Schneider mündlich "fabelhaft" und praktisch "mangelhaft"
"Kultusminister Schneider ist ein typischer "Ankündigungsminister"", so Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, anlässlich der Ausgabe der Zwischenzeugnisse. Und weiter: "Vergleicht man seine blumigen Versprechungen mit der Wirklichkeit an bayerischen Schulen, zeigen sich eklatante Defizite." In den letzten Monaten hat Minister Schneider immer wieder die Bedeutung individueller Förderung von Schülern betont, er verweist sogar auf Lehrerstellen, die ausschließlich dafür zur Verfügung stünden. Anfang 2006 war von 3.300 Stellen die Rede, in diesem Schuljahr seien nochmals 331 Stellen hinzugekommen.
15.02.2007 Bayern Pressemeldung GEW BayernRichtig aber ist, dass es das bayerische Schulsystem nicht schafft, die Schüler trotz nachweislich hoher Kompetenzen zu entsprechenden Schulabschlüssen zu führen. Der Schulerfolg hängt in Bayern nach wie vor stark von der sozialen Herkunft ab. Hier bildet der Freistaat die unrühmliche Spitze im bundesweiten Vergleich. Um herkunftsbedingte Benachteiligungen auszugleichen, muss das Schulsystem für eine frühe und optimale Förderung jedes einzelnen Kindes sorgen. Oskar Brückner: "Aber genau dieses Prinzip sehe ich im bayerischen Schulalltag nirgends verankert. Wo sind diese 3.361 Stellen versteckt?"
Offen bleiben für die GEW Bayern eine Reihe drängender Fragen:
- Wo und an welchen Schulen sind diese Stellen eingerichtet?
- Arbeiten diese Lehrkräfte mit ihrem gesamten Stundendeputat das ganze Schuljahr in der individuellen Förderung der Schüler?
- Nach welchen Kriterien wurden die Schulen ausgesucht?
- Welche Konzepte für effektive und erfolgreiche individuelle Förderung wurden entwickelt?
- Wo sind die dafür erforderlichen Schulpsychologen, Sonder- und Sozialpädagogen?
- Wie und wie lange wurden die 3.361 Lehrkräfte für ihre Aufgabe fortgebildet?
- Wie und bis wann soll ein individuelles Förder- und Unterstützungssystem an ALLEN Schulen eingerichtet werden?
Mit dem Grundsatz der individuellen Förderung von Schülern muss auch in Bayern endlich ernst gemacht werden. Doch bislang ist nach Ansicht der GEW Bayern keine Abkehr vom rigiden Auslesesystem an bayerischen Schulen zu erkennen. Oskar Brückner: "Die vierjährige Grundschule wurde 1920 mit dem Reichsgrundschulgesetz eingeführt und ist bis heute weder durch die Pädagogik noch durch die Lern- oder Entwicklungspsychologie begründbar. Im Gegenteil; alle namhaften Wissenschaftler sprechen sich für ein deutlich längeres gemeinsames Lernen aus."
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