Realschule fragt: Was ist mit der Grundversorgung anderer Schularten?
Zu den Vorgängen um eine "Befriedung des Gymnasiums" äußert sich der Vorsitzende des Realschullehrerverbandes, Anton Huber, am Rande des SPD-Parteitages in Amberg sehr kritisch: "In seltener Einmütigkeit beschäftigen sich seit Jahren Regierungs- und Oppositionsparteien mit den Entwicklungen am bayerischen Gymnasium. Während SPD und Grüne die Mittelschule, Realschule und das Gymnasium längst aufgegeben haben und die Gemeinschaftsschule mit der Zusammenlegung von Hauptschule, Realschule und Gymnasium fordern, stehen die Regierungsparteien klar zum differenzierten Schulwesen.
14.07.2012 Pressemeldung Verband Reale Bildung"Zunehmend verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass man die Diskussion um das achtjährige Gymnasium bewusst befeuert und dazu missbraucht, diese Schulart von Jahr zu Jahr mit mehr Lehrerstellen und Finanzmitteln zu versorgen – nach dem Prinzip, dem Hund, der am lautesten belle, den größten Knochen zu geben!" so Hubers Einschätzung. Weil die Mittel begrenzt sind, können diese Verbesserungen am Gymnasium nur auf Kosten der anderen Schularten erfolgen. "Deshalb erinnere ich die Staatsregierung, dass sie nicht vergessen darf, für zahlreiche Schularten zuständig zu sein, ob es die Förderschulen, Grundschulen oder Mittelschulen sind oder Realschule und Berufliche Oberschule. Wir können und werden nicht weiter die Einseitigkeit der Versorgung einer Schulart akzeptieren." verdeutlicht Huber.
Huber kritisiert in diesem Zusammenhang besonders auch die Beschlüsse, für das Vermeiden von Unterrichtsausfall massiv zusätzliche Lehrerstellen am Gymnasium einzusetzen. Das habe, so Huber, mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums schon gar nichts zu tun. "Während wir an den Realschulen eine enorme Belastung der Lehrerkollegien tragen bis über die Grenze der Lehrergesundheit hinaus, löst man dies wohl sehr elegant im Zuge der G8-Diskussionen." äußert Huber sein Unverständnis.
"Wenn selbst Abgeordnete dieses Handeln nicht mehr verstehen, ist es an der Zeit, die wahren Ursachen der G8 -Schwierigkeiten zu benennen: Wer beim Übergang von der Grundschule zum Gymnasium annähernd alle Hürden beseitigt, sodass in München oder Nürnberg ganze Grundschulklassen geschlossen ans Gymnasium wechseln, der braucht sich nicht zu wundern, wenn mehr Schüler am Gymnasium scheitern. Die Probleme liegen also ganz woanders und können nicht durch Übergangs- oder Nachbesserungssysteme in der Mittelstufe beseitigt werden. Diese dienen nur dazu, mehr Ressourcen in Form von Lehrerstellen und Finanzmitteln für das Gymnasium zu sichern – und das auf Kosten der Schüler der anderen Schularten."
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