Bayern

Realschullehrer bewerten die unkritische Haltung zu den aktuellen Bildungsstudien als sehr bedenklich

Die bayerischen Realschullehrkräfte sehen die Notwendigkeit, angesichts der kritiklosen Übernahme von "Ergebnissen" der Bildungsstudien "Chancenspiegel 2013" der Bertelsmann Stiftung und "Bildung auf einen Blick 2013" der OECD, darauf hinzuweisen, dass Studien immer wieder von Voraussetzungen ausgehen, die so nicht zu akzeptieren sind. Vorsitzender Huber: "Politiker, insbesondere wenn sie sich der Bildungspolitik widmen, müssten sehr viel kritischer hinterfragen, was denn die Basis der Analysen ist oder welche Konsequenzen aus ihren Ableitungen entstehen."

27.06.2013 Pressemeldung Verband Reale Bildung

"Analysiert man den `Chancenspiegel 2013´ der Bertelsmann Stiftung, ist Folgendes festzustellen: In der Studie werden die Chancen nach Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe gemessen. Allein diese Festlegung ist bereits nach ihrer allgemeinen Aussagekraft hinsichtlich "gerechte Chancen für Kinder" sehr kritisch zu sehen. So misst die Integrationskraft das Risiko behinderter Kinder, vom "Regelschulbesuch ausgeschlossen zu sein" oder bewertet die "Chance ein Ganztagsangebot nutzen zu können". Mit anderen Worten setzt man hier die vollinklusive Schule und das verpflichtende Ganztagsschulangebot voraus. Deshalb müssen wir die Politiker, die jetzt diesen Chancenspiegel so sehr für ihren Wahlkampf ausweiden, fragen, ob sie tatsächlich für die Abschaffung der Förderschulen und für die verpflichtende Ganztagsschule für alle sind." äußert sich Anton Huber, Vorsitzender der Realschullehrkräfte, zu den Stellungnahmen bayerischer Politiker.

Huber fragt zur Dimension der Durchlässigkeit weiter: "Haben alle Kinder automatisch mehr Chancen, wenn allen der Besuch des Gymnasiums gestattet oder wenn ihnen das Zertifikat des Abiturs verliehen wird, ohne nach der Qualität/den Kompetenzen zu fragen, die dieses Zertifikat bestätigt?"

Interessant ist die Wendung, die die OECD nun nach Jahrzehnten genommen hat, indem sie nun den Wert der beruflichen Bildung im dualen System Deutschlands erkannt hat und in ihre Analysen einbezieht. Huber dazu. "Das fordern wir seit vielen Jahren, weil der Mensch nicht erst beim Abitur beginnt. Auch deshalb lehnen wir ganz entschieden Formulierungen in der Bertelsmann-Studie ab, in der von einer "niedrigeren Schulart" die Rede ist. Für uns sind alle Schularten gleichwertig, weil sie jeweils ein in sich geschlossenes wertvolles pädagogisches Konzept für bestimmte Kinder und Jugendliche bieten.

www.brlv.de

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