Tutzinger Netzwerk: Bekenntnis zu Ganztagsschulen reicht nicht
Im Ganztagsschulprogramm von Bund und Ländern sieht der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger den "größten bildungspolitischen Input seit PISA". Zugleich warnte er auf der 8. Fachtagung des Tutzinger Netzwerks für Schule und Lehrer vor der Gefahr von Mogelpackungen.
18.10.2007 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)Die diesjährige Fachtagung des Tutzinger Netzwerks für Schule und Lehrer befasste sich gestern und heute mit dem Thema "Ganztagsschule und ihre Region". Das Netzwerk ist ein Kooperationsprojekt von VBE, seinem bayerischen Landesverband BLLV und der Evangelischen Akademie Tutzing.
Der VBE-Bundesvorsitzende betonte: "Bereitschaft und Engagement in den Schulen, sich zur Ganztagsschule zu entwickeln, müssen auch durch Land und Kommune mit den dafür nötigen Ressourcen unterstützt werden. 6.000 Euro pro Ganztagsklasse und Schuljahr reichen nicht aus", so Eckinger weiter, "um ein integriertes pädagogisches Konzept von Unterricht, individueller Förderung und Freizeitangeboten auf die Beine zu stellen. Das zusätzliche zeitliche Engagement von Schulleiterinnen, Schulleitern, Lehrerinnen und Lehrern, Schulsozialarbeitern und außerschulischen Partnern muss entsprechend anerkannt werden." Auch würden qualifizierte außerschulische Partner gezwungen, zu Dumpinggeldern wertvolle Arbeit zu leisten. Eckinger forderte deshalb Länder und Kommunen auf, mehr als bisher dem Bekenntnis zur Ganztagsschule auch Taten folgen zu lassen. "Die Akzeptanz der Ganztagsschule bei Eltern und Schülern hängt sehr von der Strahlkraft des schulischen Konzepts und deren Umsetzung ab", unterstrich Eckinger. "Wo Ganztagsschule draufsteht, muss auch Ganztagsschule drin sein. Finanzierung und Sicherung nötiger Rahmenbedingungen bleiben staatliche Verantwortung." Eckinger warnte, der Staat dürfe sich nicht auf leisen Sohlen aus dem Vorhalten öffentlicher Bildungsangebote schleichen. "Das Positivum der Ganztagsschule führt in der Praxis dazu, dass Schulen in nie gekanntem Ausmaß pädagogische Angebote mit freien und gewerblichen Partnern realisieren. Die Zusammenarbeit der Schulen mit außerschulischen Trägern im kommerziellen Bereich darf nicht als Einladung missverstanden werden, öffentliche Bildungs- und Erziehungsaufgaben zu beschneiden. "
Angesichts erheblicher Disparitäten in der wirtschaftlichen, strukturellen und kulturellen Entwicklung in Deutschland und den einzelnen Bundesländern betonte Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV): "Wir brauchen eine Schul- und Bildungspolitik, die auf die regionalen und lokalen Unterschiede mehr als bisher eingeht." Die Lösung liege nicht in einem Konzept, das von der jeweiligen Landesregierung vorgegeben werde, sondern in zahlreichen passgenauen Bildungsangeboten, die von lokalen Schulausschüssen entwickelt werden. Wenzel sieht darin die größere Chance, dass sich die Region stärker mit ihren Schulen identifiziert. "Das Konzept der regional passgenauen Ganztagsschule orientiert sich konsequent an den Bedürfnissen und Besonderheiten der Menschen in der Region", so der BLLV-Präsident. Regionale Schulentwicklung sei notwendig, um bei sinkenden Schülerzahlen wohnortnahe, qualitätsvolle Bildungsangebote zu sichern.
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