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RLP: Rechtsextremismus und antidemokratische Tendenzen an Schulen

Der Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz sieht mit wachsender Sorge, dass Rechtsextremismus und antidemokratische Tendenzen auch vor Schulen in Rheinland-Pfalz nicht Halt machen.

22.06.2026 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz
  • Eine Gruppe von Schülern sitzt in einem Klassenraum, der Lehrer steht vorne. © Adobe Stock Evaluationsberichte zu Fortbildungs- und Präventionsmaßnahmen zeigen, dass Lehrkräfte durch gezielte Schulungen im Umgang mit antisemitischen oder extremistischen Äußerungen sicherer werden.

Schulen sind keine isolierten Räume, sondern Teil der Gesellschaft. Politische Polarisierung, Verschwörungserzählungen, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und demokratiefeindliche Einstellungen spiegeln sich daher auch im schulischen Alltag wider. Einzelne Vorfälle, antisemitische oder rassistische Äußerungen, demokratiefeindliche Symbolik sowie ein zunehmend aggressiver, unsachlicher und hasserfüllter Umgangston in gesellschaftlichen und politischen Diskussionen unter Jugendlichen verdeutlichen, dass es sich nicht um abstrakte Phänomene handelt. Sondern, dass es um konkrete Herausforderungen für Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern und Schüler:innen geht.

Berichte und Veröffentlichungen aus Rheinland-Pfalz, unter anderem aus dem Umfeld des Demokratiezentrums Rheinland-Pfalz sowie aus ministeriellen Stellungnahmen zeigen, dass Präventionsarbeit bereits stattfindet und entsprechende Fortbildungsangebote für Lehrkräfte ausgebaut wurden. Diese Maßnahmen stellen eine wichtige Grundlage dar, da sie Fachwissen bündeln und Schulen konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand geben. Ein Vorteil dieser landesspezifischen Berichte liegt darin, dass sie regionale Besonderheiten berücksichtigen und Entwicklungen über mehrere Jahre vergleichbar machen. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass viele dieser Berichte vor allem dokumentierte Vorfälle und strafrechtlich relevante Ereignisse erfassen. Einstellungen, latente Vorurteile oder subtile Formen demokratiefeindlicher Haltungen werden dadurch nur eingeschränkt abgebildet. Die Dunkelziffer nicht gemeldeter Vorfälle ist hoch und die tatsächliche Verbreitung entsprechender Einstellungen unter Jugendlichen lässt sich nur begrenzt aus Fallzahlen ableiten.

Evaluationsberichte zu Fortbildungs- und Präventionsmaßnahmen zeigen, dass Lehrkräfte durch gezielte Schulungen im Umgang mit antisemitischen oder extremistischen Äußerungen sicherer werden. Der Vorteil solcher Programme liegt in ihrer unmittelbaren Praxisnähe und in der Stärkung der Handlungskompetenz im Schulalltag. Ein Nachteil besteht jedoch darin, dass die langfristige Wirksamkeit einzelner Maßnahmen selten systematisch überprüft wird. Ein einmaliger Projekttag oder eine punktuelle Intervention können sensibilisieren, ersetzt aber keine kontinuierlich verankerte politische Bildung im Unterricht.

Die Perspektive der Landesschüler:innenvertretung Rheinland-Pfalz ist für die Bewertung der Situation von zentraler Bedeutung. Die Landesschüler:innenvertretung betont regelmäßig die Notwendigkeit einer stärkeren politischen Bildung, eines Ausbaus des Sozialkunde- und Politikunterrichts sowie klarer Haltung gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit. Sie fordern mehr Mitbestimmung, transparente Beschwerdewege und Vertrauenspersonen an Schulen. Diese Forderungen decken sich in weiten Teilen mit den Anliegen des Landeselternbeirats. Schüler:innen wünschen sich keine pauschale Repression, sondern Aufklärung, Dialog und Beteiligung. Der Landeselternbeirat teilt die Auffassung, dass nachhaltige Demokratieförderung nur im Zusammenspiel von Lehrkräften, Elternhaus und Schüler:innenschaft gelingen kann.

