Schulleitungen brauchen spürbare Entlastung
Als "untragbar" bezeichnen Schulleiterinnen und -leiter ihren beruflichen Alltag. "Sie haben es satt, dass ihre Situation schön geredet wird, die Politik ihre Probleme leugnet und sich in belanglosen Verständnisbeschwörungen erschöpft", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München. "Was sie brauchen, sind spürbare Verbesserungen."
05.03.2012 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Das wurde nach einem Symposium am Wochenende in der Landeshauptstadt mit rund 150 Schulleiterinnen und -leitern aller Schularten aus ganz Bayern deutlich. In einem Offenen Brief soll nun Kultusminister Spaenle klar gemacht werden, dass Bayerns Schulleitungen nicht mehr können und dringend Entlastung brauchen. Wörtlich heißt es darin: "Weil inzwischen viele Kolleginnen und Kollegen krank werden, ausbrennen oder resignieren, weil es immer schwieriger wird, unter diesen Bedingungen Nachwuchs zu finden, weil wir seit Jahren auf taube Ohren stoßen, geben wir die Verantwortung für übertragene Aufgaben an Sie, sehr geehrter Herr Staatsminister, zurück, bis die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden." "Ich hoffe, das Anliegen kommt endlich beim Kultusminister an", erklärte Wenzel. Er werde nicht ruhen, bis in Bayern der Aufbau eines kompetenten und effizienten Schulmanagements erkennbar werde. Ziel müsse eine professionelle Schulentwicklung sein. Nicht nur Art und Umfang der Aufgaben hätten drastisch zugenommen, auch Verwaltung und Organisation von Unterricht und Schulleben hätten an Komplexität gewonnen, sagte der BLLV-Präsident. Verwaltungsabläufe seien zeitintensiv und bürokratisch geworden. Die Verantwortung der Schulleitungen gegenüber Schulverwaltung, Eltern und Öffentlichkeit sei stark gestiegen. Gleichzeitig seien die Schulen unterfinanziert - es fehle an allem. Fazit: "Die rund 5000 bayerischen Schulleiterinnen und -leiter an Grund- und Mittelschulen, an Realschulen und Gymnasien, an Förder- und Berufsschulen müssen unter immer schwierigeren Bedingungen immer mehr leisten. Sie sind es leid, Durchhalteparolen zu hören. Sie brauchen Taten - und zwar jetzt", sagte Wenzel.
"Wir bayerischen Schulleiterinnen und -leiter sehen uns vor unlösbare Probleme gestellt, denn wir sollen eine inzwischen unüberschaubare Fülle von Aufgaben ohne Personal, ohne finanzielle Mittel und ohne ausreichend Zeit bewältigen", heißt es dazu in dem Offenen Brief an Spaenle. Außer Verständnisbekundungen gebe es aber nichts, was die Situation leichter mache.
Die Anforderungen an Schulleitungen sind immens: Neben den traditionellen Aufgaben der Schulorganisation müssen nun auch Aufgaben wie z.B. die Orga-nisation von Ganztagsangeboten, Einführung jahrgangsübergreifender Klassen und Schulverbünde, verpflichtende Kooperationen mit Partnern außerhalb der Schule, die Bildung von Schulprofilen, Ausarbeitung von Schulprogrammen, Be-gleitung der Inklusion, die Führung regelmäßiger Mitarbeitergespräche und die zusätzlichen dienstlichen Beurteilungen in Folge des neuen Dienstrechts geleis-tet werden. Die überbordende Bürokratie durch Dutzende von Statistiken und Erhebungen sowie die Bewältigung der täglichen E-Mail-Flut stellten eine weitere Belastung dar. "Eine zeitliche Neubewertung der Schulleitungstätigkeiten aller Schulen ist daher überfällig und bitter nötig", sagte Wenzel und forderte darüber hinaus mehr Personal, mehr Geld und vor allem mehr Zeit. Ansonsten könnten die vielen Aktionen und Maßnahmen nicht umgesetzt werden.
Schulleitungen haben auch in juristischen Fragen eine Entlastung bitter nötig, heißt es in dem Offenen Brief weiter: Als Behördenleiter seien Schulleiterinnen und -leiter schließlich für alle Verwaltungsakte der Schule verantwortlich. Alle Schulen müssten zudem ausreichend mit Schulsekretärinnen und Verwaltungs-angestellten ausgestattet werden, wobei ihr Anforderungsprofil zu überarbeiten sei. Die Wiederbesetzungssperre von fast zwei Jahren sei aufzuheben, ebenso die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen zwischen einzelnen Schularten.
Der Offene Brief ist im Internet unter www.bllv.de (PDF) zu finden.
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