VBE: Kosmetik oder Stärkung?

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Südbaden sieht die neuerlichen Versuche des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport (MKS) zur Stärkung der Hauptschule kritisch. Die Gedankengänge, die Grundschulempfehlung so abzuändern, dass als Auswahlmöglichkeiten Gymnasium, Realschule und Werkrealschule vorgegeben werden, dürfe keine kosmetische Sache sein, sagt der VBE-Sprecher Josef Klein (Rickenbach). Die völlig zu Unrecht ins schiefe Licht der Öffentlichkeit geratene Hauptschule könne niemals nur durch eine Namenskorrektur gestärkt werden. Vielmehr bedürfe es einer Reaktion, die auf die Bedürfnisse der Hauptschüler eingeht.

26.11.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

In Zeiten zerfallender Gesellschafts- und Familienstrukturen sei es dringend notwendig, dass Schule einen Lebensraum für die Schüler bildet, der ihnen ein Handeln innerhalb bestimmter Spielregeln ermöglicht. Dazu müssten den Schülern -davon ist der VBE überzeugt- andere Möglichkeiten geboten werden als Betreuungsangebote am Nachmittag. Eine echte Ganztagesschule erfordere auf jeden Fall eine deutlich bessere Lehrerzuweisung, sozialpädagogisch ausgebildete Betreuungskräfte, sowie deutlich bessere Rahmenbedingungen.

Was den VBE-Sprecher ebenfalls stört ist, dass es im Land keine erkennbaren Ansätze gäbe, bildungsfernere Bevölkerungsschichten für die Sache â Bildung und Erziehungâ notfalls auch mit sanftem Druck zu motivieren. Solange der Staat nur fördere, aber nicht fordere, kann man von einer positiiven Verhaltensänderung der Erziehungspersonen und damit auch der Kinder kaum ausgehen.

Der VBE steht in der gesamten Schulstrukturdebatte auf dem Standpunkt, dass der Mittelpunkt aller Betrachtungen das Vorankommen der Schüler sein muss. Eine Debatte um den Hauptschüler sei wesentlich nutzbringender als eine Debatte um die Hauptschule, auch wenn sie künftig vielleicht Werkrealschule heiße.

Das jahrzehntelange Lieblingsargument der Politiker, für weitere Verbesserungen sei kein Geld da, wird derzeit so offensichtlich widerlegt, dass auch diese Aussage ins Leere laufe. Für die Bankenkrise, Schloss Salem, Stuttgart 21 und weitere Projekte stehen von heute auf morgen Millionen zur Verfügung. Es sei an der Zeit, so Josef Klein, dass die Priorität für Bildung und Erziehung an allen wichtigen Nahtstellen ankomme. Es nütze gar nichts, wenn über die Hauptschule geredet, aber für das Gymnasium gehandelt werde.


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