Hamburg

Senat zieht Bilanz zu neuer Schulform: Starke Stadtteilschulen mit starker Ausstattung

Im Sommer 2010 wurden alle 52 Haupt- und Realschulen, 40 Gesamtschulen und vier Aufbaugymnasien in Hamburg zu 52 Stadtteilschulen zusammengelegt. Ziel der damaligen Reform war es, die Zersplitterung des Hamburger Schulwesens zu überwinden und neben den Gymnasien eine kraftvolle Schulform zu etablieren, die zu allen Schulabschlüssen führt.

16.04.2014 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Schulsenator Ties Rabe zog jetzt eine Zwischenbilanz: "Der Hamburger Senat will die Stadtteilschule zu einer ernstzunehmenden Alternative zum Gymnasium entwickeln. Nach drei Jahren ist jetzt ein solides Fundament gelegt. So wurden den mittlerweile 59 Stadtteilschulen rund 550 zusätzliche Lehrerstellen zugewiesen, sie haben dadurch kleinere Klassen und über 35 Prozent mehr Lehrkräfte als Gymnasien. Darüber hinaus wurden fast alle Stadtteilschulen zu Ganztagsschulen ausgebaut, fast überall gymnasiale Oberstufen eingerichtet und zahlreiche Baumaßnahmen eingeleitet. Damit ist ein solides Fundament geschaffen, um jetzt Schritt für Schritt die Unterrichtsangebote und die Schulqualität weiterzuentwickeln."

Schulsenator Rabe machte deutlich, dass die Stadtteilschule keinen leichten Start hatte: "Der Start im Sommer 2010 stand im Schatten der damals geplanten Primarschulreform. Gerade in der schwierigen Startphase fehlte es an Aufmerksamkeit und Unterstützung für die neue Schulform. Viele Schulen entstanden am Reißbrett aus unterschiedlichen Vorgängerschulen und starteten praktisch bei Null. Sie hatten keine eigene Schultradition, keine ordentlichen Schulgebäude und oft sehr heterogene Kollegien aus unterschiedlichen Vorgängerschulen. Der gleichzeitige Start der Inklusion hat diese Startprobleme verschärft. Dank des großen Einsatzes von Schulleitungen und Kollegien ist vielen Schulen dennoch ein guter Start gelungen. Einige Stadtteilschulen zählen heute zu den beliebtesten Hamburger Schulen."

Der Hamburger Senat hat der neuen Schulform viel Aufmerksamkeit und Unterstützung gegeben. In einem ersten Schritt ging es darum, mit einer guten Ausstattung ein solides Fundament für die neue Schulform zu schaffen. Dafür hat der Senat in den letzten drei Jahren zahlreiche Maßnahmen eingeleitet:

  • Der Senat hat die Stadteilschulen mit 550 zusätzlichen Lehrerstellen im Gegenwert von rund 40 Mio. Euro pro Jahr gestärkt. Dank dieser Verbesserungen hat heute jede Stadtteilschule bei gleicher Schülerzahl durchschnittlich neun Lehrkräfte mehr als 2010. Mit rund 8,9 pädagogischen Stellen auf 100 Schüler ist die Stadtteilschule die am besten ausgestattete allgemeine Schule (Grundschule 8,7, Gymnasium 7,6). Rund 300 dieser Stellen sind den Stadtteilschulen für neue Angebote im Bereich Ganztag, Inklusion und kostenloser Nachhilfe zugewiesen worden. Rund 250 dieser Stellen wurden für die Verbesserung der Unterrichtsqualität, für die Absenkung der Klassengröße von 28 auf 23-25 Schüler und für mehr Unterrichtsvorbereitungszeit für Lehrkräfte zugewiesen.
  • Zusätzlich wurden den Stadtteilschulen bis zu 300 Schulbegleiter zur Betreuung von Kindern mit Behinderungen oder sonderpädagogischem Förderbedarf zugewiesen.
  • Der Senat hat 25 Stadtteilschulen zu Ganztagsschulen ausgebaut und damit das Angebot von 28 auf 53 Ganztagsschulen fast verdoppelt. Zusätzlich wurde das Ganztagsangebot aller Stadtteilschulen erweitert: Es gibt jetzt Ferienbetreuung, Früh- und Spätbetreuung vor 8 und nach 16 Uhr und Betreuung am Freitagnachmittag.
  • An 25 Stadtteilschulen wurde erstmals eine neue Oberstufe eingerichtet. Damit wurde das Abiturangebot von 22 auf 47 Stadtteilschulen erweitert. Das neu eingeführte Zentralabitur stellt das Abitur an Gymnasium und Stadtteilschule gleich.
  • Der Senat hat sieben neue Stadtteilschulen gegründet, um das regionale Angebot zu verbessern: Rissen, Barmbek (Humboldtstraße), Harburg (Maretstraße), Meiendorf, Billstedt (Brüder-Grimm-Schule), Jenfeld (Max-Schmeling Schule), Veddel
  • Der Senat stellt bis 2019 für die Verbesserung der Stadtteilschulgebäude rund 700 Mio. Euro zur Verfügung. 13 Stadteilschulen werden für jeweils 25 – 35 Mio. Euro komplett oder weitgehend neu gebaut, weitere 14 Stadtteilschulen werden für jeweils 10 bis 20 Mio. Euro erheblich saniert oder erweitert.

