Unterrichtsgarantie Plus kommt an – Qualifizierte Vertretungskräfte berichten

"Die Unterrichtsgarantie Plus – für eine verlässliche Schule ist sehr gut gestartet, Hessens Schulen können auf eine bunte Mischung qualifizierter Vertretungskräfte zurückgreifen, um den Stundenausfall zu stoppen. Das ist eine Bereicherung für Hessens Schulen, aber auch für alle Vertretungskräfte, die sich mit Feuereifer in die neue Aufgabe gestürzt haben", freute sich Kultusministerin Karin Wolff heute vor der Presse in Wiesbaden.

17.10.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Lehramtsstudierenden biete die Unterrichtsgarantie Plus eine ideale Möglichkeit, Schulen, Schüler und Lehrkräfte kennen zu lernen und sich etwas hinzu zu verdienen. Sie danke allen Beteiligten: "Ich freue mich, dass Schule in Hessen verlässlich stattfindet und bin den qualifizierten Vertretungskräften, den sie unterstützenden Kollegien, den für die Organisation verantwortlichen Schulleitungen und den Staatlichen Schulämtern für ihr riesiges Engagement sehr dankbar. Das ist eine hervorragende Teamleistung!"

Den Eindruck, dass die Unterrichtsgarantie Plus in Hessen gut ankomme, verstärkten Erfahrungsberichte qualifizierter Vertretungskräfte:

Bereits 20 Vertretungsstunden hat die nach 32 Jahren im Schuldienst vor sechs Jahren pensionierte Lehrerin Beate Schwed aus Geisenheim-Johannisberg im Rheingau im laufenden Schuljahr bereits Mathematik, Deutsch und Sachkunde an der Grundschule Johannisberg unterrichtet: "Im Sommer hat mich Rektor Jürgen Diefenbach angesprochen, ob ich bereit sei, zum Umsetzen der verlässlichen Schule im Unterrichtsgarantie-Plus-Pool mitzuwirken. Ich habe mich spontan bereit erklärt, weil ich mich gesund fühle, meinen Beruf immer sehr gerne ausgeübt habe und es sehr notwendig finde, dass die Kinder auch bei Ausfall von Lehrerstunden qualifizierten Unterricht im Klassenverband erhalten."

"Noch während der Sommerferien, im August, hat sich der Schulleiter mit mir in Verbindung gesetzt und mich informiert, dass vom 4. bis 8. September 2006 eine Unterrichtsvertretung für eine junge Kollegin notwendig sei. Aus dem gleichen Anlass seien Vertretungen am 2. und 9. Oktober sowie für eine Woche Ende November 2006 erforderlich." Mit ihren bisherigen Einsätzen ist die Lehrerin im aktiven Ruhestand zufrieden: "Zuvor wurde der aktuelle Unterrichtsstoff zwischen meiner Kollegin und mir besprochen. So konnte ich den Unterricht problemlos weiterführen. Auch die Kinder haben sich schnell auf meine Unterrichtsart eingestellt. – Bis jetzt hat mir diese Aushilfstätigkeit Freude gemacht und ich bin jederzeit gerne bereit, die Schule im Interesse der Kinder bei personellen Engpässen zu unterstützen."

Die Wiesbadener Diplom-Dolmetscherin Veronika Rottland-Pilz unterrichtet an der Hofheimer Main-Taunus-Schule mit einem BAT-Vertrag wöchentlich sechs Stunden Französisch in der 10. und 11. Klasse und sorgt darüber hinaus im Rahmen der Unterrichtsgarantie Plus dafür, dass Englisch- und Französisch-Stunden dort verlässlich stattfinden. Gemeldet hat sie sich auf den Elternrundbrief von Kultusministerin Karin Wolff, den sie über ihre Kinder im vergangenen Jahr erhalten hat: "Da ich schon während meines Dolmetscher-Studiums und seit dessen Beendigung im Jahre 1990 ohne Unterbrechung diverse Unterrichtstätigkeiten ausgeübt habe, war ich sofort interessiert. Im Frühjahr 2006 habe ich mich dann bei verschiedenen Gymnasien mit dem vorgesehenen Formular beworben. Kurz darauf bat mich die Main-Taunus-Schule um ein Gespräch und weitere Bewerbungsunterlagen. Daraufhin haben wir in den Sommerferien die Verträge unterzeichnet. Da ich dank der Unterrichtsgarantie Plus sicher sein kann, dass meine eigenen vier Kinder nicht früher als geplant aus der Schule kommen, kann ich zusätzlich zum planmäßigen Französisch-Unterricht Vertretungsstunden übernehmen." Dank vorausschauender Planung von Schulleiter Dr. Horst Sewerin und seines Stellvertreters Wolfgang Schübler könne sie ihre Einsätze rechtzeitig einplanen.

"Die Arbeit an dieser Schule macht mir sehr viel Spaß. Die Erfahrungen, die ich dort mache, sind für mich wertvoll, die Hilfsbereitschaft der Kollegen ist sehr groß und ich hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler mit unserer Arbeit zufrieden sind", lautet das Fazit von Veronika Rottland-Pilz: "Ich kann nur jeden, der Spaß am Unterrichten und Freude am Umgang mit jungen Menschen hat, der spontan und begeisterungsfähig ist, ermuntern, an diesem Programm teilzunehmen!"

