Schulsenator Rabe hält brisante Zahlen über sonderpädagogischen Förderbedarf unter Verschluss
Es geht um mehrere Millionen Euro für zusätzliche Lehrer in der Inklusion Zwei Jahre lang unterstellte Senator Rabe den Grund- und Stadtteilschulen, dass die von ihnen angegebenen Zahlen zu Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung (LSE) viel zu hoch seien und wehrte damit die Forderung nach zusätzlichen Lehrern für die Inklusion ab.
02.01.2015 Pressemeldung GEW HamburgVor einem halben Jahr beauftragte er die Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ), für alle Vierklässler, bei denen Förderbedarf im Bereich LSE vermutet wird, sonderpädagogische Gutachten zu erstellen.
Unmittelbar vor Weihnachten haben die ReBBZ ihre Ergebnisse an die Schulbehörde weitergeleitet. Trotz einer parlamentarischen Anfrage 1verweigert der Schulsenator die Veröffentlichung dieser Zahlen 2.
Bisher erhalten die Grundschulen von der Schulbehörde durchschnittlich für 4% ihrer Schüler zusätzliche Lehrerstunden für den Förderbedarf LSE. Nach Angaben der Schulen sind es aber fast doppelt so viele Schüler. Wenn die von den ReBBZ erstellte Diagnostik mehr als 4% ergeben hat, müssten die Grund- und Stadtteilschulen zukünftig mehr Lehrerstunden von der Schulbehörde erhalten. Bei 5% wären es von der Vorschulklasse bis Jahrgang 10 insgesamt ca. 150 zusätzliche Lehrerstellen im Wert von 9,5 Millionen Euro. Bei 6% liegt der Zusatzbedarf bei 300 Lehrerstellen und 19 Millionen Euro.
Das Hamburger Bündnis für schulische Inklusion erklärt dazu: "Es ist ein Skandal, wenn der Senator zwei Jahre lang den Schulen falsche Zahlen unterstellt und nun die Ergebnisse der von ihm selbst angeordneten Diagnostik aus wahltaktischen Gründen geheim hält. Wir fordern im Interesse der Schüler, Eltern und Pädagogen, dass diese Zahlen sofort veröffentlicht werden. Die Lehrerzuweisung an die Schulen muss umgehend an diese Zahlen angepasst werden, damit die schulische Inklusion qualitativ verbessert werden kann."
Das Hamburger Bündnis für schulische Inklusion besteht aus 23 Organisationen von der Eltern-, Schüler- und Lehrerkammer, Vereinen von Eltern mit behinderten Kindern, Schulleitervereinigungen bis zu den Gewerkschaften. Das Bündnis veranstaltet am 8.1.15 eine Podiumsdiskussion u.a. mit dem Schulsenator zur Zukunft der Inklusion in Hamburg und am 26.1.15 eine Demonstration unter dem Motto: "Die Inklusion ins Zentrum der Bildungspolitik rücken".
1 Siehe www.buergerschaft-hh.de/parldok Dokumentennummer 20/14058
2 Die Verweigerung wird mit der noch ausstehenden Qualitätssicherung der Daten begründet, obwohl die Anfrage sich ausdrücklich auf die von den ReBBZ an die Schulbehörde gelieferten Daten bezieht. Diese hätten mit dem Hinweis, dass die Qualitätssicherung noch aussteht, veröffentlicht werden könnten.
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