Baden-Württemberg

VBE appelliert: Auch bei Sechs kein Liebesentzug

"So schlecht kann ein Schulzeugnis gar nicht ausgefallen sein, dass Eltern ihr Kind dafür mit Liebesentzug bestrafen müssen", sagt der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Ger­hard Brand. Selbst eine Sechs in einem Unterrichtsfach rechtfertige nicht, sich vom eigenen Kind abzuwenden. Eine solch schlechte Note sei vielmehr ein deutliches Signal, dass es in letzter Zeit wohl Kommunikationsprobleme gegeben habe und der innerfamiliäre Kontakt verstärkt werden müsse.

25.07.2011 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Jetzt werden die Jahreszeugnisse an die rund 1,5 Millionen Kinder und Jugend­lichen an den über 4000 allgemein bildenden Schulen des Landes ausgegeben. Hinter diesen nüchternen Zahlen stehen immer Einzelschicksale.

Wenn die Schulberichte und Zeugnisnoten gut ausgefallen sind, motiviert das die Schüler zum Weiterarbeiten. Wenn in dem einen oder anderen Fach aber ein "Mangelhaft" oder gar ein "Ungenügend" im Zeugnisheft stehen, gibt es auch oft genug Verzweiflung, Tränen, Stress und böse Worte.

Zeugnisse dürfen nach Auffassung des VBE niemals als "Strafzettel" und nur be­dingt als "Denk"-zettel angesehen werden. Noten spiegeln stets nur einen Teil der Schülerpersön­lichkeit wider. Schulversagen hat meist verschiedene Ursachen: Längere Krank­heit, Schwierigkeiten im familiären Umfeld oder Schicksalsschläge.

Des Öfteren kommt es zu einer Überforderung durch den Besuch der falschen Schule. Gleichgültigkeit und Faulheit des Schülers sind in etlichen Fällen auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Manchmal tragen die schulischen Rahmen­bedingungen mit zum Scheitern bei; kennen doch die meisten Schüler Stütz- und Förderstunden nur noch vom Hörensagen. "Und nicht jede Familie hat", so VBE-Chef Brand, "die entsprechenden Mittel zur Verfügung, um dem Kind pri­vat teure Nachhilfe am Nachmittag zu finanzieren."

Der VBE appelliert an alle Erziehungsberechtigten, Kinder, die schlechte No­ten mit nach Hause bringen, nicht noch zusätzlich zu bestrafen. Nicht die Klas­senbesten sind es, die der Liebe der Eltern jetzt besonders bedürfen, sondern vielmehr die, die sich als die Verlierer fühlen. Vernünftig wäre es, gemeinsam zu überlegen, was man tun kann, damit die schulischen Leistungen im nächsten Jahr wieder besser ausfallen. Zuweilen hilft sogar das Wiederholen einer Klasse.


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