Nordrhein-Westfalen

Steuert die Inklusion in die Sackgasse?

Unbestritten ist es gut, Kindern mit und ohne Behinderungen die Teilhabe an sämtlichen Bildungsangeboten zu ermöglichen. Die Zielsetzung der Inklusion ist nachvollziehbar – der Weg allerdings umstritten.

14.03.2012 Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)

Für den nordrhein-westfälischen Philologen-Verband muss bei diesem Prozess das Wohl aller Kinder und Jugendlichen im Zentrum stehen. Die Fachlichkeit und der hohe Professionalisierungsgrad in der sonderpädagogischen Schülerförderung dürfen nicht aufgegeben werden. In den Schulen müssen die erforderlichen Rahmenbedingungen gesichert sein! So dürfen die inklusiven Klassen nicht mehr als 20 Schüler umfassen. Eine personelle Doppelbesetzung (Vier-Augen-Prinzip) mit Lehrkräften ist grundsätzlich vorzusehen. Die Fort- und Weiterbildung für Lehrkräfte ist selbstverständlich! Ebenso müssen die notwendigen zeitlichen Ressourcen für die neuen, zusätzlichen Aufgaben bereitgestellt werden.

Den Ansprüchen an Inklusion wird der von den Fraktionen SPD/BÜNDNIS 90/Die Grünen vorgelegte Landtagsantrag (Drucksache 15/4107) absolut nicht gerecht! Danach soll beispielsweise der Lehrerbedarf berechnet werden, indem für Kinder mit Behinderung die gleiche Schüler-Lehrer-Relation wie für jedes andere Kind an der Regelschule gilt. Auch will man den erforderlichen Stellen-Mehrbedarf aus den demografischen Effekten decken, wobei jeder weiß, dass diese bereits mehrfach ´verfrühstückt` worden sind.

"Im Interesse der Schülerinnen und Schüler darf Inklusion nicht zu Verschlechterungen führen! Wir lassen nicht zu, dass Schulpolitiker Bildungsgerechtigkeits-Wein predigen und uns Sparprogramm-Wasser servieren", mahnt Peter Silbernagel, Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Philologen-Verbandes.

"Kritisch werten wir das Vorhaben, das bisherige AO-SF-Diagnoseverfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs möglichst durch eine schulinterne Diagnostik zu ersetzen. Der Philologen-Verband warnt zudem, den Weg der bisherigen Förderschulschwerpunktsystematik aufzugeben. Damit wird eine individuelle Förderung nicht nur erschwert, vielmehr sogar verunmöglicht."

Mit Skepsis verfolgt der Philologen-Verband, dass den Schulträgern größtmögliche Gestaltungsspielräume bei der Umsetzung von inklusiven Schulangeboten eingeräumt werden sollen. Die Freigabe der Entwicklungsprozesse führt zu einer Unvergleichbarkeit und zu großen Verschiedenheiten der Angebote vor Ort. Wenn man erheblichen Ungerechtigkeiten vorbeugen will, darf das Land seine Verantwortung für die wesentlichen Inklusionsschritte nicht aus der Hand geben! Bereits jetzt zeigt das unabgestimmte Vorpreschen in einigen Kommunen, dass viele Beteiligte vor den Kopf gestoßen werden und man dem eigentlichen Anliegen der Inklusion nicht gerecht wird.


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