Bayern

Schlechte Chancen für Bayerns Junglehrer

"Die heute veröffentlichte Staatsnote entspricht leider unseren düsteren Erwartungen. Bereits in den letzten Jahren lag die Einstellungsnote für Grund-, Haupt-, Förder-, Fach- und Sonderschullehrer so hoch, dass viele Junglehrer keine Einstellung beim Staat erhielten." Mit diesen Worten hat die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ), Anja Lanzendörfer, auf die heute veröffentlichte Einstellungsnote für Nachwuchslehrer/innen reagiert.

16.07.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Besonders Grundschul- als auch bestimmte Fach- und Sonderpädagogen müssen sich in diesem Jahr teilweise sogar einem neuen Anforderungsrekord stellen. So erhalten im Bereich der Grundschule nur 27,5 Prozent der Bewerber ein Stellenangebot. Im Bereich der Förderschulen und Schulen für Kranke ist die Einstellungssituation leider schon gewohnt schlecht. "Mit Staatsnoten von zwischen unter 1,72 bis 2,73 müssen die jungen Kolleginnen und Kollegen sich jedes Jahr von Aushilfsvertrag zu Aushilfsvertrag hangeln - wobei gerade in diesem sensiblen Bereich feste Bezugspersonen für die Kinder wichtig wären", kritisierte Lanzendörfer.

Ein wenig Aufatmen können da nur die Fachlehrer der technischen Fachrichtung, da es hier nur wenige Bewerber gibt. Die Fachlehrer Ernährung/Gestaltung dagegen stehen wie in den letzten Jahren zum Großteil auf der Straße. "Und das, obwohl gerade an Hauptschulen immer wieder auf die Berufsvorbereitung so starken Wert gelegt wird und diese Kolleginnen für die entsprechenden Fächer zur Verfügung ständen und die Gruppen, in denen gearbeitet wird, immer noch zu groß sind", so die ABJ -Vorsitzende.

Lanzendörfer sprach von einer absurden Situation: "Überall herrscht Lehrermangel, gleichzeitig werden über 64 Prozent aller Lehramtsprüflinge der Grund- und Hauptschule auf der Straße stehen gelassen oder mit befristeten Arbeitsverträgen abgespeist. Wie sollen da Kinder und Jugendliche individuell gefördert werden?" Die Klassenstärken blieben zu groß, Ganztagsangebote könnten nicht flächendeckend angeboten, Unterrichtsausfälle nicht von professionell ausgebildeten Lehrern ersetzt werden. "Ausbaden müssen das unsere Schüler. Sie werden ihrer Entwicklungs- und Fördermöglichkeiten beraubt." Auch die von allen Seiten, auch vom Kultusministerium, geforderte Inklusion könne unter diesen Umständen wohl wenig pädagogisch zufriedenstellend realisiert werden.

Junge Lehrer seien hoch motiviert - "doch dann werden sie ausgebremst." Nach dem Studium und einer intensiven Ausbildung ohne Perspektive da zu stehen, sei sehr schlimm und bedeute für jeden einzelnen eine persönliche Katastrophe. "Die meisten Betroffenen haben nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld. Viele verabschieden sich vom Lehrerberuf und orientieren sich neu", so Lanzendörfer. Erschwert werde die Situation durch die späte Bekanntgabe einer eventuell abgelehnten Einstellung Mitte Juli. "Innerhalb von drei Wochen ein Beschäftigungsverhältnis, möglichst noch im Schulbereich zu finden, bleibt nahezu unmöglich. Wer einen Zeitvertrag vom Staat angeboten bekommt, muss sich nicht nur neu orientieren, sondern auch kurzfristig eine Wohnung suchen und finanzieren. Dies ist in Ballungsgebieten zeitlich und finanziell eine Sache der Unmöglichkeit. Noch mehr finanzielle und organisatorische Einbußen haben diejenigen Junglehrer, welche erst im laufenden Schuljahr befristet eingestellt werden, etwa im November oder gar erst Februar. Befristete Verträge laufen dann jeweils nur bis Juli - für viele hoffnungsvolle Junglehrer beginnt dann im Folgejahr erneut das Bangen um eine Festeinstellung. Der Kreis schließt sich."

Lanzendörfer bezeichnete den Trend, vermehrt schlecht bezahlte, aber hoch qualifizierte Arbeitskräfte einzusetzen, als "bittere Realität."

Auf die Missstände, denen Schüler wie auch (Jung-)Lehrer ausgeliefert sind, macht derzeit die ABJ –Kampagne im Internet "Zukunftschancen gemopst - Gassi gehen als neue Herausforderung für arbeitslose Junglehrer?" aufmerksam. "Wir wollen Druck machen und sammeln Unterschriften für eine Petition an den Bayerischen Landtag. Mitmachen kann jeder über das Social Network Facebook "Bildung braucht Lehrer". Auf www.mops.bllv.de kann der Offene Brief unterzeichnet werden.

In der ABJ sind derzeit rund 12 000 junge Lehrerinnen und Lehrer organisiert. Sie gehört dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) an.


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