Staatsnote 2014: Individuelle Förderung braucht mehr Lehrer
Die aktuelle [Einstellungssituation](http://bildungsklick.de/pm/91882/sehr-gute-beschaeftigungssituation-fuer-mittelschul-und-grundschullehrkraefte/) für junge Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen ist zwar besser als befürchtet, aber keinesfalls zufriedenstellend. Rund 470 Grundschulkollegen stehen ab sofort auf der Straße. Für angehende Gymnasial- und Realschullehrer ist die Situation dramatisch.
18.07.2014 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Wenn das Kultusministerium beschönigend von über 3800 Neueinstellungen für alle Lehrämter spricht, sei das irreführend: Es handle sich weitgehend um die Besetzung der Stellen, die durch Pensionierung frei geworden sind. Verglichen mit der Gesamtzahl der Bewerber und im Hinblick auf die Situation in den Schulen seien diese Einstellungen trotzdem zu wenig.
"Damit die erklärten Vorhaben der Politik - individuelle Förderung, Umsetzung der Inklusion und Ausbau des Ganztagesangebots - sinnvoll umgesetzt werden können, brauchen die Schulen aber dringend die jungen Lehrerinnen und Lehrer, die seit heute auf der Straße stehen. Die Leidtragenden sind in erster Linie die Schülerinnen und Schüler", erklärte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ), Kerstin Polster. Die ABJ vertritt die Interessen von über 15.000 jungen Lehrkräften in Bayern und gehört dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) an.
In der Grundschule werden nur Lehramtsanwärter mit einer Note von 2,29 direkt ins Beamtenverhältnis übernommen. Arbeitslos werden alle Prüflinge mit der Note 2,59 und schlechter. "Wie soll der neue kompetenzorientierte LehrplanPLUS sinnvoll umgesetzt werden, wenn zu wenig Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung stehen? Auch die mobile Reserve ist knapp bemessen, um die Unterrichtsversorgung ganzjährig zu sichern", stellt die Vorsitzende der ABJ, Kerstin Polster, fest. Gut ist die Anstellungssituation an Förder- und Mittelschulen. Dort können nahezu alle zur Verfügung stehenden Berufsanfänger eingestellt werden.
Aufgrund der Verteilung der vorhandenen Stellen auf unterschiedliche Varianten von befristeten und unbefristeten Verträgen entsteht der Eindruck, als könnten die meisten Prüflinge übernommen werden. Polster warnt allerdings davor, sich täuschen zu lassen und erklärt, dass alle zur Verfügung stehenden Lehrerrinnen und Lehrer dringend an den Schulen benötigt werden.
Das Kultusministerium wird nach Ansicht der ABJ zwar nicht müde, individuelle Förderung, die Umsetzung der Inklusion und den Ausbau des Ganztagsbetriebes an den Schulen als ihre angestrebten Ziele zu verkünden. "Ohne eine entsprechende personelle Ausstattung der Schulen sind diese Aufgaben jedoch nicht annähernd zu stemmen", stellt die ABJ-Vorsitzende fest.
Vielen hochmotivierten und bestausgebildeten jungen Lehrerinnen und Lehrern wird zum kommenden Schuljahr die Möglichkeit verwehrt, sich für die Umsetzung der vom Kultusministerium geforderten kompetenzorientierten Bildung der Schülerinnen und Schüler einzusetzen. Für rund 435 Junglehrer gebe es keine langfristige Planungssicherheit, denn sie werden mit befristeten Verträgen abgespeist, gab die ABJ-Vorsitzende zu bedenken. Das bedeutet gleichzeitig keine Planungssicherheit für die Schulen, keine Kontinuität in der Klassenführung und keine stabilen Schüler-Lehrer-Beziehungen", so Polster. Für rund 500 junge Lehrerinnen und Lehrer gibt es im Moment gar keine Anstellungschance.
Glaubt man den Aussagen des Kultusministeriums, ist die Bildungspolitik ein zentrales Thema in Bayern, was sich allerdings nur bedingt in den Einstellungszahlen widerspiegelt. Stichwort individuelle Förderung: "Individuelle Förderung ist der Schlüssel für Schulerfolg – dieses Schlagwort verkündet der Kultusminister bei jeder Gelegenheit - umsetzen lässt sie sich aber nicht, weil das Personal und die Zeit dafür fehlen. Daran wird auch die aktuelle Einstellungssituation nichts ändern, da immer noch Förderlehrer an den Schulen fehlen und von den insgesamt 89 eingestellten Förderlehrern immer noch 19 nur einen befristeten Vertrag bis zu den nächsten Sommerferien erhalten", wie die Landesvorsitzende zu bedenken gibt.
Auch der angekündigte Ausbau von Ganztagsangeboten in Bayern bis zum Jahr 2018 erfordere mehr Personal, wenn qualitätsvolle Angebote realisiert werden sollen. Das gleiche gelte für Reformen wie Inklusion, jahrgangskombinierte Klassen oder flexible Eingangsstufen an Grundschulen. "Ohne Lehrer geht es nicht."
Seit Anfang Juni fordert die ABJ gemeinsam mit der Landesstudentengruppe des BLLV durch die Postkartenaktion "Wir kreiden an" das Kultusministerium auf, neue Stellen für die Umsetzung der Anforderungen des Bildungssystems zu schaffen. Die Postkarten können über die Homepage der ABJ www.abj.bllv.de angefordert werden.
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