Schulbuchstudie: Migration wird primär mit Konflikten verbunden
(red/pm) Migration wird in den Sozialkunde- und Geschichts-Schulbüchern, teilweise auch in Geografie-Schulbüchern primär als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt. So das Ergebnis einer Studie zum Thema Migration und Integration in Schulbüchern.
18.03.2015 ArtikelDas Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI) hatte für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration eine Studie zum Thema Migration und Integration in Schulbüchern durchgeführt, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie untersucht aktuelle Schulbücher der Sekundarstufen I in den Fächern Sozialkunde/Politik, Geschichte und Geografie und analysiert die Herausforderungen und Anforderungen an eine zeitgemäße Darstellung in Schulbüchern.
Die 65 untersuchten Schulbücher behandeln Deutschland überwiegend als Einwanderungsland, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft ihre Heimat gefunden haben. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass in den analysierten Schulbüchern die Problematisierung von Migration gegenüber der Darstellung von Diversität als Normalfall überwiegt. Migration wird in den Sozialkunde- und Geschichts-Schulbüchern, teilweise auch in Geografie-Schulbüchern primär als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt.
"Die Studie zeigt auch, dass Begriffe wie "Ausländer", "Fremde" "Migranten" und "Menschen mit Migrationshintergrund" häufig nicht unterschieden, sondern im Gegenteil sogar synonym im Schulbuch benutzt werden. Die Möglichkeit, einen differenzierten, reflektierten und bewussten Umgang mit bestimmten Begriffen einzuüben, wird daher in den Schulbüchern nicht ausreichend wahrgenommen," erläutert Dr. Inga Niehaus, Leiterin der Studie, am Georg-Eckert-Institut (GEI).
Integration gilt in den Schulbüchern aller drei Fächer als unbedingt notwendig für den sozialen Zusammenhalt in der Einwanderungsgesellschaft, wird aber kaum konkretisiert. Von Menschen mit Migrationsgeschichte wird erwartet, sich an die deutsche Gesellschaft anzupassen. In welcher Weise der Staat dies besser unterstützen kann, wird hingegen selten thematisiert; die staatliche Integrationspolitik wird überwiegend positiv dargestellt.
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Notwendigkeit, diversitätssensible Schulbücher zu produzieren, die (migrationsbedingte) Vielfalt widerspiegeln und deren Chancen für die Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen, so die Wissenschaftler.
Keine Kommentare vorhanden