Gemeinsam lernen

Schulbücher für den inklusiven Unterricht

"Es müssen Ressourcen geschaffen werden, um Inklusion wirklich zum Gelingen zu bringen", erklärte Prof. Kersten Reich kürzlich im didacta Themendienst. Neben der räumlichen Austattung, dem Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften oder anderen Professionen betrifft dies auch die Unterrichtsmaterialien. Auch sie müssen für die neuen Anforderungen entwickelt und umgesetzt werden. Doch wie sieht ein Schulbuch für den inklusiven Unterricht aus? Und: Gibt es bereits solche Bücher? Das wollten wir von drei großen Bildungsmedienherstellern in Deutschland wissen.

08.02.2013 Artikel
  • © bikl.de

Schulbücher haben sich in den vergangenen Jahren ohnehin stark verändert. Moderne Lehrwerke bieten längst schon modulare, offene Ansätze und umfangreiche Differenzierungsangebote. Und sie kommen auch nicht als einzelnes Werk daher, sondern als Lehrwerkskonzept, angereichert mit einer Fülle von Zusatzmaterialien für Schüler und Lehrer. "Mit Blick auf die Umsetzung der Inklusion ergänzen wir unsere Konzepte aktuell um Zusatzmaterialien, die einen gemeinsamen Unterricht unterstützen und allen Kindern gerecht werden. Die Lehrwerke zeichnen sich durch mehrfach differenzierende Aufgaben und die konzeptionelle Begleitung und Förderung eigener Lernwege aus. Zu vielen Lehrwerken sind inzwischen Arbeitshefte im Aufbau, die parallel zu den Schulbuchseiten auf einfacherem Niveau und in kleinen Schritten die Inhalte vermitteln", erklärt Ulrike Jürgens, Geschäftsführerin beim Bildungshaus Schulbuchverlage in Braunschweig.

Auch beim Berliner Cornelsen Verlag konnte man auf vorhandene Konzepte aufbauen, um anschließend eine größere Vielfalt bezogen auf Leistungsspektrum und Lernwege in den Blick zu nehmen, betont Pressesprecherin Irina Groh. "In den Schulen werden verschiedene Modelle erprobt und Erfahrungen gesammelt. Wir begleiten diesen Prozess und erfassen die Bedürfnisse der Lehrenden und Lernenden. Daraus entwickeln wir Materialien für inklusiven Unterricht und haben dabei nicht nur das klassische Schulbuch im Blick, sondern die Vielfalt und Unterschiedlichkeit des Medienangebots."

Bei der Konzeption und Umsetzung mussten auch die Teams erweitert werden. "Inklusion in unseren Unterrichtskonzepten umzusetzen bedeutet auch, Experten aus dem Bereich der Sonderpädagogik einzubeziehen", berichtet Tilo Knoche, Sprecher der Geschäftsführung im Ernst Klett Verlag. Wobei den Stuttgartern der Verzicht auf jegliche Etikettierung wichtig ist. "Daher findet man bei uns auch kein Schülermaterial speziell für inklusive Kinder."

Übereinstimmendes Ziel der Verlage ist, die Lehrerinnen und Lehrer bei ihren Aufgaben zu unterstützen. "Passgenaue Materialien und eine gute Instruktion für Lehrende wirken arbeitserleichternd, ermöglichen Phasen selbstständigen Lernens und unterstützen die Lehrkräfte in ihrer Professionalität", erläutert Irina Groh. "Wir wollen Themen transparent machen, methodische Hinweise geben, Angebote unterbreiten und den Schulalltag organisieren helfen. Die Materialien berücksichtigen möglichst viele Lernertypologien und bieten den Lehrkräften damit alle Arten von Aufgabendifferenzierungen an. Im Schwerpunkt verändert sich Schule im Primarbereich und in den Schulformen mit mittleren Bildungsabschlüssen. Kein aktuelles Lehrwerk kann mehr ohne explizite Rücksichtnahme auf diese Schülerveränderungen auskommen. Das gilt für Haupt- und Nebenfächer", so Tilo Knoche.

Die Bedeutung der Lehrwerke für das Gelingen des inklusiven Unterrichts hebt auch Ulrike Jürgens hervor: "Moderne Lehrwerke fördern und fordern das gemeinsame Lernen. Gut abgestimmte Lehrwerkskonzepte unterstützen die Lehrerinnen und Lehrer sowohl in der optimalen Unterrichtsvorbereitung wie auch durchgängig im Unterricht."

Dazu auf der didacta 2013

Die Schulbuchverlage präsentieren in den Hallen 6 und 9 Lehrwerke für den inklusiven Unterricht.

Sonderschauen

Wege zur Inklusion

19.02. – 23.02.2013, Halle 7, Stand A28/B29
Auf der Sonderschau werden die Besucher an Hand einer Fotoausstellung für das Thema informiert und sensibilisiert. Das Projekt soll animieren, die Notwendigkeit zu erkennen, sich mit der Thematik im Zusammenhang mit dem eigenen Tätigkeitsfeld auseinander zu setzen. In einem kleinen Forum auf der Fläche sollen Beispiele besonderer Förderung, wie sie derzeit praktiziert werden, dargestellt werden. Des Weiteren soll es einen Bereich zum Nachdenken und Reflektieren geben.

