VBE: Die Hauptschule ist keine Hauptschule mehr
Wenn die FDP jetzt auf ihrem Landesparteitag darüber diskutieren muss, ob die Grundschulempfehlung künftig wirklich nur eine Empfehlung sein soll, wie der Begriff es eigentlich nahe legt, oder ob diese weiterhin bindend sein soll, liegt das vor allem daran, dass durch die gesellschaftliche Ablehnung der Hauptschule als vollwertige Schulart, das ganze Übergangsverfahren ad absurdum geführt wird. Beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) ist man sich sicher, dass ein längeres gemeinsames Lernen zumindest die soziale Ausgrenzung derjenigen verhindern würde, die sich zurzeit noch nach Klasse vier als die schulischen Verlierer fühlen.
04.01.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg"Die Hauptschule krankt daran, dass ihr die gesellschaftliche Anerkennung versagt wird", beklagt der VBE-Landeschef Rudolf Karg. "Jeder beteuert zwar, wie wertvoll diese Schulart im gegliederten Schulwesen sei, schickt aber die eigenen Kinder auf jede andere Schule, nur nicht auf die Hauptschule." Der abgewandelte Anti-Kriegs-Spruch "Stell dir vor, es gibt Hauptschulen und keiner geht hin!" sei immer mehr Realität geworden, sagt Karg. Waren es bisher lediglich die Schüler und deren Eltern, die, falls irgendwie möglich, einen großen Bogen um die Hauptschule machten, mieden jetzt auch immer mehr Lehrer diese unbeliebte Schulart mit der geringeren Besoldung und der höheren Unterrichtsverpflichtung. "Die wenigsten Berufsanfänger wollen freiwillig in die Hauptschule", weiß Karg.
In Baden-Württemberg gibt es unter dem Motto "Kein Abschluss ohne Anschluss" verschiedene anerkannte Wege zur Hochschulreife. Immer wieder wachen Spätentwickler plötzlich auf und starten mit Feuereifer erfolgreich durch - etwa in beruflichen Gymnasien. Natürlich fange man heute mit einem Hauptschulabschluss immer weniger an, und da versteht der VBE die Sorgen der Eltern sehr gut. Es müsse aber mit dem Zeugnis nach Klasse neun nicht Schluss mit Lernen sein, ermuntert der VBE-Chef zum Weitermachen. Dass aus einem Hauptschüler mit Durchhaltevermögen und Fleiß ein hochrangiger Bildungspolitiker werden kann, dafür legt der Staatssekretär im Kultusministerium, Georg Wacker (CDU), selbst beredt Zeugnis ab, der vor dem Aufbaustudium an der Mannheimer Hochschule für Musik auf eine Hauptschule ging.
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