Ein Blick in andere Bundesländer verdeutlicht, dass Rheinland-Pfalz mit diesen Herausforderungen nicht alleinsteht. In mehreren Ländern wurden antisemitische Vorfälle an Schulen öffentlich diskutiert, und spezialisierte Meldestellen wie Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus haben verdeutlicht, wie wichtig niedrigschwellige Dokumentations- und Beratungsangebote sind. Die Erfahrungen dort zeigen, dass Transparenz und systematische Erfassung von Vorfällen helfen, Problemlagen realistisch einzuschätzen. Gleichzeitig wird deutlich, dass kurzfristige symbolische Maßnahmen allein nicht ausreichen. Nachhaltige Konzepte, die politische Bildung curricular stärken, Gedenkstättenarbeit fördern, Schulsozialarbeit ausbauen und Lehrkräfte kontinuierlich fortbilden, zeigen langfristig größere Wirkung. Rheinland-Pfalz kann aus diesen Erfahrungen lernen und erfolgreiche Modelle adaptieren, ohne dabei die eigenen Strukturen aus dem Blick zu verlieren.

Ein besonderes Instrument politischer Bildung stellt die Juniorwahl dar. Sie ermöglicht Schüler:innen eine realitätsnahe Simulation demokratischer Wahlen und fördert politische Urteilsbildung. Die Ergebnisse der Juniorwahl in Rheinland-Pfalz geben Hinweise auf politische Präferenzen junger Menschen, auf Wahlbeteiligung und auf regionale Unterschiede. Sie sind kein repräsentatives Meinungsbild der Gesamtbevölkerung, wohl aber ein Stimmungsindikator innerhalb der teilnehmenden Schulen. Auffällige Verschiebungen oder überdurchschnittliche Zustimmungswerte für Parteien mit antidemokratischen Positionen können Anlass sein, genauer hinzusehen und pädagogische Angebote zu intensivieren. Ein Vorteil der Juniorwahl liegt darin, dass sie politische Prozesse erlebbar macht und Diskussionen im Unterricht anregt. Ein möglicher Nachteil besteht darin, dass Wahlergebnisse isoliert betrachtet missverstanden werden können, wenn sie nicht in einen pädagogischen Kontext eingebettet sind. Entscheidend ist daher die begleitende Auswertung im Unterricht und die kritische Auseinandersetzung mit Parteiprogrammen und demokratischen Grundwerten. Vor diesem Hintergrund möchte der Landeselternbeirat betonen, dass Aufgabe der Lehrkräfte ist, sich im Sinne unserer freiheitlich-demokratischen Verfassung für eben diese einzusetzen und antidemokratische Haltungen pädagogisch aufzuarbeiten. Das Neutralitätsgebot
bedeutet an dieser Stelle nicht das Schweigen der Lehrkraft.

Zusammenfassend kommt der Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz zu dem Schluss, dass rechtsextreme und antidemokratische Tendenzen an Schulen ernst genommen werden müssen, ohne in Alarmismus zu verfallen. Die vorliegenden Studien und Berichte liefern wichtige Anhaltspunkte, sind jedoch in ihrer Aussagekraft begrenzt und sollten durch regelmäßige, repräsentative Erhebungen ergänzt werden. Prävention muss langfristig angelegt sein und politische Bildung strukturell stärken. Dazu gehören ausreichende Unterrichtszeiten für Politik und Sozialkunde, verbindliche Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, der Ausbau der Schulsozialarbeit sowie klare und transparente Beschwerde- und Unterstützungsstrukturen für Betroffene.

Der Landeselternbeirat versteht sich dabei als Partner der Landesschüler:innenvertretung, der Schulen und des Bildungsministeriums. Ziel ist es, demokratische Werte nicht nur zu vermitteln, sondern im Schulalltag erlebbar zu machen. Demokratiebildung ist keine Zusatzaufgabe, sondern Kernauftrag von Schule. Nur wenn Schüler:innen lernen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, faktenbasiert zu argumentieren und Verantwortung zu übernehmen, können sie zu mündigen Bürger:innen heranwachsen. Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und antidemokratischen Tendenzen ist daher kein Randthema, sondern eine zentrale Zukunftsfrage für das Bildungssystem in Rheinland-Pfalz.


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