Philologen-Verband NW: Zweiklassengesellschaft Eigenverantwortlicher Schulen
Mit Sorge verfolgt der nordrhein-westfälische Philologen-Verband die auf Eigenverantwortlichkeit von Schulen ausgerichtete Schulpolitik des Landes. Während vor drei Jahren die jetzige Landesregierung immer wieder betonte, das Modellprojekt ´Selbstständige Schulen´ durch ein flächendeckendes Konzept der ´Eigenverantwortlichen Schule´ ersetzen zu wollen, wird jetzt mit dem Auf- und Ausbau von Regionalen Bildungsnetzwerken das ursprüngliche Modell der Selbstständigen Schulen fortgeführt. In den nächsten Tagen finden zahlreiche Veranstaltungen statt, bei denen das Schulministerium Kooperationsverträge mit allen 19 bisherigen Modellregionen eingehen möchte. Ziel der Vereinbarung ist, die bisherigen Strukturen zu erhalten und weiter auszubauen.
03.06.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Das ist ein Schlag ins Gesicht sämtlicher anderer Schulen, die bisher begründet nicht an dem Modellprojekt teilgenommen haben. Der Philologen-Verband ist entsetzt darüber, dass in Regionalen Geschäftsstellen (bisher: Bildungsbüros) künftig der Ausbau der ´regionalen Strukturen´ erfolgen soll. Diese sollen die Schulen bei dem Prozess und der Herausbildung von Eigenverantwortlichkeit beraten und Konzepte zur schulformübergreifenden Unterrichtsentwicklung erstellen und mit entsprechenden Projekten umsetzen.
"Es erstaunt uns schon sehr, dass die schwarz-gelbe Landesregierung gegen alle früheren Beteuerungen die Projekte der Vorgängerregierung fast unverändert fortführt. Nur formal läuft das Modellprojekt ´Selbstständige Schule´ aus. Mit den Kooperationsvereinbarungen akzeptiert man neue Strukturelemente, die gewiss auch Weichenstellungen in der regionalen Schulstrukturentwicklung stellen werden. Das Schulministerium findet sich mit einer Parallelentwicklung Eigenverantwortlicher Schulen ab. Es akzeptiert damit gleichermaßen eine Zweiklassengesellschaft in der Schullandschaft Nordrhein-Westfalens.", kritisiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.
Keinesfalls wehrt sich der Philologen-Verband dagegen, dass gute und bewährte Erfahrungen aus dem Projekt der ´Selbstständigen Schule´ auf alle Schulen übertragen werden. Aber mit der Unterzeichnung von Kooperationsverträgen, vorerst noch in 19 Regionen, künftig vielleicht in sämtlichen 54 Regionen des Landes, gibt das Schulministerium seine Gesamtverantwortung für wesentliche schulpolitische Entscheidungen auf. Es begibt sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu den frei agierenden Bildungsregionen.
Eine Zersplitterung in der Verantwortlichkeit wird die Folge sein. Das Zusammenwirken beispielsweise von Schulaufsicht, Qualitätsanalyse, Schulämtern, Schulträgern, regionalen Kompetenzteams und Einzelschulen mit Regionalen Geschäftsstellen, Regionalen Bildungskonferenzen und Regionalen Bildungsnetzwerken wirft eine Fülle weiterer Fragen auf. "Die NRW-Schulpolitik geht einen gefährlichen Weg der Abhängigkeit und organisierten Unvergleichbarkeit", so Peter Silbernagel.
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