Rechtschreibung: Verbesserung jetzt anpacken statt lange über Bildungspläne zu diskutieren
In der heutigen Bürgerschaftsdebatte hat Schulsenator Rabe noch einmal betont, dass er die Rechtschreibung der Hamburger Schülerinnen und Schüler verbessern möchte. Rabe erläuterte die von der Schulbehörde geplanten Maßnahmen und warb gleichzeitig dafür, konkrete Verbesserungen des Deutschunterrichtes auf den Weg zu bringen, statt sich in endlosen theoretischen Diskussionen über neue Bildungspläne für das Fach Deutsch zu verzetteln.
22.01.2014 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)Ties Rabe: "Wir wollen den Rechtschreibunterricht unmittelbar verbessern, und zwar mit jährlichen Rechtschreibtests in den Klassen 1 bis 10, dem Einüben eines verbindlichen Kernwortschatzes an der Grundschule sowie einer Handreichung für Lehrkräfte mit inhaltlichen und methodischen Erläuterungen für guten Rechtschreibunterricht. Eine zusätzliche Änderung des Bildungsplans hat die Mehrheit der Bildungsexperten im Schulausschuss allerdings für überflüssig erklärt. Der Bildungsplan macht sehr klar deutlich, dass in Hamburg Kinder von Anfang an richtig schreiben lernen sollen. Methoden, nach denen die Kinder monatelang oder gar jahrelang nicht auf richtige Rechtschreibung achten müssen, sind in Hamburg nicht zulässig. Wenn wir wirklich konkrete Verbesserungen für die Schülerinnen und Schüler auf den Weg bringen wollen, dann müssen wir den Unterricht verändern und jetzt nicht auch noch eine monatelange Diskussion über Bildungspläne beginnen."
In den kommenden Monaten werden Expertinnen und Experten der Schulbehörde in Zusammenarbeit mit Lehrkräften diese konkreten Maßnahmen ausarbeiten. Rabe warnte davor, eine einseitige Methodendiskussion zu führen: "In der Praxis werden meist unterschiedliche Bausteine verschiedener Methoden angewendet. Viele Untersuchungen zeigen zudem, dass Lehrkräfte auf unterschiedlichen Wegen gleich gute Ergebnisse erreichen können. Entscheidend ist, wie die Lehrkräfte ihren Unterricht gestalten und auf die individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder eingehen. Glaubenskriege führen uns nicht weiter!"
In Hamburg wird erstmals ein verbindlicher Kernwortschatz für die Grundschule eingeführt, den die Kinder am Ende Grundschulzeit nach Klasse 4 sicher beherrschen sollen. Rund 800 Wörter soll der Kernwortschatz umfassen – darunter häufig gebrauchte Wörter, aber auch Wörter, an denen sich bestimmte Rechtschreibregeln besonders gut erlernen lassen. Die Schulen können diesen Kernwortschatz um bis zu 50 Prozent erweitern.
Ties Rabe: "Bayern hat mit diesem Instrument gute Erfahrungen gemacht. Die Einführung eines solchen Kernwortschatzes ist zwar oft mit uferlosen Diskussionen über die Auswahl der Wörter verbunden. Und selbstverständlich müssen die Kinder wesentlich mehr Wörter beherrschen. Dennoch sollten wir uns die Mühe machen. Denn der Kernwortschatz bietet Kindern und Lehrkräften die Chance, sich auf ein klares Ziel zu konzentrieren und zugleich beispielhaft Rechtschreibregeln für alle anderen Wörter zu lernen."
In jeder Jahrgangsstufe von Klasse 1 bis Klasse 10 soll es künftig außerdem einen verbindlichen Rechtschreibtest für jedes Kind geben. Ties Rabe: "Die in Hamburg entwickelte so genannte ´Hamburger Schreibprobe` ist bundesweit anerkannt und geschätzt. Dieser Test soll künftig jedes Jahr verbindlich in allen Schulklassen durchgeführt werden. Die Ergebnisse sollen den Schulen und den Lehrkräften Rückmeldungen über den Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler sowie Hinweise über Unterrichtserfolge und Handlungsbedarfe geben."
Die Hamburger Schulbehörde wird zudem eine Handreichung für den Rechtschreibunterricht entwickeln. Damit werden die Hamburger Bildungspläne präzisiert sowie Tipps und Erläuterungen zum Rechtschreibunterricht gegeben. Unterrichtsziele, Methoden, Inhalte, aber auch organisatorische Maßnahmen zur Verbesserung der Rechtschreibung konkretisierend und beispielhaft dargestellt werden. Auch der Kernwortschatz und die neuen Testverfahren werden in der Handreichung erklärt. Ties Rabe: "Die Handreichung soll den Lehrkräften helfen, den Rechtschreibunterricht zu verbessern und die abstrakten Lernziele aus dem Bildungsplan in konkreten Unterricht zu überführen."
Zur Umsetzung der neuen Maßnahmen sollen in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut auch die Fortbildungen für Lehrkräfte für guten Rechtschreibunterricht weiterentwickelt werden. In regionalen Konferenzen werden die Fachleitungen der Schulen außerdem speziell auf die neuen Aufgaben und die Erkenntnisse im Bereich des Rechtschreibunterrichts vorbereitet. Ties Rabe: "Unser Ziel ist es, Gutes weiterzuentwickeln. Mit großem Einsatz ist es Hamburgs Lehrkräften gelungen, den in den 1990er Jahren einsetzenden allgemeinen Verfall der Rechtschreibung zu stoppen und trotz einer wachsenden Zahl von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern die Rechtschreibleistung in den letzten zehn Jahren zu stabilisieren. Das zeigt, dass hier bereits ein Umdenken eingesetzt hat. Darauf werden wir aufbauen."
Die Maßnahmen sollen bis zum Sommer 2014 erarbeitet und dann im Schuljahr 2014/15 schrittweise umgesetzt werden. Spätestens im darauf folgenden Schuljahr sollen die Maßnahmen dann flächendeckend eingeführt sein.
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