Städtetag auf dem Holzweg
Der Realschullehrerverband NRW übt scharfe Kritik am heute vorgelegten "Optionsmodell für flexible Schulstrukturen" des Städtetages NRW. "Dass sich der Städtetag nun in innere Fragen von Schule und Schulpolitik einmischt, soll offenbar von den eklatanten Versäumnissen ablenken, die diese Organisation in den letzten Jahren zu verantworten hat", erklärt RLV-Vorsitzende Brigitte Balbach.
29.04.2009 Pressemeldung Verband Reale Bildung"Marode, oft miserabel ausgestattete Schulgebäude sind es, um die sich der Städtetag kümmern sollte. Dies ist seine ureigene Aufgabe. Da gibt es zurzeit viel zu tun im Land. Die Weiterentwicklung des Schulsystems sollte er denen überlassen, die davon etwas verstehen." Über Struktur- oder andere Gestaltungsfragen, wie zum Beispiel Klassengrößen, entscheidet das Land und nicht die Gemeinden. Die bildungspolitische Zuständigkeit der vom Städtetag vertretenen Kommunen beschränkt sich bisher sinnvollerweise auf den Bereich der "äußeren Schulangelegenheiten", zu denen vor allem die Bereitstellung von Schulgebäuden und ihrer sächlichen Ausstattung gehört. Hier gilt es einen gigantischen Sanierungsstau abzubauen. "Mit seinem durchsichtigen Manöver zu Schulzusammenschlüssen will der Städtetag den Kommunen offenbar teure Investitionen ersparen. Das Wohl der Schülerinnen und Schüler oder die Bildungsqualität spielen offenbar keine Rolle", so Balbach.
Festzuhalten bleibt, dass die Realschule nachgewiesenermaßen eine erfolgreiche, gut funktionierende Schulform ist. Sie zu missbrauchen, um Hauptschulen zu retten, ist aus Sicht des Realschullehrerverbandes unverantwortlich. Spitzenvertreter von Industrie und Handwerk sowie Schulministerin Barbara Sommer haben beim 1. Realschultag in NRW am vergangenen Samstag gerade erst ein deutliches Bekenntnis zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Realschulen abgegeben.
"Der demografische Wandel ist keine Katastrophe, zu der ein Schulstruktur-Kahlschlag das einzige Gegenmittel wäre. Er bietet vielmehr eine große Chance, kleinere Klassen, eine bessere Schüler- Lehrer-Relation und letztlich mehr Bildungsqualität zu erreichen", so Balbach. "Dazu brauchen wir mutiges und entschlossenes politisches Handeln – und keine pragmatischen Krämerseelen."
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