Sinn und Unsinn von Sportklausuren

Vom 19. bis zum 21. Mai 2006 traf sich der LSR zur Plenartagung in Dessau. Eines der dort zu erörternden Themen im Zusammenhang mit der Überarbeitung des Thesenpapiers "Sportunterricht" war die durch ein Mitglied eingebrachte Frage nach dem pädagogischen Nutzen von Sportklausuren, die sich z.B. mit dem Bewegungsablauf bei einem regulären Badminton Aufschlag beschäftigen. Innerhalb des Plenums waren sehr schnell weitere dieser Beispiele gefunden.

06.06.2006 Sachsen-Anhalt Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt

Die meisten Sportklausuren werden scheinbar nur aufgrund des Zwangs, eine Sportklausur schreiben zu müssen, durchgeführt. Dementsprechend sieht auch die Vorbereitung auf diese Klausuren aus, so werden den Schülern meistens eine Woche vor der Klausur einige Kopien, die dann vom Schüler durchgearbeitet werden sollen, ausgehändigt. Der Schwerpunkt liegt hierbei sehr häufig auf Dingen, wie z.B. die Schrittfolge beim Aufschlag, Bewegungsabläufe beim Turnen, die Geschichte des Basketballs oder auch Regeln des Fußballs.

Eine Woche darauf wird dieses Wissen, meist 1:1, in der Klausur abgefragt. Natürlich wird dieses Wissen schnell wieder vergessen, da es für den Schüler wenig hilfreich ist, in der Lage zu sein, in Gedanken einen Effet-Schuss beim Fußball, einen Handstand beim Bodenturnen oder einen Smash beim Badminton ausführen zu können. Die Argumentation, dass diese theoretischen Bewegungsabläufe den Schülern helfen könnten, die jeweiligen Bestandteile einer Sportart in einem Spiel besser auszuführen, ist nur bedingt richtig. Aufgrund der Aufgabenteilung zwischen den unterschiedlichen Gehirnarealen ist es dem Menschen nicht möglich, einen theoretisch erlernten Bewegungsablauf effektiv und schnell in eine Handlung umzusetzen. Diese theoretisch erlernten Bewegungsabläufe werden im Großhirn gespeichert, doch müssen sie in unserem Kleinhirn gespeichert sein, um sie innerhalb von Sekundenbruchteilen abzurufen. Informationen gelangen aber nur in unser Kleinhirn, wenn wir diese Bewegungen praktisch ausführen.

Dass die Regelkenntnis über die erlernte Sportart vorhanden ist, ist natürlich eine elementare Grundlage für das faire Ausüben des Sports. Allerdings sollten die Regeln den Schülern zum Zeitpunkt der Klausur bereits Step-by-step vermittelt worden sein. Die Geschichte einer Sportart hat beim Erlernen bzw. Ausüben dieser ihre Daseinsberechtigung, doch sollte die Lage des Schwerpunktes innerhalb der Theorie in Zeiten einer rapide steigenden Anzahl von übergewichtigen und womöglich bereits an Diabetes erkrankten Kindern überdacht werden. Für die Kinder, wie auch für unsere gesamte Gesellschaft, wäre es durchaus sinnvoller, wenn man bereits den Kindern Grundlagen der gesunden Ernährung und Lebensführung vermittelt. Die Schüler sollten auch besser über ihren eigenen Körper informiert werden, indem der Sportlehrer/in die Schüler auf eventuelle Risiken hinweist oder den Schülern erklärt, welche Muskeln sie bei der jeweiligen Tätigkeit beanspruchen und was sie außerdem tun können, um ihre physische Konstitution zu verbessern. Denn es gilt der allgemein bekannte Spruch: "Nur in einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist".

Es ist wichtig, dass der Sportunterricht, zu dem auch die Klausuren gehören, den Schülern wertvolles Wissen, sowohl über die Sportart selber, als auch über eine gesunde Lebensweise vermittelt.


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