Studie: Länger gemeinsam lernen

(bikl) Knapp sechzig Prozent der Lehrer sprechen sich für eine längere gemeinsame Schulzeit aller Kinder nach der Grundschule aus. Das ergab die dritte Lehrerumfrage des Instituts für Schulentwicklungsforschung, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin vorgelegt hat. Bislang werden deutsche Schüler überwiegend bereits nach dem vierten Schuljahr auf die verschiedenen weiterführenden Schularten aufgeteilt.

13.06.2006 Artikel

Nach dieser Studie gibt es bei den Lehrern zum ersten Mal eine klare Mehrheit für entsprechende Reformen. Bei der Umfrage 1998 hatten sich nur 24 Prozent der Lehrer für eine längere gemeinsame Schulzeit ausgesprochen.

Das IFS hat für seine Studie Anfang 2006 bundesweit 1034 Lehrerinnen und Lehrer, die in der Sekundarstufe I allgemeinbildender Schulen unterrichten, befragt. Nach den Studien von 1995 und 1998 ist dies die dritte Untersuchung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht sich durch die Umfrage bestätigt: Die Zahl der Pädagogen, die der frühen Auslese der Schüler und dem gegliederten Schulsystem eine Absage erteilten, habe sich seit 1998 verdoppelt, betonte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. In Ostdeutschland wollten sogar drei Viertel der Befragten eine gemeinsame Schule für alle Kinder.

Bereits nach den ersten PISA-Ergebnissen war die Schulstrukturdebatte aufgeflammt, zumal im PISA-Siegerland Finnland Kinder deutlich länger gemeinsam die Schulbank drücken. Die Kultusminister plädierten aber dafür, nicht an den Strukturen zu rütteln, sondern die Qualität des Unterrichts zu verbessern, Dazu einigten sie sich unter anderem auf Bildungsstandards für die einzelnen Schulstufen. Unterdessen ist aber wieder Bewegung in die Diskussion gekommen, zumal sich einzelne Bundesländer auch neuen Schulformen öffnen.

Kürzlich hatte auch der ehemalige PISA-Koordinator der KMK, Dr. Hermann Lange während der Reckahner Bildungsgespräche erklärt: "Ich sehe, dass die Debatte begonnen hat. Man darf nicht immer nur die großen Themen sehen, also die generelle Ersetzung des dreigliedrigen Schulsystems durch integrierte Systeme, sondern muss all das, was unter Strukturfragen zu diskutieren ist, mit einbeziehen." Jetzt gebe es die Chance, deutlich zu machen, dass Entscheidungen unausweichlich seien. Rückendeckung erhielt Lange dabei vom Vorsitzenden des Bundeselternrats, Wilfried Steinert, der "die Schulstrukturdebatte aus dem ideologischen Minenfeld befreien" will und ankündigte, gemeinsam mit den Lehrerverbänden einen Kongress zu diesem Thema zu organisieren.

Der Philologenverband hingegen reagierte auf die aktuelle Studie des IFS mit Skepsis. Wer die zwangsweise Verkürzung der weiterführenden Schularten und die generelle Verlängerung der Grundschulzeit in Deutschland politisch durchsetzen wolle, werde schon merken, ob er eine Minderheit oder eine Mehrheit der Eltern und Lehrer gegen sich habe, eklärte der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger.

Anlage:

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