Umfrage ZDF: 83 Prozent für gegliedertes Schulsystem
Aus der aktuellen Umfrage des Zweiten Deutschen Fernsehens geht klar hervor, dass die Bevölkerung in Deutschland die Einheitsschule mit übergroßer Mehrheit ablehnt. Danach befürworten in der laufenden ZDF-Umfrage 83 Prozent das dreigliedrige Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium. Nur 15 Prozent sehen in Gemeinschaftsschulen die bessere Alternative. "Auch wenn es sich um ein Zwischenergebnis handelt, ist ein deutlicher Trend für das gegliederte Schulangebot festzustellen ", sagte Anton Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes.
14.05.2010 Pressemeldung Verband Reale BildungDass sich bei der Umfrage nur 2 Prozent der Befragten unentschlossen zeigten, sei auch ein Indiz für klare bildungspolitische Vorstellungen in der Bevölkerung.
Das bisherige Umfrageergebnis offenbart für den Verband zwei wichtige Aspekte: Erstens wüssten die Menschen das derzeitige gegliederte Schulangebot, wie es in Bayern besteht, mit freier Wahl der Schulart und ständig verbesserter Durchlässigkeit, zu schätzen. Und zweitens "misstrauten sie pädagogischen Heilsversprechen", sagte Anton Huber, "auch wenn die Befürworter von Einheitsschulen alles tun, um ein positives Bild vom langen gemeinsamen Lernen zu zeichnen und die in Gesamtschulen unvermeidliche starke Niveauabsenkung zu kaschieren".
Der Verband forderte die politisch Verantwortlichen auf, bildungspolitische Entscheidungen nahe am Menschen und Bürger zu treffen und sich nicht von abstrakten Programmen mit realitätsfernen Zielen leiten zu lassen. Verbesserungen im Schulsystem seien zweifelsohne notwendig, um die individuelle Förderung der Schüler auszubauen, meinte Anton Huber, aber eine "Zwangsbeglückung durch Einheitsschulen" lehnt eine Bevölkerungsmehrheit offensichtlich ab.
Von den Befürwortern der Einheitsschule forderte der Verbandschef die Abkehr von pädagogischem Illusionismus. Er empfiehlt vielmehr einen realistischen Blick in europäische Nachbarländer mit Gesamtschulsystemen gerade unter sozialen Gesichtspunkten. Bekanntlich gibt es dort neben öffentlichen Schulen mit geringerem Leistungsanspruch die anspruchsvollen und oftmals teuren Privatschulen. Dass sich die mit der Einheitsschule propagierte Bildungsgerechtigkeit dann ins Gegenteil verkehrt, wird von Einheitsschulbefürwortern ebenfalls verschwiegen, kritisierte Huber.
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