Rheinland-Pfalz

VBE: Grundschulzeugnisse müssen auf den Prüfstand

"Die überwiegende Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen lehnt die verbalen Grundschulzeugnisse ab, die seit Einführung der neuen Grundschulordnung im Jahr 2008 gültig sind. Wesentliche Gründe dafür sind offensichtlich die vielfach empfundene unklare Resonanz bei den Eltern und der enorme zeitliche und organisatorische Aufwand, der zu Lasten des Unterrichts geht.

17.01.2012 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. (VBE-RP)

Fast 60% der Lehrkräfte favorisieren dagegen ein Zeugnis für die Schülerinnen und Schüler, in dem erworbene Kompetenzstufen den unterschiedlichen Lernbereichen zugeordnet werden. Dieses Zeugnis ist ebenso differenziert und individuell wie ein reines Verbalzeugnis, aber es ist lesbarer für die Eltern und einfacher in der pädagogischen Praxis. Weitere 25% votieren für weitere Zeugnisalternativen.

Dieses Ergebnis ist aus Sicht des VBE nicht als Abkehr von einer individuellen und differenzierten Leistungsdiagnostik bzw. Leistungsdokumentation zu werten. Die Botschaft lautet vielmehr: Individuelle Leistungsbewertung ja, aber lesbarer und ohne eine überbordende Bewertungsbürokratie."

Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema "Grundschule 2012 – wie individuell können Zeugnisse sein?" stellte der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft VBE, Johannes Müller, die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage seiner Gewerkschaft zur Leistungsdokumentation und Leistungsbewertung an den Grundschulen des Landes vor. Die Umfrage befasste sich im Vorfeld der diesjährigen Halbjahreszeugnisse, die am 27. Januar 2012 ausgegeben werden, mit den Erfahrungen über die Einführung verbaler Zeugnisse, die im Zuge der Erweiterung der individuellen Förderung seit 2009 gültig sind. An der Umfrage haben sich 2158 Lehrerinnen und Lehrer beteiligt.

Auf dem Hintergrund der Umfrageergebnisse nannte der VBE-Landeschef im Einzelnen folgende Forderungen an die Grundschulpolitik der Landesregierung:

  1. Die bisherigen Erfahrungen mit den ausführlichen Verbalzeugnissen an den rheinland-pfälzischen Grundschulen müssen offen und ohne Vorbehalte bilanziert werden.

  2. Die praktischen Erfahrungen der Schulen bzw. der Lehrerinnen und Lehrer müssen dabei maßgeblich zum Tragen kommen.

  3. Grundschulen müssen bei der individuellen Leistungsbewertung der Schülerinnen und Schüler eine Zeugnisform einsetzen, die übersichtlich und differenziert, für Eltern und Schüler gleichermaßen verständlich und in der pädagogischen Praxis einfach anzuwenden ist. Dem entspricht ein Kompetenzstufen - Zeugnis.

  4. Der Aufwand für Zeugnisvorbereitung und Zeugnisformulierung darf nicht mehr den Unterricht beeinträchtigen.

  5. Die Grundschulordnung muss umgehend überarbeitet werden.

Johannes Müller: "Es ist die zentrale Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, individuelles Lernen anzuregen, zu fördern und zu organisieren. Ihre Kompetenz und ihr Engagement für wochenlanges Zeugnisschreiben zu missbrauchen, ist eine verantwortungslose Verschleuderung pädagogischer Ressourcen!"

Hier zum Download:
Tischvorlage zur Pressekonferenz (PDF)
Anlage Beispiel Kompetenzstufen-Zeugnis (PDF)


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