"Jedes Kind ein Könner"

19.02. – 23.02.2013, Halle 7, Stand B-068/C-069
Inklusion ist ein Ideal, das von Menschen verwirklicht werden muss. Die Idee der gleichberechtigten Partizipation aller Menschen am gesellschaftlichen Leben hat tief greifende Folgen für die Organisation von Schule und vor allem für die Grundidee vom Lernen. Inklusion kann nur funktionieren, wenn sich alle Schülerinnen und Schüler als Handelnde, also als "Könner" erleben, die täglich erfahren, dass sie auch mit Hindernissen fertig werden können. Bei der Inklusion geht es um nicht weniger als eine ganz neue Schulkultur, und dafür müssen alte Zöpfe fallen.

Forum didacta aktuell

Vom Schulbuch zum eBuch - Wie sieht das moderne Schulbuch aus?

20.2.2013, 15.00 Uhr - 15.45 Uhr
Aus dem Unterricht der Zukunft sind digitale Lehr- und Lernwerkzeuge - inklusive digitale Schulbücher - nicht wegzudenken. Wie sollten diese Medien beschaffen sein, was gibt es bereits auf dem Markt und wohin geht die Entwicklung? Wer ist Treiber, wo gibt es Hemmnisse? Wie sind die Erfahrungen im Schulalltag mit curricularen digitalen Lehr- und Lernmaterialien? Lässt sich durch deren Einsatz ein pädagogischer Mehrwert erzielen?

Armin Himmelrath, Medienbüro Köln (Moderation) im Gespräch mit Holger Tuletz, Geschäftsentwickler New Business, Cornelsen Schulverlage und Hans Ruthmann, Schulleiter der Gesamtschule Königsborn, Unna, an der jede Schülerin, jeder Schüler über ein Notebook verfügt. Ein Praxisbericht.

Forum Unterrichtspraxis

Fachgespräch "Inklusion im Englischunterricht"

Dienstag, 19. Februar 2013, 11.00 bis 12.00 Uhr
Mit der Unterzeichnung der Behindertenrechtskonvention verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland zu dessen Umsetzung. Damit werden alle am Bildungsprozess Beteiligten vor enorme Herausforderungen gestellt. In einem Fachgespräch versuchen drei an unterschiedlichen Stellen mit dieser Aufgabe Befasste auf der Grundlage von allgemein- und schulpädagogischen Implikationen die besonderen Lösungsansätze für den Englischunterricht zu diskutieren. Dazu gehören insbesondere Fragen der Unterrichtsorganisation, der erforderlichen Lehr- und Lernmittel und unverzichtbarer Gelingensbedingungen.

Teilnehmer: StD a.D. Otfried Börner, The English Academy, Stefanie Phlippen, Studienrätin an Sonderschulen, Prof. Dr. Karin Vogt, PH Heidelberg, The English Academy

Schritt für Schritt zur Inklusion

Donnerstag , 21. Februar 2013, 11.30 bis 12.30 Uhr
Schritt für Schritt zeigen die Referentinnen einzelne Handlungsmöglichkeiten hin zu einer inklusiven Schule und einem inklusiven Unterricht auf. Sie erläutern, wie man kontinuierlich seinen Unterricht und seine Schule so verändern kann, dass Inklusion möglich ist und sich bereichernd auswirkt. Inklusive Pädagogik soll ALLEN Kindern gerecht werden: nicht nur denjenigen, die Migrationshintergrund haben oder durch soziale, psychische sowie andere Gründe am Lernen gehindert werden. Auch Hochbegabte, Kinder, die schneller lernen, die spezielle Kompetenzen oder Erfahrungshorizonte haben, benötigen andere Angebote als ihre Mitschüler. Diesem Anspruch gerecht zu werden und dennoch mögliche Entlastungseffekte für den Unterrichtsalltag zu nutzen, ist Gegenstand dieser Veranstaltung. Es geht um die Reflexion persönlicher Einstellungen, institutionelle Rahmenbedingungen und Unterrichtsentwicklung.

Teilnehmer: Gundula Dechow, Regel- und Sonderschullehrerin, Förderschwerpunkt Hören und Sprache, Katja Tews-Vogler, Gymnasial- und Sonderschullehrerin, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, tätig am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein

Förderung des individualisierten Lernens in Deutsch, Englisch und Mathematik im Spannungsfeld zwischen Bildungsstandards und Inklusion

Freitag , 22. Februar 2013, 15.00 bis 16.00 Uhr
In dieser Veranstaltung soll an Beispielen aus den drei Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik gezeigt werden, welche Elemente für einen auf Individualisierung angelegten Unterricht förderlich sind: Das beginnt bei der Grundeinstellung der Lehrenden, die den Lernenden bewusst die Verantwortung für Phasen des Lernprozesses übertragen, setzt sich in der entsprechenden Strukturierung des Unterrichts fort, verlangt ein differenziertes Curriculum, diagnostische Kompetenz der Lehrenden, eine auf Individualisierung ausgelegte Aufgabenkultur und nicht zuletzt eine veränderte Form der Leistungsmessung.

