Philologen warnen davor, bei Grundschülern Ängste vor Übertritt zu schüren
Für elterliche Gelassenheit mit dem Übertrittszeugnis und gegen dessen Stilisierung zu einer angeblich lebensentscheidenden Schicksalsfrage hat sich der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt ausgesprochen: "Die Hysterisierung, die seit einigen Jahren im Zusammenhang mit der Ausstellung der Grundschulempfehlungen betrieben wird, ist nicht gerechtfertigt." Die in letzter Zeit intensivierten Versuche, im Zusammenhang mit dem Übertritt Ängste bei Kindern und Eltern zu wecken und zu schüren, seien unverantwortlich und gingen auch am Empfinden der ganz großen Mehrheit der Kinder vorbei.
30.04.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)"Entgegen den bisherigen Vermutungen zeigen die Ergebnisse, dass beim weitaus größten Teil der Schüler am Ende der vierten Klasse die Vorfreude deutlich höher ausfällt als die Besorgnis – lediglich 7,7 Prozent aller Schüler machen sich in dieser Phase Sorgen um den Wechsel", bilanziert das Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung etwa seine aktuelle Untersuchung unter 1000 Viertklässlern.
Plädoyer für engere Kooperation der Schularten beim Übertritt – Urteil der Grundschullehrkräfte verlässlich
Um Informationsdefizite und damit einhergehende Unsicherheiten und Befürchtungen bei Schülern abzubauen, sprechen sich die Dortmunder Forscher für eine stärkere Zusammenarbeit von Lehrkräften der Grund- und weiterführenden Schulen aus. Lehrern fehle noch häufig "das Wissen über Arbeitsweisen, Zielsetzungen und Einstellungen der Lehrer der jeweils anderen Schulstufe", monieren die Wissenschaftler.
"Die Anregung zur systematischen Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und den weiterführenden Schularten sollte ernst genommen werden", forderte der bpv-Vorsitzende Schmidt. Zielperspektive für den von Kultusminister Schneider verfügten Einsatz von rund 150 Grundschullehrkräften an den weiterführenden Schulen müsse daher in erster Linie sein, bestehende Informationsdefizite zwischen den Schularten abzubauen, um die begleitende Beratung von Schülern und Eltern an der Schnittstelle zwischen den Schularten verbessern zu können. Schmidt forderte überdies, Grundschullehrer wieder am Probeunterricht der Gymnasien zu beteiligen: "Für uns Gymnasiallehrer bestätigt sich immer wieder: Auf das Urteil der Kolleginnen und Kollegen von der Grundschule in den Übertrittszeugnissen ist in hohem Maße Verlass. Häufig ist es sogar treffender als das der Eltern. Die Beteiligung der Grundschullehrkräfte war deshalb auch im Probeunterricht immer eine wichtige Hilfe bei der Entscheidung über die weitere Schullaufbahn eines Kindes - und sie bot obendrein eine willkommene Gelegenheit zum Informationsaustausch zwischen den Lehrkräften der beiden Schularten."
Zusätzlich sprach sich Schmidt dafür aus, den bestehenden Regelübertritt nach der vierten Grundschulklasse zu ergänzen: "Im Sinne einer begabungsgerechten Förderung ist der Übertritt nach Klasse vier für die allermeisten Kinder richtig und wichtig. Für sogenannte Spätentwickler sollte aber die Möglichkeit stärker ausgebaut werden, auch noch nach Klasse fünf an eine Realschule oder ein Gymnasium wechseln zu können."
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