Stundenkürzungen lösen Probleme am G8 nicht
"Die Diskussion um das achtjährige Gymnasium in Bayern darf sich nicht länger nur um quantitative Kriterien drehen. Im Mittelpunkt müssen vielmehr qualitative Aspekte stehen." Mit diesen Worten hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, auf die Ankündigung von Kultusminister Siegfried Schneider reagiert, mit Stundenkürzungen das umstrittene G8 reformieren zu wollen. Wenzel forderte einen neuen Lern- und Leistungsbegriff und bezeichnete die geplanten Stoffkürzungen als ein "Kurieren an Symptomen." Er drängte auf eine professionell vorbereitete Reform des gesamten Schul- und Bildungswesens in Bayern. Dabei müssen aktuelle Befunde aus der Hirn- und Entwicklungsforschung ernst genommen werden. "Die Reform muss sich an den Ansprüchen und Herausforderungen des 21.Jahrhunderts orientieren und nicht an den Struktur,- Status- und Ständefragen des Mittelalters. Zugrunde gelegt werden muss ein anspruchsvoller Lern- und Leistungsbegriff, der sich nicht nur mit Stunden,- Punkte- und Notenarithmetik zufrieden gibt."
01.04.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Nötig ist ein ganzheitlicher Ansatz, der sämtliche Fächer einbezieht und das Lernen neu ausrichtet. "Wir müssen weg vom Bulimie-Lernen, bei dem die Schüler vor einer Prüfung Faktenwissen in sich hinein fressen, um es wiederzugeben und anschließend zu vergessen", erklärte der BLLV-Präsident. Erneut sprach er sich für die Einführung von rhythmisierten Ganztagsschulen aus.
Wenzel wies auf die vielen Widersprüchlichkeiten in der Diskussion um das achtjährige Gymnasium hin: "Einerseits sollen Gymnasium und Gymnasiast weiterhin besonderen Ansprüchen genügen, andererseits soll der Übertritt erleichtert werden. Einerseits soll die von der KMK festgelegte Pflichtstundenzahl eingehalten, andererseits sollen Stunden im ´Kür-Bereich´ verschoben werden. Einerseits sollen Wertigkeit und Wert des Abiturs nicht angetastet werden, andererseits sollen Notenschlüssel schon auch mal flexibel gehandhabt werden dürfen. Einerseits sollen Bildungsstandards auf höchstem Niveau erreicht werden, andererseits sollen Lerninhalte gekürzt und Lernziele anspruchsloser werden. Ärgerlich ist nun, dass lediglich eine Reparaturliste erstellt wurde, die angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen schnell abgearbeitet werden soll", kritisierte Wenzel. "Damit wird aber kein Problem gelöst, sondern wertvolle Zeit vertan."
Die Ankündigung Schneiders, die Klassenstärken an Gymnasien reduzieren zu wollen, wurde vom BLLV-Präsidenten ausdrücklich begrüßt: "Das ist ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung. Die Lehrerinnen und Lehrer müssen endlich in die Lage versetzt werden, das tun zu können, was ihnen am Herzen liegt, nämlich ihre Schüler intensiver zu fördern."
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