VBE lehnt Vorgriffsstunden ab, da noch nicht einmal die alten zurückgezahlt sind
Beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht man mit Sorge, dass schon wieder Vorgriffstunden vorgesehen sind, obwohl die alten noch nicht einmal zurückgezahlt sind. "Auch Zeitkredite sind zusätzliche Schulden", stellt der VBE-Vorsitzende Gerhard Brand fest.
30.11.2010 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergArbeitszeitkonten bei Lehrern sind nach Auffassung des VBE nicht sehr sinnvoll, da die Beamten schon jetzt wählen können, ob sie mit vollem Deputat oder in Teilzeit arbeiten. Und Arbeitszeit, die wie durch die Vorgriffstunden über die 100 Prozent-Marke hinausgeht, schadet auf Dauer den Lehrern und damit auch den Schulen und deren Schülern.
Ab 1998 hat die Landesregierung mit der "Vorgriffsstunde" Lehrern fünf Jahre lang wöchentlich einen Zwangszeitkredit abverlangt, um damals nicht noch mehr Pädagogen einstellen zu müssen.
Nach einer fünfjährigen Karenzzeit werden den Lehrern seit 2008 die vorgearbeiteten Unterrichtsstunden über fünf Jahre verteilt wieder zurückgegeben. Noch ist dieser Zeitkredit nicht abgezahlt, da meldet die Landesregierung schon wieder Begehrlichkeiten mit Vorgriffstunden an.
Massiv ausfallender Unterricht macht Eltern wütend, und vor diesem geballten Unmut der Elternschaft hat die Landesregierung unmittelbar vor den Landtagswahlen zu recht große Sorge. Wenn aber Unterrichtsstunden fehlen, müssen mehr Lehrer eingestellt werden und nicht die im Dienst stehenden zusätzlich durch Mehrarbeit belastet werden. Und wenn die Kosten für Krankheitsvertretungen im Schulbereich dem Finanzminister über den Kopf wachsen, haben das wohl kaum die Lehrer zu verantworten.
Eine stabile Lehrerreserve vor Ort an der Schule - oder als "Feuerwehr" bei den Schulämtern angesiedelt - würde bei akuten Krankheitsfällen helfen, den Unterrichtsausfall möglichst gering zu halten und die gesunden Kollegen nicht obendrein zu belasten. Meist müssen Pädagogen bei Erkrankungen von Kollegen immer wieder zusätzlich einspringen oder sogar zwei Klassen parallel unterrichten. So etwas macht auf Dauer auch Gesunde krank. Angeordnete Vorgriffsstunden wären eine weitere Belastung, für die Lehrer wenig Verständnis zeigen.
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