"Im Mai dieses Jahres habe ich mein Studium zur Grundschullehrerin beendet und mit dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen. Derzeit befinde ich mich in der Wartephase auf einen Referendariatsplatz. Um diese Phase zu überbrücken, arbeite ich seit September als qualifizierte Vertretungskraft im Rahmen der Unterrichtsgarantie Plus mit", berichtete Denise Böhm. In dieser Situation biete ihr die verlässliche Schule die Möglichkeit, Praxiserfahrungen zu sammeln: "Meine Eindrücke sind sehr vielseitig, da ich Mitglied in zwei Vertretungspools bin. Zum einen arbeite ich an acht verschiedenen Grundschulen in Seligenstadt und Umgebung, darüber hinaus bin ich Mitglied in einem Vertretungspool von Offenbacher Schulen."

Die Organisation beider Pools sei sehr unterschiedlich: "Während die Seligenstädter Schulen die zu vertretenden Stunden per Telefon vergeben, geschieht dies in Offenbach testweise über ein Internetportal. Dies empfinde ich als sehr positiv, sinnvoll und hilfreich für alle. Vertretungskräfte können so längerfristig planen und die Verwaltung behält frühzeitig den Überblick." Die verlässliche Schule betrachtet sie als "den richtigen Ansatz: Dennoch sehe ich es als notwendig an, dass die Vertretungskräfte eine pädagogische Ausbildung haben, um Kindern über Betreuung hinaus qualifizierten Unterricht anbieten zu können. In diesem Sinne ist die Unterrichtsgarantie Plus ist ein guter Anfang, der die Lernsituation sicher verbessern kann."

"Die Unterrichtsgarantie Plus bietet mir eine tolle Gelegenheit, den Schulunterricht begleitend zu meinem Studium kennen zu lernen. Die verlässliche Schule unterstützt und fördert somit auch das Interesse und die Ausbildung angehender Lehrkräfte", sagte Hauke Lerchl, qualifizierte Vertretungskraft an der Schillerschule in Bensheim-Auerbach. Dort hat der 24jährige Student zuvor ein Schulpraktikum absolviert. An der Frankfurter Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität studiert er Lehramt für Deutsch und Kunst sowie Psychologie, Germanistik und Kunstgeschichte. Sein Erstes Staatsexamen wird Hauke Lerchl voraussichtlich im Frühjahr 2007 absolvieren. Als Nebentätigkeit bietet er Schülerinnen und Schülern Motivations- und Nachhilfekurse an.

"Die Arbeit an der Schillerschule kann ich problemlos in den Lehrveranstaltungsplan des Semesters integrieren und habe viele positive und lehrreiche Erfahrungen sammeln können", berichtete Hauke Lerchl. So habe er schon im Vorfeld gelernt, wie Unterricht geplant und konzipiert wird oder, wie Lehrkräfte sinnvoll auf Störungen und andere Probleme reagieren: Qualifizierte Vertretungskräfte können nicht immer problemlos in das aktuelle Unterrichtsthema einsteigen, sondern sind auf die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler angewiesen. Ich selbst habe das als Vertretung in einer 7. Hauptschulklasse erfahren. Nachdem ich mit den Schülerinnen und Schülern den Ablauf der Stunde besprochen hatte, waren die zu bearbeitenden Aufgaben klar. Ein Schüler meldete sich jedoch und erklärte mir, dass sie das Thema bereits kennen, mit der Rechenmethode allerdings noch Probleme hätten. So konnte ich die Vertretungsstunde nutzen, um Verständnisprobleme der Schülerinnen und Schüler zu beheben und die Rechenmethode zu vertiefen. – Hätte sich der Schüler nicht zu Wort gemeldet, wären wir im Thema weiter vorangegangen und hätten so bestehende Verständnisprobleme übergangen oder gar erweitert."

Die Unterrichtsgarantie Plus öffne Schülerinnen und Schüler neue Umgangs- und Lernsituationen, so Hauke Lerchl: "Eine neue Art der Kommunikation ist gefragt. Auch Schüler müssen Flexibilität und Aufgeschlossenheit lernen und erhalten mehr Verantwortung, wenn sie beispielsweise in Einzelfällen Vertretungskräfte über den aktuellen Wissensstand der Klasse informieren. Das fördert den sozialen Umgang. Flexibilität, Kreativität und qualifiziertes Arbeiten sind gefordert und können den Schulalltag auffrischen. Viele Schülerinnen und Schüler sind von kreativen Aufgaben angetan. So konnte ich zum Beispiel in eine Deutsch-Vertretungsstunde, auch künstlerische Ideen einbringen", freute sich der Lehramts-Student.

"Qualifizierte Vertretungskräfte entlasten die Lehrerschaft. So kann sich diese intensiver auf die Unterrichtsarbeit konzentrieren. Andererseits unterstützt das Kollegium an der Schillerschule die qualifizierten Vertretungskräfte mit Tipps und Hilfestellungen, etwa zu Auffälligkeiten oder Stärken einer Klasse", bilanzierte Hauke Lerchl: "Mein Eindruck ist, dass die Unterrichtsgarantie Plus keine ´Aufsichtsarbeit´ oder ´Spielstunde´ ist. Sie dient vielmehr der Entlastung und kann neue Wege der pädagogischen Arbeit aufzeigen."


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