Positionspapier

Bundesweites Startchancen-Programm für berufsbildende Schulen

Das Startchancen-Programm der Bundesregierung soll 4.000 allgemein- und berufsbildenden Schulen mit besserer Infrastruktur, einem Chancenbudget, Schulpsycholog*innen und (mehr) Sozialarbeiter*innen ausstatten.

28.10.2022 Bundesweit Pressemeldung Stiftung Bildung
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Damit das Programm zielgerichtet, langfristig nachhaltig und bestmöglich wirken kann, empfehlen wir als bundesweites Bildungsengagement (BSK, BER, BEVKi, BSFV, Stiftung Bildung), es thematisch breit zu denken und das zivilgesellschaftliche Bildungsengagement bei der Konzeption und Umsetzung frühzeitig einzubinden.

Bereits 2017 empfahl die spendenfinanzierte Stiftung Bildung im Vorfeld der Bundestagswahl bundesweit einheitliche Kriterien zu entwickeln, anhand derer eine Liste der ärmsten Kommunen Deutschlands erstellt wird, um dort gezielt in die Bildungseinrichtungen zu investieren. Wir begrüßen es daher sehr, dass die Ampel-Koalition in ihrer Regierungszeit mit dem Startchancen-Programm dieses Thema jetzt angehen wird. Allerdings reichen Personal und Ausstattung allein nicht aus. Damit das Programm zu einer chancengerechten, Demokratie fördernden, zeitgemäßen, inklusiven, nachhaltigen und partizipativen Bildung beitragen kann, empfehlen wir Folgendes:  

Chancenbudgets  

Wir begrüßen die Einführung des Chancenbudgets als eine der zentralen Säulen im Startchancen-Programm. Wir empfehlen, sie auch für Quick-Wins und schnelle Investitionen, die an Zielvereinbarungen gebunden sind, zu verwenden, um einen flexiblen und bedarfsgerechten Einsatz der Förderungen zu ermöglichem. Weiterhin empfehlen wir, Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schüler*innen über die Verwendung der Budgets fest im Startchancen-Programm zu verankern, denn Kinder und Jugendliche sind die größten Expert*innen ihrer Schule und ihrer eigenen Bedarfe.     

Gebundener Ganztag  

Wer Chancengerechtigkeit möchte, muss auch genügend Schulen mit gebundenem Ganztag ermöglichen. Dies ist ein geeignetes Instrument, um Qualität in der Betreuung zu erhöhen, alle Kinder und Jugendlichen unabhängig ihres sozioökonomischen Hintergrunds zu erreichen und in ihrer Entwicklung zu fördern.

Gesunde Ernährung und Bewegung 

Studien zeigen, dass Menschen mit geringer Bildung einen besonders schlechten Gesundheitszustand und erhöhte gesundheitliche Risikofaktoren aufweisen. Um gesundheitlichen Ungleichheiten frühzeitig entgegenwirken, empfehlen wir: Verankern Sie Ernährung/Gesundheit und verstärkte Bewegungsangebote fest im Startchancen-Programm.

Vielfalt und Inklusion

Auch empfehlen wir gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt und Inklusion als Themen von vornherein mit einem hohen Augenmerk im Programm zu berücksichtigen. Konkrete Beispiele können die Förderung und Gleichwertigkeit der Mehrsprachigkeit, Achtsamkeit für die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen sowie gelebte Interkulturalität sein.

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Das Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ befähigt Menschen zu zukunftsgerichtetem Denken und Handeln. Schüler*innen lernen dabei soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit. Daher empfehlen wir: Machen Sie das Startchancen-Programm auch zum BNE-Beschleuniger mit BNE-Vorreiterschulen, sodass alle Schulen deutschlandweit davon profitieren werden.

Ressourcen bedeuten Zeit und Geld - und Geld für Zeit 

Wir wissen um die wachsenden Herausforderungen an Schulen und deren steigende Komplexität. Deswegen empfehlen wir im Startchancen-Programm zwei Personen im Schulleitungsmanagement mit folgenden Funktionen zu verankern: 1. Pädagogische Leitung sowie 2. Schulmanagement. Weiterhin empfehlen wir entsprechende Verwaltungskräfte und -assistenzen für die Schulen.

Prozess- und Schulentwicklungsbegleitung kontinuierlich und langfristig angelegt 

Angesichts der vielfältigen Entwicklungsaufgaben mit denen Schulen in den unterschiedlichsten Bereichen wie beispielsweise Inklusion oder Digitalisierung konfrontiert sind, empfehlen wir eine nachhaltig konzipierte und partizipative Prozess- und Schulentwicklungsbegleitung für die geförderten Schulen durch das Startchancen-Programm zu ermöglichen.

Einbindung des Bildungsengagements  

Das Bildungsengagement ist mit 5,9 Millionen ehrenamtlich Engagierten bundesweit das zweitgrößte Engagementfeld in Deutschland. Es bündelt die Expertise und Meinung von Millionen Schüler*innen, Eltern, Lehrkräften, Erzieher*innen und Engagierten aller Genrationen. Binden Sie das Bildungsengagement frühzeitig ein, dann wird das Startchancen-Programm zielgerichtet und nachhaltig im Sinne von Chancengerechtigkeit wirken.

Schulfördervereine als Tor der Schule für Engagement, Teilhabe und Know-how 

Schulfördervereine setzen sich für Chancengerechtigkeit ein, in ihnen kommen die unterschiedlichsten Menschen aus der jeweiligen Schule und deren Umfeld zusammen. Das ist gelebte Demokratie, Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Gestaltung des Sozialraums. Sie wissen um den spezifischen Bedarf ihrer jeweiligen Schulen. Wir empfehlen, die vorhandenen Schulfördervereine einzubinden, zu professionalisieren, zu vernetzen und - sofern überhaupt notwendig, da es an 80-96% der Schulen bereits Schulfördervereine gibt*, - Neugründungen anzuregen. 

Unterzeichnet haben das gemeinsamen Positionspapier der Bundeselternrat (BER), die Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi), die Bundesschülerkonferenz (BSK), der Bundesverband der Kita und Schulfördervereine (BSFV) und die Stiftung Bildung.

Ansprechpartner

Stiftung Bildung

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