Realschullehrerverband widerspricht Schulleitern
Der Realschullehrerverband widerspricht deutlich und mit Nachdruck der [Stellungnahme von 19 SchulleiterInnen ](http://bildungsklick.de/pm/91445/19-schulleiter-von-gemeinschaftsschulen-und-bisherigen-realschulen-uebergeben-aufruf/) bisheriger Realschulen und heutiger bzw. künftiger Gemeinschaftsschulen.
30.05.2014 Pressemeldung Verband Reale BildungEs ist ihr Recht neue pädagogische Wege zu beschreiten und sich als Schule für das neue Modell Gemeinschaftsschule zu entscheiden, es geht aber eindeutig zu weit, wenn hier der Eindruck erweckt werden soll, dass die noch nicht erprobte GMS die über Jahrzehnte in ihrer Qualität bewährte, weil erprobte RS zukunftsfähig macht.
Zeitgemäß ist ein Bildungskonzept, welches ein breites Angebot vorhält für heterogene, vielfältige Begabungen mit einem differenzierten und durchlässigen Schulsystem, orientiert an Verbraucherkompetenzen.
Zukunftsfähig jedoch wird ein Bildungssystem erst dann, wenn es immer auch mit dem Blick auf das Machbare angesichts begrenzter ökonomischer Ressourcen klar abschluss- und anschlussorientiert ausgerichtet ist. Erst die hohe Qualität eines Bildungsabschlusses garantiert, dass Jugendliche ihren Weg nach der Schule in anspruchsvollen beruflichen Systemen und Bildungseinrichtungen fortsetzen können.
Gerade die Realschule ist eine solche Schulart: kostengünstig und geräuschlos funktioniert sie ohne passgenaue Ausstattung im Vergleich zu anderen Schularten über Jahrzehnte.
Wir stellen uns einer zentralen Abschlussprüfung und bieten einen qualifizierten Bildungsabschluss, der bislang für eine große gesellschaftliche Bandbreite erreichbar ist. Dafür muss erst einmal die Grundlage geschaffen werden. Es ist dem Einsatz der LehrerInnen zu danken, die hier weit über Lernbegleitung hinaus Verantwortung übernehmen.
Für die Gemeinschaftsschule steht gerade dieser Beweis aus! Noch steckt sie in den Kinderschuhen, Euphorie reicht nicht aus für einen qualifizierten Bildungsabschluss. Noch ist nicht bewiesen, dass länger gemeinsam und selbstgesteuert lernen ein erfolgreicher Weg ist. Gerade unsere heterogene Schülerschaft, die als Spiegel unserer Gesellschaft geprägt ist von zunehmender Bindungslosigkeit, Peergroupstrukturen und massiver Ichbezogenheit braucht Lehrerinnen und Lehrer, die hier gegensteuern und eine Klasse oder Lerngruppe zusammenhalten und zum richtigen Zeitpunkt selbstgesteuert arbeiten lassen können um das Ziel eines qualifizierten Bildungsabschlusses für alle zu erreichen.
Kinder und Eltern wollen klare, verlässliche Strukturen, eine "möchtest du das jetzt so oder so haben" Kuschelpädagogik mit Stuhlkreis ist da nicht zielführend.
Noch leben die Gemeinschaftsschulen von dem Kredit, dem Glauben der Eltern, dass dieses System ohne frühzeitige äußere Differenzierung und Transparenz sprich Vergleichsmöglichkeit im Bildungsstand durch Noten tatsächlich zum Erfolg führt und sie auch tatsächlich entlastet. Was meinen Sie, wie fühlen sich Kinder, wenn ihr Engagement das erste Mal obligatorisch in der Abschlussklasse mit einer schlechten Ziffernote gespiegelt wird, wie gehen Eltern damit um, wenn der Druck auf sie zunimmt, weil deutlich wird ab Klasse 8, dass ihr Kind nicht den gewünschten Bildungsabschluss erreichen wird?
Die Realschule mit ihrem verbraucherorientierten Konzept hat diese Widersprüche bislang weitgehend ausbalancieren können. Bei uns haben Ein- und Umsteiger ihre Chance bekommen, Weiterentwicklung gehört zu diesem Konzept von Anfang an und das, wie bereits erwähnt enorm kostengünstig und unspektakulär, ohne großes Geschrei und Jammerarien!
Ja haben wir sie denn noch alle, wenn wir gerade diese Schulart im Versuchslabor der Gemeinschaftsschule einebnen oder durch mangelhafte Ausstattung weiter austrocknen wollen? Sind wir noch bei Trost, wenn wir eine so wesentliche Bildungssäule für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg und Deutschland einem teuren Experiment mit unklarem Ausgang opfern? Die Antwort lautet eindeutig Nein!
Leben Sie an der neuen Schulform gerne ihre Vorstellung vom Bildungsparadies, beweisen Sie über mindestens 10 Jahre, dass Sie es besser können, wir lassen uns gerne überzeugen, aber akzeptieren Sie auch, dass wir uns einer Abschaffung der anerkannten Realschule wie auch immer vehement widersetzen.
Minister Stoch sieht sich durch die Erklärung der 19 SchulleiterInnen darin bestärkt, "die Weiterentwicklung der Realschulen zu unterstützen", indem er betont "wie gut es für die Schulen ist, die Vorzüge der Realschulen und die Möglichkeiten der Gemeinschaftsschulen miteinander zu verknüpfen".
Eine derartige Verknüpfung zum jetzigen Zeitpunkt lehnen wir aus den oben genannten Gründen entschieden ab!
Deshalb abschließend unsere Bitte: Äußern Sie sich, Herr Minister Stoch, und schaffen Sie endlich Klarheit, ob Sie die Realschule zu Gunsten der Gemeinschaftsschule "abschaffen" wollen oder verschaffen Sie sich vor Ort selber ein Bild über die Zukunftsfähigkeit der Realschule durch einen Schulbesuch. Beteiligen Sie uns endlich an der überfälligen Weiterentwicklung der Realschule als gleichwertige Schulart neben den anderen Schularten!
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