Im Ergebnis konnte der Anteil der Abiturienten zwischen 2009 und 2013 – vor allem infolge der neu eingerichteten Oberstufen an den Stadtteilschulen – von rund 45 auf 58 Prozent eines Absolventenjahrgangs erhöht werden. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss von 2009/10 bis 2011/12 von 8,2 auf 6,6 Prozent. Diese eindrucksvolle Verbesserung geht mit einer höheren Bildungsgerechtigkeit einher: Mehr Absolventen aus benachteiligten Sozialmilieus erreichen höhere Schulabschlüsse.

Ties Rabe: "Die größte Stärke der Stadtteilschulen liegt darin, Schülerinnen und Schüler in ihrer Individualität anzunehmen und zu fördern. In den nächsten Jahren wird es Aufgabe sein, das Angebot der Stadtteilschulen durch kontinuierliche Verbesserung der Unterrichtsqualität weiterzuentwickeln. Dabei muss es darum gehen, die schulischen Leistungen und Erfolge der Schülerinnen und Schüler weiter zu steigern. Spitzenleistungen und hohe Leistungszuwächse sind kein Privileg des Gymnasiums, sondern der Erfolg guter Schulen." Erste Reformen zur Weiterentwicklung der Schul- und Unterrichtsqualität sind bereits eingeleitet worden:

  • Der Senat hat für 8 Stadtteilschulen mit sozial benachteiligter Schülerschaft das vierjährige Förderprogramm "23plus - Starke Schulen" im Gesamtumfang von 6 Mio. Euro gestartet. Zusammen mit Schulentwicklern und verstärkt durch mehr Personal entwickeln die Schulen eigene Konzepte zur Förderung ihrer Schülerschaft.
  • Der Senat hat die Berufs- und Studienorientierung an den Stadtteilschulen für einen gesicherten Übergang von der Schule in Beruf und Studium verbindlich in das Unterrichtsangebot der Klassenstufen 8 bis 10 eingebunden.
  • Der Senat hat die Bildungspläne für die Naturwissenschaften in der Mittelstufe der Stadtteilschulen überarbeitet. Anstelle des 2010 eingeführten Lernbereichs "Naturwissenschaften" können jetzt in der Mittelstufe wieder die klassischen Unterrichtsfächer Physik, Biologie, Chemie, Informatik und Technik unterrichtet werden. Dadurch wird die Fachlichkeit des Unterrichts spürbar verbessert.
  • Der Senat hat an allen Schulen einen kostenlosen Nachhilfeunterricht für lernschwache Schüler eingeführt und dafür den Stadtteilschulen neben dem zusätzlichen Personal jährlich weitere rund 1,2 Mio. Euro zugewiesen.
  • Der Senat hat mit den landesweiten Schüler-Leistungstests "KERMIT" ein Instrument entwickelt, mit dem Schulen ihren Erfolg überprüfen und verbessern können.

Senator Rabe: "Hamburgs Stadtteilschulen haben zurzeit rund 4.600 Lehrkräfte und rund 56.700 Schülerinnen und Schüler mit rund 80.000 Sorgeberechtigten. Eine erfolgreiche Weiterentwicklung kann nur gemeinsam und im Einklang mit ihren Überzeugungen und Vorstellungen Schritt für Schritt erfolgen. Die Erfahrungen nach den Schulreformen des letzten Jahrzehnts zeigen, dass eine behutsame kontinuierliche Entwicklung größere Erfolge bringt als kurzfristige Reformen und übereilte Veränderungen. Am wichtigsten ist es deshalb, trotz aufgeregter Debatten, der neuen Schulform Zeit zur Entwicklung zu geben. Das Gymnasium blickt in Hamburg auf eine über 200jährige Tradition zurück, die Grundschule entstand vor knapp 100 Jahren. Die Stadtteilschule besteht dagegen erst seit dreieinhalb Jahren. Viele der Verbesserungen wie zum Beispiel die Reform der Berufs- und Studienorientierung greifen in vollem Umfang erst in den kommenden Jahren. Anstatt nach jeder Anmelderunde hektisch das Scheitern dieser Schulform zu verkünden, sollten sich die Beteiligten vielmehr um ein wenig mehr Gelassenheit bemühen und gemeinsam daran arbeiten, dass die Stadteilschule ein Erfolgsmodell wird. Die Stadtteilschule ist eine echte Alternative zum Gymnasium. Wenn verantwortungsvoll mit ihr umgegangen wird, wird sich dies künftig auch in steigenden Anmeldezahlen niederschlagen."


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