Unterrichtsversorgung: Statistische Kosmetik und Flickschusterei
Schlechte Prozentzahlen beim Unterrichtsausfall zu vermeiden, scheint oberstes Gebot der Kultusbehörde. Im Angesicht der in einem halben Jahr anstehenden Landtagswahlen will man schließlich gut dastehen. Da wird bei der Qualität der Lehrerversorgung schon `mal gerne ein Auge zugedrückt.
12.08.2010 Pressemeldung Verband Reale BildungNur zu einem kleinen Teil wird der Lehrerbedarf zum neuen Schuljahr im Bereich der Realschulen, Realschulen plus und Hauptschulen von für die Schularten voll ausgebildeten Lehrkräften auf Planstellen gedeckt. Die Mehrheit der Einstellungen erfolgt über "Vertretungsverträge", die befristet sind (i.d.R. bis 31.01.2011). Diese Kräfte verschwinden schnell, wenn an anderen Schularten oder in anderen Bundesländern eine feste Beamtenstelle winkt. Gelegen kommt es der Landesregierung, dass die Plätze in den Studienseminaren für ausbildungswillige Lehramtsanwärter viel zu knapp sind. So können die noch nicht pädagogisch ausgebildeten Anwärter als Vertretungskräfte die Ausfallstatistik schön schreiben helfen und auf einen Seminarplatz hoffen. Aber selbst auf "Hilfslehrer" ohne jegliches Examen wird in manchen Fällen zurückgegriffen. Sie werden nicht nur zur Vertretung sondern auch zur Deckung des strukturellen Bedarfs eingesetzt. Schneller Lehrerwechsel ist also für die betroffenen Schülerinnen und Schüler vorprogrammiert.
Qualifizierte Unterrichtsversorgung lässt sich nicht allein an Prozentzahlen messen. Mit den billigeren Zeitverträgen betreibt man statistische Kosmetik zu Lasten der Unterrichtsqualität und beutet die Unterrichtenden aus. Der VDR fordert deshalb die Einstellung voll ausgebildeter Lehrkräfte auf Planstellen und zusätzliche Anreize für Schulstandorte, die nur schwer befriedigend versorgt werden können.
Der VDR-Landesvorsitzende Bernd Karst warnt: "Das zunehmende Zurückgreifen auf Studenten und arbeitslose Akademiker ohne pädagogische Ausbildung stellt eine Entprofessionalisierung des Lehrberufs dar, die nicht zuletzt dessen Ansehen schadet und seine Attraktivität für Studienanfänger mindert. Es wird ein falsches Signal gesetzt, wenn voll ausgebildete Lehrkräfte in der Zeit des Lehrermangels mit Zeitverträgen abgespeist werden." Die Qualität des Unterrichts hängt viel weniger vom Schulsystem als von den unterrichtenden Lehrkräften ab. Deshalb müssen diese gut ausgebildet, motiviert und vor allem nicht überlastet werden.
In der schwierigen Phase des Umbaus der Schulstruktur ist über eine volle Unterrichtsversorgung hinaus eine Reserve erforderlich. Diese ist bei unerwartet notwendigen Differenzierungs- und Individualisierungsma߬nahmen unentbehrlich. Außerdem wäre damit flexibel auf temporäre Ausfälle durch Krankheiten oder Schulfahrten zu reagieren. Die Realschule plus kann nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Also: Ein kräftiges Plus muss her!
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