs ebenso erforderlich wie grundsätzlich die Lesesozialisation im Elternhaus.
Gleichermaßen ist unbefriedigend, dass 20 % aller Jungen niemals zum Vergnügen außerhalb der Schule lesen.
Das positive Ergebnis zu den Schülerleistungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass nachhaltige Schritte zur Qualitätssteigerung auch im Grundschulbereich weiterhin gegangen werden müssen. "Die IGLU-Studie bestätigt, dass die Schulen auf einem guten Weg sind, ein Grund zur Entwarnung ist damit nicht verbunden", so Peter Silbernagel.
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