VBE begrüßt die Ausweitung des Ganztagsbetriebs
"Die meisten von der Landesregierung heute angekündigten Maßnahmen sind für die Kinder auf den Hauptschulen sinnvoll", so Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE NRW. "Der VBE bleibt aber dabei, dass der Gewinn für die Kinder noch größer wäre, wenn sie zusätzlich länger gemeinsam lernen dürften."
15.01.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRWDer VBE begrüßt die Ausweitung des Ganztagsbetriebs. Dass Ganztagsschulen einen positiven Beitrag zur Lernkultur in unseren Schulen leisten, ist inzwischen in Bildungspolitik und Bildungsforschung allgemein anerkannt.
"Völlig unverständlich ist aber deshalb, dass die Landesregierung bei der Neugründung von Gesamtschulen dieser Schulform den Ganztagsbetrieb verweigern will, wie jetzt für die Stadt Siegburg angekündigt", so Beckmann weiter. "Auch an Gesamtschulen lernen Kinder mit Hauptschulempfehlung. Es gibt keinen pädagogischen Grund, gerade diese Kinder nicht in den Genuss des Ganztags kommen zu lassen, zumal die Landesregierung ja den Ganztag auch an Realschulen und Gymnasien für sinnvoll hält."
Dass Kindern mit Russisch oder Türkisch als Muttersprache diese Sprache künftig an Hauptschulen als zweite Fremdsprache angeboten werden soll, begrüßt der VBE. Wenn dies aber als Möglichkeit zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen den Schulformen genutzt werden soll, müssen diese Sprachen auch an den anderen weiterführenden Schulformen angeboten werden. Nur dann ist ein nahtloser Wechsel von einer Schulform auf die andere möglich. Das Schulgesetz sieht vor, dass die Schulen regelmäßig prüfen müssen, welchen Schülerinnen und Schülern der Wechsel in einen anspruchsvolleren Bildungsgang empfohlen werden kann. Der Wechsel von der Hauptschule zum Gymnasium scheitert aber ab Klasse 6 daran, dass im Gymnasium in Klasse 6 die zweite Fremdsprache beginnt.
Der VBE begrüßt die angekündigte Erweiterung der Schulsozialarbeit. Allerdings dürfen Sozialpädagoginnen und –pädagogen auch künftig nicht auf Lehrerstellen geführt werden. Es ist aus Sicht des VBE pädagogisch nicht vertretbar, Schulsozialarbeit und Unterricht gegeneinander auszuspielen.
Der VBE bezweifelt, dass das Angebot der Landesregierung an die Kommunen, Zweckverbünde für einen ortsnahen Erhalt von Hauptschulen zu gründen, landesweit trägt.
"Alle Statistiken belegen, dass der Trend des Elternwahlverhaltens seit Jahrzehnten weg von der Hauptschule geht", so Beckmann. "Das wird die Landesregierung nicht stoppen können."
Darüber hinaus muss sich die Landesregierung auch nach dem pädagogischen Sinn einzügiger Hauptschulen fragen lassen. Wenn über Gemeinschaftsschulen gesprochen wird, erklärt die Landesregierung immer wieder, solche Schulen müssten "Mammutschulen" sein, um interne Differenzierungsmöglichkeiten zu haben. Man fragt sich dann, ob an Hauptschulen auf die notwendige Differenzierung verzichtet werden soll.
Die Landesregierung hat angekündigt, dass die Ergebnisse der Qualitätsoffensive Hauptschule in einer wissenschaftlichen Untersuchung evaluiert werden sollen.
"Das hält der VBE für unverzichtbar", so Beckmann weiter. "Entscheidend wird allerdings sein, wie offen die Landesregierung dann über die Ergebnisse dieser Untersuchung bis hin zur Schulstrukturfrage zu diskutieren bereit ist."
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