Schulrankings sind kontraproduktiv
Gegen Schulrankings hat sich der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Ludwig Eckinger, auf der 10. VBE-Fachtagung Schule – Schulaufsicht in Würzburg ausgesprochen. Er kritisierte: "Seit PISA hat die Unsitte um sich gegriffen, sich einander Rankings um die Ohren zu hauen. Bildung im eigentlichen Sinn verflüchtigt sich dabei. Es reicht nicht aus, wenn jemand in der Lage ist, einen Fahrplan, eine Speisekarte oder eine E-Mail lesen zu können, er muss sich auch einen Begriff von der Welt machen können."
20.04.2007 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)Ludwig Eckinger forderte vor den mehr als 100 Schulräten, Schulverwaltungsbeamten und Schulleitern aus allen Bundesländern, den Niederlanden und Belgien ein grundsätzliches Umdenken in der deutschen Bildungspolitik. "Wir brauchen einen Umdenkungsprozess, der unter der Überschrift ´Weg von der Selektion – stärker fordern und fördern´ stehen muss. In Deutschland wird eben gerade nicht wie in anderen Ländern gefordert und gefördert, sondern frühzeitig, nachhaltig und folgenschwer selektiert. Den Umdenkungsprozess zu initiieren, zu modernisieren, zu begleiten und umzusetzen, das ist die eigentliche Führungsaufgabe von Schulverwaltung und Schulaufsicht", unterstrich der VBE-Bundesvorsitzende. Was Schulen nicht bräuchten, seien quantifizierte Messmethoden, die der Betriebswirtschaft und der Unternehmensberatung entlehnt seien. Eckinger betonte: "Lehrerinnen und Lehrer brauchen die Wertschätzung ihrer Arbeit." Veränderungen von Schule seien nach Auffassung des VBE nicht auf dem Verordnungswege und über die Köpfe von Lehrerinnen und Lehrern hinweg zu erreichen. Der VBE-Bundesvorsitzende bekräftigte: "Es ist keine neue Führungskultur, wenn die alte obrigkeitsstaatliche Schulaufsicht im modischen Gewand der Schulinspektion daherkommt."
Eckinger appellierte an Politik, Kultusminister, Schulverwaltung, Schulaufsicht, Schule, Lehrerinnen und Lehrer, gemeinsam ein neues Klima für Bildung und Leistung zu schaffen.
Der 2. Vizepräsident der Kultusministerkonferenz (KMK) und Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern Henry Tesch sagte auf der Fachtagung in Würzburg: "Eine der zentralen Reformmaßnahmen zur Entwicklung und Sicherstellung von Qualität im Bildungswesen besteht in der zunehmenden Hinführung zur Eigenverantwortlichkeit der Einzelschule und der damit verbundenen Rechenschaftslegung gegenüber der Öffentlichkeit." Damit würden Schulen Kompetenzen der Schulaufsicht übertragen werden, so Minister Tesch. Darunter fielen insbesondere die Unterrichts-, Personal- und Organisationsentwicklung. Die KMK habe einen besonderen Schwerpunkt auf die Entwicklung und Einführung von bundesweit geltenden Bildungsstandards gelegt, weil externe und interne Evaluation der Schule klarer Maßstäbe bedürfe. Der KMK-Vizepräsident sagte weiter: "Bildungsstandards formulieren Anforderungen an das Lehren und Lernen in der Schule. Sie benennen Ziele für die pädagogische Arbeit – ausgedrückt als Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler – und stellen für die Lehrkräfte ein Referenzsystem ihres professionellen Handelns dar."
"Schule hat einen pädagogischen Auftrag und ist kein reiner Dienstleistungsbetrieb", unterstrich auf der VBE-Fachtagung der stellvertretende VBE-Bundesvorsitzende Albin Dannhäuser, Präsident des BLLV. Schülerinnen und Schüler seien keine Aufziehpuppen, so Dannhäuser. "Sie haben den Anspruch auf individuelles Fordern und Fördern, um die notwendigen Kompetenzen zu erwerben. Dafür braucht die Schule optimale Bedingungen." Dannhäuser warnte davor, die Schulen in ein Korsett betriebswirtschaftlichen Messens zu zwängen. Bei der Evaluation der Schule dürfe es nicht um Defizitsuche gehen, sondern um Schatzsuche verbunden mit einer kritischen Außensicht. Der VBE bekenne sich zu einer Evaluation, die Schulen motiviert. Dazu brauchen Schulen Unterstützungssysteme, Hilfen und vor allem Zeit zur Reflexion und zur Entwicklung pädagogisch-organisatorischer Innovationen.
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