Widerspruch

Richtig schreiben zu können, ist kein Luxus, sondern notwendig

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) widerspricht dem Ministerpräsiden­ten heftig, wenn dieser die Bedeutung der Rechtschreibung für die Bildung nivel­lieren möchte. Sich großzügig über geltende Rechtschreibregeln hinwegzusetzen, dürfe sich höchstens der erlauben, der die Karriereleiter bereits erklommen habe.

27.01.2020 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg
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Jedem Schüler, dessen Bewerbungsunterlagen vor Rechtschreibfehlern strotzten, werde in der Regel schon der Zugang zu seiner beruflichen Ausbildung erschwert. Der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand betont, dass man es den Lehrerinnen und Lehrern überlassen sollte, den Kinder das Schreiben beizubringen. Brand wörtlich: „Wir haben Respekt vor dem Amt des Ministerpräsidenten. Aber mit diesem Amt erwächst nicht automatisch die Expertise, zu Fragen des Unterrichts methodisch und didaktisch fundiert Stellung beziehen zu können.“ Es sei sinnvoller, als Spitzenpolitiker der Re­gierungskoalition dafür zu sorgen, dass endlich genügend Lehrerinnen und Lehrer an alle Schulen kommen und die Kinder dadurch kontinuierlich optimal gefördert werden können, anstatt Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen, so der VBE-Vorsitzende wörtlich.

Wenn der Ministerpräsident „auf kluge Geräte" verweise, „die Grammatik und Fehler korrigierten“, denke er dabei sicher an die Computer in den Büros seines Regierungs­apparates. Ein Grundschüler sei jedoch auf Bleistift und Füllfederhalter angewiesen, die mit solchen Korrekturprogrammen noch nicht aufwarten könnten, so der VBE-Sprecher. In der Grundschule werde mit Kopf, Herz und Hand gelernt und die Grundlagen dafür gelegt, dass man später auch die Fehler der Korrekturprogramme der Computer durch­schauen könne. Dass man Abstriche bei der Rechtschreibung tunlichst vermeiden möge, haben die emotionsgeladenen Diskussionen der letzten Monate über das Für und Wider des „Schreibens nach Gehör“ gezeigt. Richtig schreiben zu können, wird in der Gesell­schaft wieder als ein Wert anerkannt. Nicht ohne Grund hatte die Kultusministerin der Öffentlichkeit den Rechtschreibrahmen für die Klassen eins bis zehn vorgestellt. Mit seinem jüngsten Vorstoß gegen die Bedeutung des richtigen Schreibens fällt der amtie­rende Regierungschef seiner Mitbewerberin um den Posten des Ministerpräsidenten, dem Kabinettsmitglied Susanne Eisenmann, in den Rücken. Wahlkampf auf Kosten der Bildung der Schüler sei aber eines Ministerpräsidenten nicht würdig und wahrscheinlich auch gar nicht beabsichtigt gewesen, so der VBE-Sprecher.


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