Teilnehmer: Bert Kerstin, Fachleiter am Studienseminar Bonn und Lehrer an der Gesamtschule Bonn-Beuel (Englisch), Frau Barbara Neißer, ehem. Fachleiterin, gegenwärtig als Moderatorin in der Lehrerfortbildung tätig und 2. Vorsitzende des Instituts für Teamarbeit und Schulentwicklung (Köln) (Deutsch), Herr Wolfram Schmidt, Fachmoderator und didaktischer Leiter einer Gesamtschule Wuppertal (Mathematik)

"Unterrichtsstörungen inklusive?"

Chancen effektiven Classroom Managements für Inklusion
Samstag, 23. Februar 2013, 14.00 bis 15.00 Uhr
Wie kann ich allen Schülern eine unterstützende Lernumgebung bieten? Nach internationalem Forschungsstand reduziert ein gutes Classroom Management die Unterrichtsstörungen, es trägt zu mehr Lernerfolg und einer besseren sozial-emotionalen Entwicklung der Schüler mit Unterstützungsbedarf bei. Der Vortrag zeigt effektive Handlungsweisen und deren Transfer in die (eigene) Praxis. Classroom Management, am besten mit den Schülern gemeinsam entwickelt, bildet einen Schlüssel für erfolgreiche Inklusion.

Teilnehmer: Prof. Dr. Thomas Hennemann, Universität zu Köln, Lehrstuhl für Erziehungshilfe, Department für Heilpädagogik, Prof. Dr. Clemens Hillenbrand, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Lehrstuhl für Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen des Lernens, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik

Forum Bildung

Inklusion – Möglichkeiten und Grenzen in der Regelschule

Freitag, 22. Februar 2013, 12.00 bis 13.15 Uhr
Der Inklusionsgedanke löst in der Lehrerschaft zwiespältige Reaktionen aus. Zu Recht! Nachdem die meisten Schulen die Integration noch nicht im Griff haben, wird mit dem Anspruch auf "Inklusion" gleich noch eins draufgesetzt. Kein Wunder also, dass viele Lehrkräfte ratlos bis gereizt reagieren – nicht zuletzt wegen der fehlenden Rahmenbedingungen. Hier setzt die Gesprächsrunde an, um nach machbaren Perspektiven zu suchen: Was muss in der Lehrerbildung an sonderpädagogischer Kompetenz hinzugefügt werden? Welche Lehrerfortbildung muss angeboten werden? Welche personellen und materiellen Voraussetzungen zur Inklusion müssen geschaffen werden? Welche Ängste bei Lehrkräften und Eltern löst der Inklusionsbeschluss aus, der übrigens komplette Zustimmung in Bundestag und Bundesrat gefunden hatte?

Teilnehmer: Dr. Heinz Klippert, Erziehungswissenschaftliches Fort- und Weiterbildungsinstitut der Ev. Kirchen in Rheinland-Pfalz, Landau, Prof. em. Dr. Ulf Preuss-Lausitz, Institut für Erziehungswissenschaft Technische Universität Berlin, Moderation: Peter E. Kalb, Redakteur der Zeitschrift "Pädagogik"

Inklusion - Wie geht´s?

23.02.2013, 11:00 - 12:15 Uhr
Die Gesellschaft insgesamt, besonders aber die Schule, tut sich schwer mit der Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention. Häufig gibt es keine personellen und materiellen Ressourcen zur Verwirklichung der Inklusion: Lehrkräfte und Schulbegleitpersonen fehlen oft, die Schulträger sind finanziell überfordert. Ein Anfang kann heute gelingen, wenn es eine Verständigung über die Ziele in der nahen Zukunft gibt: Lehrkräfte mit sonderpädagogischen Kompetenzen, eine Infrastruktur mit qualifizierten Fachleuten, geeignete Fortbildungen, angepasste und differenzierte Schulbücher.

Teilnehmer: Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verband Bildung und Erziehung, Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Prof. Dr. Klaus Klemm, em. Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Hans-Peter Vogeler, Vorsitzender des Bundeselternrates , Hans-Peter Vogeler, Vorsitzender des Bundeselternrates, Moderation: Peter E. Kalb, Redakteur der Zeitschrift "Pädagogik"

Markplatz Beruf ist Zukunft

Inklusion in den beruflichen Schulen

Mittwoch, 20. Februar 2013, 13.00 bis 13.45 Uhr
Verschiedene nationale und internationale Entwicklungen führen dazu, dass sich die beruflichen Schulen auch zu inklusiven Schulen entwickeln sollen. Aus spezifischen Forderungen lassen sich notwendige Maßnahmen ableiten, die den Schwerpunkt des Vortrags bilden: rechtliche Grundlagen und lokale Vernetzungen für Reha-Förderung, soziales Lernen initiieren, schwache Lerner anlernen, Schulentwicklung, sonderpädagogische Handlungskompetenzen entwickeln.

Referent: Manfred Hinz, Fachseminarleiter Sonderpädagogische Fachrichtungen, Dozent für Inklusion in der Lehrerweiterbildung


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden