PISA: Mittelmaß und Stillstand in Deutschland
Die aktuellen PISA-Ergebnisse belegen, dass definitiv keine Verbesserungen in den Bereichen Lesekompetenz und Mathematik bei deutschen Schülern zu verzeichnen sind. Im Gegenteil: Der Abstand auf den Spitzenreiter Korea ist beim Lesen auf jetzt zwei Schuljahre Lernrückschritt angewachsen, bei Mathematik mit ca. 1½ Jahren zum Spitzenreiter Finnland gleich geblieben.
04.12.2007 Bayern Pressemeldung GEW BayernDer Jubel aufgrund der vermeintlichen Verbesserungen in den Naturwissenschaften ist kaum angebracht, dann diese Veränderung ist vor allem dem neuen Erhebungskonzept geschuldet. Zusammengefasst bedeutet das: Mittelmaß und Stillstand beherrschen das deutsche Schulsystem seit nunmehr sechs Jahren.
Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Ich halte es für unverantwortlich, dass PISA-Koordinator Prenzel, die Kultusminister und Minister Siegfried Schneider ´in allen Testbereichen seit 2000 kontinuierliche Verbesserungen´ erkennen." Die GEW sieht einen vordringlichen Handlungsbedarf in der Verringerung des nach wie vor riesigen Abstandes zur OECD-Leistungsspitze. Brückner: "Ich könnte auf Anhieb ein ganzes Dutzend von Maßnahmen aus dem erfolgreichen finnischen Bildungssystem nennen, die Deutschland zu besseren Leistungen und größerer sozialer Bildungsgerechtigkeit verhelfen würden."
Denn das größte Problem des deutschen Schulsystems stellt noch immer die enge Koppelung von sozialer oder ethnischer Herkunft mit dem Schulerfolg dar. Die jüngste IGLU-Grundschulstudie hatte gezeigt, dass diese sozialen Ungerechtigkeiten noch zugenommen haben. Die Kultusminister zeigen indes keinerlei Bereitschaft, sich dieses Problems ernsthaft anzunehmen, weil sie befürchten, dass dann die "heilige Kuh" des gegliederten Schulsystems geopfert werden müsste.
Leidtragende sind vor allem die Migrantenkinder, deren Leistungsrückstand deutlich höher als in anderen Ländern mit vergleichbarem Migrantenanteil ausfällt. In den Naturwissenschaften erreichen sie durchschnittlich 73 Punkte weniger als die deutschen Schüler. Ausgerechnet der Rückstand der zweiten Generation, der in Deutschland geborenen Kinder, ist mit 93 Punkten noch größer, so groß wie in keinem anderen OECD-Land. Brückner: "Es ist skandalös, dass Migrantenkinder umso schlechter abschneiden, je länger sie die deutsche Schule besuchen. Deshalb ist es verantwortungslos, die PISA-Ergebnisse jetzt schön zu reden, anstatt endlich die soziale Ungerechtigkeit des Vier-Klassen-Schulsystems substantiell anzugehen und alle Kinder bis zum Mittleren Abschluss in einer Schule zusammen und voneinander lernen zu lassen."
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